Ein Fest für die ganze Kirche

Laura und Lukas feiern das Fronleichnamsfest und gehen mit der Prozession
Laura freut sich. Sie darf mit ihrer Mama den Altar an der Straßenecke schmücken. Ganz früh am Fronleichnamsmorgen ziehen sie los. Die Mutter trägt einen Korb. Darin liegen eine Vase, eine Flasche Wasser und ein Blumenstrauß. Unterwegs kommen Laura und ihre Mama an einer Blumenwiese vorbei. Schnell pflückt Laura noch ein paar Blumen. Als sie am Altar ankommen, treffen sie Lukas. "Gehst du gleich auch mit in der Prozession?", fragt Laura. "Ja", antwortet Lukas und fragt: "Darf ich mit euch zusammen gehen?" "Klar!", freut sich Laura. Sie überlegt kurz und fragt ihre Mama: "Warum feiern wir eigentlich Fronleichnam?" "Über die Entstehung dieses Festes gibt es eine schöne Geschichte", sagt die Mutter. Und sie erzählt:"Vor etwa 800 Jahren lebte in Belgien ein Mädchen. Sie hieß Juliana. Ihre Eltern waren gestorben. Deshalb wuchs sie bei Klosterschwestern in Lüttich auf. Juliana war sehr fleißig. Sie half den Schwestern bei ihrer Arbeit im Haus und im Garten. Die Schwestern erkannten bald, dass Juliana gut lernte. Sie unterrichteten sie in Lesen, Schreiben, Rechnen und Latein.
Als Juliana 14 Jahre alt war, wurde sie selber Klosterschwester. Eines Abends erblickte sie beim Beten den vollen Mond. Er hatte einen schwarzen Fleck. In der folgenden Zeit sah sie dieses Bild immer wieder. Sie träumte sogar davon. Da erkannte Juliana plötzlich, was ihr dieses Bild sagen wollte. Der Mond stellte das runde Kirchenjahr dar. Und der schwarze Fleck bedeutete, dass darin noch etwas fehlte, nämlich das Fest der Verehrung des heiligen Brotes. Dieser Gedanke ließ Juliana nicht mehr los. Doch sie erzählte niemandem davon – aus Angst, ausgelacht zu werden.
Ein Fest für die ganze Kirche
Erst als sie mit 37 Jahren Oberin des Klosters wurde, sprach sie mit ihren Mitschwestern darüber. Es kam, wie Juliana es befürchtet hatte. Einige Mitschwestern lachten sie aus. Sie verließ das Kloster und lebte von nun an allein. Doch es gab auch Menschen in der Kirche, die von ihrer Idee begeistert waren. So wurde Fronleichnam zum ersten Mal im Jahr 1246 in Belgien gefeiert. Auch in Deutschland fand dieses Fest immer mehr Anhänger. Papst Urban machte es 1264 zum Fest für die ganze Kirche. Der Name Fronleichnam kommt aus der damaligen deutschen Sprache. Fron hieß Herr. Weil wir bei dem Fest an das letzte Abendmahl am Gründonnerstag denken, wird es an einem Donnerstag gefeiert – immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten."
Warum gibt es eine Prozession?
"Warum machen wir denn an Fronleichnam eine Prozession?, fragt Lukas. „Wir tragen das heilige Brot, den Leib Christi, durch die Straßen. Und wir singen und beten dabei. Alle sollen sehen, dass wir uns freuen, zu Jesus zu gehören“, erklärt Lauras Mama. "Der Priester geht unter einem Baldachin und trägt die Monstranz. Die Monstranz ist ein Zeigegerät, ein kostbares, vergoldetes Gefäß. Darin wird die Hostie, das heilige Brot, hinter einem Glasfenster aufbewahrt."
Lauras Mutter schaut auf die Uhr. "Nun müssen wir uns aber beeilen. Denn die Prozession beginnt gleich." Die drei gehen zum Kirchvorplatz. Weil das Wetter so gut ist, wird die Messe vor der Prozession im Freien gefeiert.
