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Aus einer Mücke wird ein Elefant

Ein Mann in ernste Gedanken versunken
© katholisch.de

Die schlechte Laune von Lukas ist so ansteckend wie Windpocken

Es ist Samstag. Die Sonne scheint in Lukas Zimmer. Der Junge schlägt die Augen auf. "Schon elf Uhr! So ein Mist!", ruft er beim Blick auf den Wecker. Lukas hatte sich eigentlich den Wecker auf acht Uhr gestellt. Doch als er klingelte, war er noch müde. "Nur noch fünf Minuten", hatte Lukas gemurmelt und ist sofort wieder eingeschlafen.

Schlecht gelaunt zieht er sich an und geht zum Bäcker. Seine Mama hat ihn nämlich gebeten, das tolle Müslibrot zu kaufen, das es nur immer am Wochenende gibt. Lukas Eltern sind schon sehr früh unterwegs gewesen. Sie besuchen eine Tante im Krankenhaus und kommen erst mittags wieder zurück.

Alles ist doof

Beim Bäcker erlebt Lukas eine böse Überraschung. Das Brot ist ausverkauft. "So ein Mist!", ärgert er sich. Missgelaunt schlendert er nach Hause. Als er an Lauras Haus vorbei kommt, malt seine Freundin gerade mit Kreide Hüpfkästchen auf den Gehweg. "Machst du mit?", fragt sie Lukas. Doch der murmelt: "Keine Lust. Außerdem sind Hüpfkästchen doof und nur was für doofe Mädchen." "Was bildest du dir ein?", zischt Laura wütend. "Ach, lass mich in Ruhe, du dumme Gans!", faucht Lukas zurück.

Als er nach Hause kommt, sind die Eltern schon da. "Hast du an das Brot gedacht?", fragt die Mutter. "Der blöde Bäcker hatte keins mehr", sagt Lukas. "Warum bist du denn nicht früher gegangen?", fragt die Mutter. "Weil ich lange geschlafen habe", mault Lukas. "Ich dachte, ich könnte mich auf dich verlassen", antwortet die Mutter ärgerlich. "Wie kann man sich nur wegen eines doofen Brotes so aufregen?", schimpft Lukas, geht in sein Zimmer und schlägt lautstark die Türe zu.

Die schlechte Laune verbreitet sich in Windeseile

Als seine Mama nach ihm sieht, sitzt Lukas in einer Ecke und weint. Die Mutter streichelt ihm übers Haar und meint: "Da haben wir wohl beide aus einer Mücke einen Elefanten gemacht." Lukas ist so froh, dass die Mama wieder mit ihm redet. "Was meinst du damit?", fragt er.

"Man sagt es, wenn Leute sich wegen einer Kleinigkeit aufregen und mehr daraus machen, als die Sache eigentlich wert ist", erklärt die Mutter. "Und das Schlimme ist, dass der Ärger sich in Windeseile verbreitet." "So wie Windpocken?", fragt Lukas. "Ja, genau so", meint seine Mama. Lukas überlegt eine Weile. Dann sagt er: "Ich habe Laura und dich mit meiner schlechten Laune angesteckt. Das tut mir Leid."

Zum Glück ist die Mama nicht mehr böse. "Bitte, Mama, erzähl mir eine Geschichte!", bettelt Lukas. Die Mutter lässt sich nicht lange bitten und beginnt zu erzählen:

Warum die Amsel kein Mensch sein will

Eine kleine Amsel kommt von ihrem Ausflug zurück. Sie landet im Vogelnest hoch oben im Apfelbaum. Dort lebt sie mit ihren Eltern und Geschwistern. "Stellt euch vor!", berichtet die kleine Amsel. "Ich war heute in der Kastanienallee. Im ersten Garten habe ich Rast gemacht, um Regenwürmer auszugraben. Auf der Terrasse saß eine Familie beim Frühstück. Ich habe sie belauscht. Ihr wisst ja, wie neugierig ich bin!" Die Eltern und Geschwister lachen und nicken zustimmend mit ihren Köpfchen.

Dann beginnt die kleine Amsel zu erzählen: "Also, auf dem Frühstückstisch standen die herrlichsten Sachen: Brot, Butter, Marmelade, Käse und Müsli. Der Vater trank an seiner Tasse. Dann meinte er: Der Kaffee ist ganz lau. Vielleicht solltest du ihn das nächste Mal in eine Warmhaltekanne gießen. Die Mutter schimpfte: Mach du doch demnächst das Frühstück! Dann ist wenigstens alles so, wie du es brauchst! Der Vater nahm beleidigt seine Tasse und ging ins Haus. Der Sohn maulte, weil es kein Nutella gab. Die Tochter stocherte in ihrem Müsli herum und beklagte sich, dass zu wenige Rosinen drin sind. Und die Mutter schrie ihre Kinder an: Euer Gemecker ist ja nicht auszuhalten! Mir ist jedenfalls der Appetit gründlich vergangen! Dann ging auch sie ins Haus.

Alles hatte so harmlos angefangen

Die beiden Kinder begannen zu streiten. Und ihr Streit endete damit, dass das Mädchen den Jungen mit ihrem Frühstücksbrettchen schlug. Durch das Geschrei kamen die Eltern wieder auf die Terrasse. Und nun ging der Streit erst richtig los. Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen. Von den schönen Blumen in ihrem Garten, den Bienen und Schmetterlingen nahmen diese Menschen überhaupt keine Notiz. Und obwohl alle Vögel zwitscherten und jubilierten, hörten sie gar nicht hin.

Nein, in diesem Garten gefiel es mir plötzlich nicht mehr. Also flog ich zum nächsten. Hier arbeitete ein Mann in seinen Blumenbeeten. Die dummen Amseln!, schimpfte er. Sie scharren und scharren und werfen die ganze Erde auf den Gartenweg. Wenn ich die erwische!

Stellt euch vor", sagt die Amsel zu ihren Eltern und Geschwistern. "Der böse Mann erblickte mich und warf einen dicken Stein in meine Richtung. Wäre ich nicht schnell weggeflogen, hätte er mich getroffen." "So ein böser Mensch!", schimpft die Amselmutter. "Da ärgert er sich über ein bisschen Erde auf seinem Gartenweg und vergisst darüber, dass nicht nur er, sondern auch wir Amseln etwas zu essen brauchen. Wenn wir nicht scharren würden, kämen wir nicht an die Regenwürmer heran."

Der Apfelbaum ist eine Zumutung

Die anderen Amseln nicken zustimmend, und die kleine Amsel erzählt weiter: "Im nächsten Garten bekam ich einen Streit zwischen zwei Männern mit. Sie standen beide am Gartenzaun – jeder auf seiner Seite. Der eine sagte: Ihr Apfelbaum ist eine Zumutung! Jeden Tag muss ich das Fallobst aufheben. Und wenn ich den Rasen mähe, kann ich zuerst die herunter gefallenen Äpfel wegräumen, obwohl es ja Ihre sind! Ich verlange, dass Sie die Zweige bis zu meinem Gartenzaun abschneiden!

"Habt ihr so etwas schon einmal gehört?!", wundert sich die kleine Amsel. "Da beschwert sich jemand über Äpfel! Warum ist er nicht froh darüber? Er könnte das Fallobst essen, einen Apfelkuchen backen, Apfelmus oder Apfelsaft daraus zubereiten." Der Amselvater meint: "Da hat der liebe Gott allen Menschen und Tieren eine so wunderbare Natur geschenkt. Und die Menschen sind immer noch unzufrieden. Sie vergessen über all ihrem Streit und ihrer Unzufriedenheit, wie gut es ihnen geht." "Ja, du hast Recht", sagt die Amselmutter."„Wir sehen und hören noch all das Schöne um uns herum – im Gegensatz zu den Menschen. Denn die halten das alles für selbstverständlich."

Die kleine Amsel seufzt zustimmend. Sie ist sehr müde. Es war ein langer, anstrengender Tag. Sie legt sich zu ihren Geschwistern ins warme Nest und denkt vor dem Einschlafen: "Ein Glück, dass ich eine Amsel und kein Mensch bin!"

"Das war eine tolle Geschichte, Mama!", freut sich Lukas. "Und nun gehe ich zu Laura und sage ihr, dass es mir Leid tut. Hüpfkästchen sind nämlich gar nicht doof! Und Mädchen auch nicht."

Von Margret Nußbaum
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