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Sind Notlügen okay?

Lukas liegt krank im Bett
© Susanne Mix

Manchmal ist es schwer, jemandem die Wahrheit zu sagen

Manchmal ist es schwer, jemandem die Wahrheit zu sagen. Oft greifen wir dann zu einer Notlüge. Statt gründlich über die Sache nachzudenken und uns damit auseinander zu setzen, wählen wir den bequemeren Weg – so wie Laura. Doch gut ging es ihr dabei nicht. Aber lest selber:

Lukas liegt im Bett. Er hat Fieber und Ohrenweh. "Eine Mittelohrentzündung, aber sie ist nicht ansteckend", hat der Arzt gestern gesagt. Heute geht es Lukas schon etwas besser.

"Hoffentlich kommt Laura bald", denkt er. Er würde sich so über ihren Besuch freuen. Lukas Mutter hat Lauras Mutter am Vormittag beim Einkaufen getroffen. "Ob Laura nachmittags zu Lukas kommen könnte?", hat Lukas Mama gefragt. "Klar, das macht sie bestimmt gern. Die beiden sind doch Freunde", hat Lauras Mutter geantwortet. Und nun dreht Lukas sich im Bett von der einen auf die andere Seite. "Ist das langweilig! Wäre Laura nur schon hier!", denkt er.

Laura muss gar nicht zum Zahnarzt

Da klingelt das Telefon. Die Mutter bringt Lukas den Hörer und sagt: "Es ist Laura." "Super, dass du anrufst! Von mir aus kannst du sofort kommen. Mir ist sooo langweilig im Bett. Wir könnten Karten spielen", sprudelt es aus Lukas heraus.

Laura druckst herum und sagt dann: "Tut mir Leid, Lukas. Es geht heute leider nicht. Ich muss nämlich zum Zahnarzt." In Wirklichkeit hat Laura sich schon mit Anna und Felix verabredet. In der Nachmittagsvorstellung des Kinos wird ein Zeichentrickfilm gezeigt, den sie sich eigentlich gemeinsam mit Lukas anschauen wollten. Aber heute ist die letzte Gelegenheit.

Lukas lässt sich nichts anmerken

Lukas kommt das Ganze sehr seltsam vor. Warum hat Lauras Mutter seiner Mama denn nicht gesagt, dass Laura einen Zahnarzttermin hat? Wusste sie es etwa nicht? Oder hat Laura vielleicht eine Notlüge erfunden?

"Bestimmt hat sie sich mit Anna und Felix zum Kino verabredet", vermutet Lukas. Aber er sagt nur: "Schade, da kann man nichts machen." Laura spürt ganz deutlich Lukas Enttäuschung. "Morgen komme ich bestimmt", verspricht sie.

Laura hat ein schlechtes Gewissen

Von dem Zeichentrickfilm bekommt Laura kaum etwas mit. Sie muss immer an Lukas denken und fühlt sich dabei sehr schlecht. "Was ist denn mit dir los?", fragt Anna, als der Film zu Ende ist. "Ich weiß nicht", druckst Laura herum. Doch dann erzählt sie Anna und Felix die ganze Geschichte.

"Du hättest Lukas die Wahrheit sagen sollen...", findet Felix, "... und ihn hinterher immer noch besuchen können", meint Anna. "Ihr habt Recht", sagt Laura. "Aber es ist mir schwer gefallen, die Wahrheit zu sagen. Ich hatte Angst, Lukas zu enttäuschen."

Anna schüttelt den Kopf und meint: "Bestimmt ist er jetzt noch viel enttäuschter. Denn er kann sich bestimmt denken, dass wir drei im Kino waren. Heute ist doch der letzte Spieltag." Auch Felix hat Bedenken und sagt: "Er kennt dich sehr gut und merkt sofort, wenn du nicht die Wahrheit sagst."

Alles wird gut

Laura überlegt kurz. Dann kauft sie an der Kinokasse eine Tüte Popcorn. Die mag Lukas nämlich besonders gern. Sie verabschiedet sich von Anna und Felix und läuft los. Laura ist noch ganz außer Atem, als Lukas Mutter ihr die Tür öffnet.

"Ich habe heute etwas ganz Blödes gemacht. Tut mir Leid. Bitte, sei mir nicht böse!", bittet Laura ihren Freund. Und dann erzählt sie ihm die ganze Geschichte. Lukas ist seiner Freundin nicht böse. Er freut sich, dass sie doch noch gekommen ist. Über das Popcorn machen die beiden sich gemeinsam her und essen die große Tüte ratzeputz leer. Und dann spielen sie Karten.

Von Margret Nußbaum
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