Die Erfahrungen der Synode

Blick in die Synoden-Aula: Papst, Kardinäle, Bischöfe, theologische Experten und so genannte Auditoren" (Zuhörer) beraten über die Eucharistie.
Beobachtungen und erste Bilanz von einem Teilnehmer der Weltbischofstagung im Vatikan
27.10.05 - Vatikan. Nach drei Wochen ging in Rom die 11. Weltbischofssynode zu Ende, die sich zum Abschluss des Jahres der Eucharistie intensiv mit diesem Sakrament beschäftigte. Neben 250 Bischöfen nahm der münstersche Theologe Thomas Söding teil. Er berichtet aus Rom von seinen Eindrücken.Grundfarbe Schwarz, aber mit vielen roten Tupfern - das ist der optische Eindruck, den die Synodenaula aus der hintersten Bank links oben vermittelt, wo die Theologen sitzen. In den drei ersten Reihen ist Platz für die Kardinäle mit ihren Purpurkappen, dahinter reihen sich im Auditorium nicht weniger als 200 Diözesanbischöfe ein, buntgemischt aus aller Herren Länder. Weit vorne ist die majestätische Schwärze der "Patriarchen" und "Seligkeiten" aus den katholischen Kirchen des Orients platziert. Im Rücken der Bischöfe, aber in der Mitte der Aula, sind die Ordenstrachten der Generaloberen zu sehen, daneben an der einen Seite die Soutanen und - vereinzelt - die dunklen Anzüge der "Experten", auf der anderen Seite, in gedeckten Farben, die Kleider, Trachten und Kombinationen der "Hörer" (die aber auch Rederecht haben): Vertreter religiöser Bewegungen und Initiativen aus allen Teilen der katholischen Welt. Ehrenplätze gibt es für die Delegierten anderer Kirchen: die Orthodoxen, den Anglikaner, den lutherischen Bischof aus Norwegen.
Videomonitore blenden die Gesichter der Synodenväter ein, wenn sie sprechen; ein Beamer setzt die Namen und Herkunftsländer hinzu und zeigt in der Zwischenzeit große Kunstwerke, die das Geheimnis der Eucharistie ins Bild setzen. Alle Blicke richten sich aufs Podium. In der Mitte leuchtet bei den allermeisten Sitzungen das Weiß des Heiligen Vaters, zu seinen Seiten, stets von ausgesuchter Höflichkeit, je drei Kardinäle und Bischöfe, die als "delegierte Präsidenten" die Sitzungen leiten und als "Relatoren" für die Texte verantwortlich sind.
Ein Bild der ganzen Kirche
Sieht so ein Bild der römischen Weltkirche aus? Näher kommt ihm gewiss, was sich bei den großen Gottesdiensten im benachbarten Petersdom zeigt: Dann ist das Volk Gottes in großer Zahl präsent, Musik erklingt, es wird gebetet; über die Eucharistie wird nicht diskutiert, sie wird gefeiert. Und wenn an einem Nachmittag eine eucharistische Andacht mit allen Synodenteilnehmern in der vollen Kirche gehalten wird, dann ist in den Momenten der Stille, im gemeinsamen Gebet, im Hören der Lesung vom brennenden Dornbusch, im Gesang der lateinischen Hymnen, beim stumm erteilten eucharistischen Segen zu spüren, welche Ausstrahlung die Eucharistie hat: Touristen werden zu Betern, Synodenväter finden sich als Gotteskinder, und theologische Berater gehen in die Knie.
Aber auch in der Synodenaula kommt zum Ausdruck, wie groß, wie weit, wie vielfältig die katholische Kirche ist: Ihr Angesicht ist schwarz, ist weiß, ist gelb, ist braun, ist rot. Die Bischöfe berichten aus Papua-Neuguinea und Argentinien, aus Japan und Australien, aus Somalia und Irland, aus Südafrika und Kasachstan, aus Brasilien und dem Kongo, aus Kanada und Australien, auch aus Frankreich, Italien und Deutschland. Man braucht Geduld, um Tag für Tag Wort für Wort zu lauschen.
Die Zeit wird lang, aber sie ist nicht verloren. Wo sonst kommen so viele Erfahrungen, so viele Gedanken, so viele Anregungen zusammen? Italienisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und Latein sind die Sprachen (und wer es braucht, kann per Kopfhörer der Simultanübersetzung folgen). Keine Sitzung, die nicht mit einem Gebet begonnen und beendet würde.
Zum 21. Mal sind Bischöfe zu Synoden nach Rom gerufen worden. Das Zweite Vatikanische Konzil hat damit begonnen; es hat den Papst aus seiner drohenden Isolation befreit und wieder ins Kollegium der Bischöfe gestellt. Seitdem werden immer wieder Kontinent für Kontinent Bischöfe zur Beratung des Papstes gebeten, und regelmäßig gibt es Weltsynoden, jetzt, zum Thema Eucharistie, ist es die elfte.
Jeder Bischof hat in der großen Aula ein einziges Mal Gelegenheit zu einem offiziellen Votum - genau sechs Minuten, dann wird, römischer Kardinal oder indonesischer Weihbischof, das Mikrofon dezent, aber effektiv abgedreht. Zudem gibt es erstmals täglich eine Stunde "freie Diskussion", ohne Beschränkung des Rederechts, aber mit einem strikten Zeitlimit von drei Minuten pro Beitrag. Alte Hasen sagen, diese Neuerung habe der ganzen Synode gutgetan; die Beiträge seien offener, die Stimmung sei besser geworden. Intensiv diskutiert wird allerdings nicht in der großen Aula, sondern eher in den kleineren Sprachgruppen, die mehrmals tagen, um die Voten im Plenum vor- und nachzubereiten.
Ehrliche Bilanz
Nur wenige Bischöfe vermitteln den Eindruck, in einer heilen Welt zu leben. Die meisten machen sich keine Illusionen und reden freimütig über Probleme in ihrem Land. Tabus? Über Schwierigkeiten mit dem Zölibat und die unsäglichen Sexskandale wird nur in den Pausen geredet. Im Übrigen scheint man mit den Alltagsproblemen mehr als genug zu tun zu haben. Manche Bischöfe sind so sehr über liturgische Unregelmäßigkeiten und katechetische Probleme besorgt, dass sie die Chancen und Aufbrüche unserer Zeit kaum erkennen können. Nicht wenige plädieren für strengere Regeln, klarere Vorschriften, schärfere Sanktionen; am Ende überwiegen die Stimmen derjenigen, die auf mehr Aufklärung setzen, auf bessere Bildung und tieferes Verstehen.
Die Kirche in Afrika und Asien wächst, in Lateinamerika verliert sie erheblich an neue Sekten, in Europa bleibt sie (statistisch) recht stabil. Aber wie sieht es mit der Qualität des Glaubenslebens aus? Wie oft wird Eucharistie gefeiert? Wie steht es um den Gottesdienstbesuch? Wie gut sind die Gläubigen auf den Empfang der Heiligen Kommunion vorbereitet? In sehr vielen Regionen gibt es Priestermangel, oft seit langer Zeit und viel stärker als in Deutschland.
Häufig ist von wiederverheirateten Geschiedenen die Rede, von Christinnen, die mit Muslimen verheiratet sind, von Familien, die traditionell die Polygamie kennen. Viele dieser Menschen sind tiefgläubig. Wie kann man ihnen, wenn sie die Eucharistie mitfeiern wollen, helfen, ohne ihre Lage schönzureden und ohne das Sakrament geringzuschätzen? Aus Deutschland und Amerika wird das Problem der Zulassung evangelischer Christen zur Kommunion auf die Tagesordnung gebracht: Wie kann der Grundsatz, dass jeder in seiner Kirche zur Kommunion geht, verständlich gemacht werden? Gibt es Ausnahmen von der Regel, ohne dass der Eindruck entsteht, es sei letztlich gleichgültig, ob jemand katholisch oder evangelisch ist? Niemand in der Synode behauptet, dass es einfache Antworten auf diese Fragen gibt. Gibt es jemanden außerhalb, der glaubt, sie zu haben?
Eine Synode ist kein Konzil. Sie gibt keine dogmatischen Erklärungen ab, sondern informiert über die Lage der Kirche. Eine Synode ändert nicht das Kirchenrecht. Sie ist ein Forum. Erfahrungen werden ausgetauscht, Argumente gewogen, Initiativen diskutiert, Stimmungen ausgelotet. Mehr noch: Eine Synode legt Zeugnis ab, wie das Evangelium zur Zeit und vor Ort gelebt wird. Eine Synode wendet sich mit Hinweisen und Anregungen an den Papst und legt ihm nahe, zu berücksichtigen, was ihm aus dem Erfahrungsschatz, dem Ideenreichtum und den Überzeugungen der Synodenmitglieder hilft, die Kirche voranzubringen.
Die Eucharistiesynode stellt nicht die Struktur des Amtes, die Theologie der Eucharistie, die zentrale Bedeutung der Messfeier zur Debatte. Sie setzt drei Akzente: bessere Vorbereitung, intensivere Mitfeier, stärkere Ausstrahlung. Darin kommt das katholische Urvertrauen zum Ausdruck, dass die Eucharistie tatsächlich ist, als was der Synodentitel sie bezeichnet: "Quelle und Gipfel des christlichen Lebens".
Ob alle Vorschläge fruchtbar sind, wird sich zeigen; ob die Synode mutig, ob sie gläubig, ob sie klar und offen, ob sie konkret, ob sie universal genug war - wer will das jetzt schon beurteilen? Entscheidend ist: Die katholische Kirche setzt auf die Kraft der Eucharistie; sie setzt auf den Glauben an das Geheimnis Gottes; sie setzt auf die Faszination des Evangeliums. Sie kann es, weil sie sich auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Grundstrukturen sicher glaubt: im Verhältnis von Christus und Kirche, Amt und Gemeinde, Papst und Bischöfen.
Der Papst und die Bischöfe
Benedikt XVI. ist der Bischof von Rom; als solcher ist er der Erste der Bischöfe, der Vorsitzende der Synode. Er versteht und führt sein Amt genau so, wie er es seinerzeit als Theologieprofessor in Münster beschrieben hat: als Nachfolger Petri, der um die Gefahren und Risiken des Glaubens weiß und um seine Aufgabe, Zeugnis vom Glauben abzulegen und dadurch die Kirche zu leiten. Er ist ein Papst, der außerordentlich präsent ist: bescheiden, freundlich, souverän. Er ist ein Papst, der zuhören kann: konzentriert, interessiert, wissend. Ganz selten ergreift er das Wort; wenn er es tut, weitet sich der Horizont: Die Gedanken atmen den Geist der Bibel, die Theologie spricht die Sprache des Volkes, die Gottesfrage wird gestellt und mit der großen Tradition der Kirche beantwortet - soweit es geht. Dieser Papst dekretiert nicht, er wirbt um das Verständnis der Bischöfe; er sucht Verbündete für sein großes Projekt, die Kirche menschlicher zu machen, spiritueller, wesentlicher.
Über 100.000 Kommunionkinder hat "Benedetto" an einem Samstagnachmittag während der Synode auf dem Petersplatz versammelt, zu einer Audienz der besonderen Art. Acht Fragen haben die Kinder gestellt, acht Antworten haben sie bekommen. Es war ein Fest des Glaubens für Kinder und Eltern, Großeltern und Freunde - und es war ein freundlicher Hinweis an die Adresse der Bischöfe. Diese Kinder müssen sie im Auge haben. Für sie Eucharistie zu feiern, Eucharistie zu lehren, Eucharistie zu leben, ist ihre wesentliche Aufgabe. Es ist die Aufgabe aller Gläubigen, der ganzen Kirche.
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