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26.10.05 Seite drucken

Großwetterlage Pfarrgemeinderat

Stephan Foschepoth beschreibt die Atmosphäre in den ehrenamtlichen Gremien

Bistum Münster - 26.10.05 - Allenfalls eine "Großwetterlage" könne er beschreiben, sagt Stephan Foschepoth. Denn die Stimmungen in den einzelnen Pfarrgemeinderäten gestalteten sich immer unterschiedlich. "Das ist abhängig von den Akteuren und von den Situationen, in denen sich die Gemeinden derzeit befinden." Allerdings bestimme eine "Großwetterlage" sicher auch immer ein wenig das "kleine Klima" vor Ort. Und die Großwetterlage zeige durchaus etwas Frust und eine Portion Unklarheit, mit denen die Pfarrgemeinderäte derzeit zu kämpfen hätten. Eine Situation, die es nicht geben müsse, so Foschepoth: "Schaut einmal, was wirklich wichtig ist!"
Foschepoth ist als Leiter der Fachstelle Gemeinde-Entwicklung und pastorale Zusammenarbeit im Bischöflichen Generalvikariat Münster und als Mitarbeiter der überdiözesanen Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der Pfarrgemeinderatswahlen in Nordrhein-Westfalen nah dran an den Empfindungen in den neu zu wählenden Räten. Die vielen Gespräche, die er in den vergangenen Jahren zur Vorbereitung der Umstrukturierungen in den Gemeinden führte, und nicht zuletzt sein eigenes vierjähriges Engagement im Pfarrgemeinderat seiner Heimatgemeinde St. Johannes Baptist ins Senden-Bösensell haben ihm einen guten Einblick in die "Gefühlswelt" dieser Räte gegeben.

Neben der Wirklichkeit
Frust entwickele sich vor allem dort, wo in Zeiten der Umstrukturierung der Gemeinden die Beteiligten nicht wahrnehmen könnten, dass es auch in den neuen Formen weitergehen werde: "Gerade bei jenen, die sich grundsätzlich gegen neue Strukturen sperren." Dabei zeige sich ein zentrales Problem, mit dem viele Pfarrgemeinderäte zu kämpfen hätten: "Sie verlieren die Kernfrage des Glaubens aus dem Blick und verstricken sich in kleinen Diskussionen, in Debatten über Einzelaspekte."
Bei der Diskussion um die Strukturen genauso wie in anderen Themenbereichen: "Besonders beliebt sind zum Beispiel Fragen des Liturgieausschusses etwa über die Möglichkeiten von Laienpredigten." Ein zentrales Problem dabei sei die Wahrnehmung von außen: "Viele Menschen in der Gemeinde und ihrem Umfeld können mit solchen Themen nicht viel anfangen." Schnell könne der Pfarrgemeinderat dann das Attribut bekommen, ein Gremium zu sein, das sich auf ausschließlich innerkirchliche Angelegenheiten zurückgezogen habe und irgendwo neben der Wirklichkeit der Gesellschaft existiere.
Ein schwer zu schulterndes Attribut für die Akteure im Pfarrgemeinderat. Denn deren Ziel müsse es ja gerade sein, eben jene Kernfrage in die Gesellschaft zu tragen und zu beantworten: "Wie können wir den Menschen da draußen zeigen, dass wir in der Nachfolge Jesu stehen?" Also: Mission im Laienapostolat im besten Sinn, mit dem man das oft graue Dasein eines Pfarrgemeinderates verlassen könne, um sich nach außen zu positionieren. "Denn das ist es doch, was die Menschen in diesem Gremium eint, das große Ganze, mit dem man sich nach außen darstellen kann." Und das sei es auch, was viele der frustrierenden "Scharmützel", die von außen nur befremdet wahrgenommen werden könnten, überflüssig machen könne.

Noch nicht so weit
"Ich vermute, dass wir vielerorts aber noch nicht soweit sind, weil wir noch nicht begriffen haben, dass wir uns genau auf diese Kernfrage wieder besinnen müssen." Der missionarische Auftrag, sich vor dem gemeinsamen Glaubenshintergrund in der Gesellschaft neu zu positionieren, sei lange Zeit nicht auf der Tagesordnung gewesen. Jetzt müsse man ihn erst wieder mühsam erarbeiten: "Ein schmerzhafter Prozess, bei dem wir erkennen müssen, dass wir alle Kräfte in dieser Kernfrage bündeln müssen."
Im Übrigen dürfe das nicht nur eine Aufgabe des Pfarrgemeinderates bleiben: "Viele erleben doch, dass sich die Wähler nach der Wahl nie wieder melden und dass die Kommunikation gänzlich einschläft, besonders wenn es um eine solche Kernfrage geht."

Kommunikation mit der Gemeindeleitung
Ein ähnliches Gefühl herrsche oft in der Kommunikation mit der Gemeindeleitung: "In den wenigsten Fällen sagen sich Pfarrer und Pfarrgemeinderat, was sie voneinander erwarten." Ein fehlender Austausch, der in den vergangenen Jahren vielleicht auch eine Folge des Kommunikationsprozesses um die Umstrukturierungsmaßnahmen sein könne: "Ein Stück Resignation - am Ende haben bei den Entscheidungen viele die Grenzen einer Demokratie und die klare Hierarchie in der Kirche gespürt."
Es wäre aber falsch, sich von diesen Ereignissen den Mut nehmen zu lassen, sagt Foschepoth. Denn auch die Umstrukturierungen seien nur ein Thema, nicht aber die Kernfrage. Und deshalb ist er für die Zukunft der Pfarrgemeinderäte optimistisch: "Es werden sich dort diejenigen zusammenfinden, denen die Sache Jesu wichtig ist." Und sie könnten dort etwas erfahren, was in einer sonst so geregelten, genormten und kontrollierten Welt heute selten sei: "In dieser Frage ist nicht alles so fürchterlich fertig und zu Ende gedacht - dort, in den Pfarrgemeinderäten, können sie mitbestimmen, wie die Sache Jesu den Menschen nahe gebracht werden kann, ohne gleich an Grenzen zu stoßen."

Text und Foto: Michael Bönte, 26.10.2005

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