Beten zur Muttergottes

Kirche und Gottesdienst
„Mama, warum beten wir jetzt in der Kirche so oft zur Mutter Gottes?“, fragt Lukas. „Im Oktober denken wir ganz besonders an die Mutter Jesu. In vielen Kirchen wird abends der Rosenkranz gebetet. Man nennt den Oktober deshalb auch Rosenkranzmonat“, antwortet die Mutter. „Ich verstehe das ‚Gegrüßet seist du, Maria’ nicht. Was heißt eigentlich ‚gebenedeit’?“, möchte Lukas wissen. Die Mutter erklärt: „Es heißt so viel wie gesegnet.“ „Warum beten wir dann nicht ‚Du bist gesegnet’?“, fragt Lukas. „Das ‚Gegrüßet seist du, Maria’ ist ein altes Gebet“, erklärt seine Mama. „Es enthält im ersten Teil die Worte des Erzengels Gabriel. Gott hat ihn geschickt, und er sagt zu Maria: ‚Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir’.“Was der Engel heute sagen würde
„So redet doch heute kein Mensch mehr“, meint Lukas. „Nein“, lacht die Mutter. „Heute würde der Engel vielleicht etwas ganz anderes sagen, zum Beispiel: ‚Schön, dich zu sehen, Maria! Ich soll dir von Gott sagen, dass er dich sehr lieb hat. Und dass du bald einen Sohn bekommen wirst. Die Leute werden über ihn erzählen, dass er Gottes Sohn ist. Gib ihm den Namen Jesus und vertrau auf Gott. Ich soll dir von ihm ausrichten, dass er immer für dich da ist.’“ „Hat der Engel denn auch zu Maria gesagt, dass sie gebenedeit ist?“, fragt Lukas. „Nein, das hat Marias Kusine Elisabeth gesagt. Sie erwartete damals auch ein Baby. Und Maria hat sie besucht. Als sie das Haus von Elisabeth betrat, kam ihre Kusine ihr freudestrahlend entgegen und rief: ‚Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.’“ Lukas möchte wissen: „Was hätte Elisabeth denn heute zu ihrer Kusine Maria gesagt?“ Seine Mama antwortet: „Du siehst so glücklich aus. Gott hat dich gesegnet – mehr als alle anderen Frauen. Denn du vertraust ihm. Auch dein Kind, das du in deinem Bauch trägst und das Jesus heißen soll, ist gesegnet.’“
Maria tröstet uns Menschen
„Wie geht das Gebet weiter?“, fragt Lukas. Die Mutter spricht es bis zum Ende: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder. Jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“ „Aber ich habe doch gar nichts angestellt – wenigstens in der letzten Zeit nicht. Da bin ich doch kein Sünder“, meint Lukas. „Nein, du bist bestimmt kein Sünder. Aber in der Welt gibt es viel Unrecht und Sünde“, sagt die Mutter. „Wir Christen beten ja nicht nur für uns allein, sondern auch füreinander. Und viele Menschen wenden sich an Maria, wenn es um sie herum ganz dunkel ist. Wenn sie krank oder traurig sind, weil sie vielleicht um einen lieben Menschen trauern. Maria hat selber viel Leid erfahren. Denn sie stand unter dem Kreuz, als ihr Sohn starb. Sie hat ihn in seiner letzten Stunde nicht allein gelassen. Viele Menschen sagen von Maria, dass sie die Trösterin der Traurigen ist. Dass sie uns im Leid in ihre Arme nimmt wie eine Mutter ihr weinendes Kind. Deshalb bitten wir Maria, uns nicht allein zu lassen, sondern bei uns zu sein – auch wenn wir einmal alt sind und sterben müssen. Und wir können sicher sein, dass Maria bei Jesus ein gutes Wort für jeden von uns einlegen wird.“
Gegrüßet seist du, Maria!
Und dann beten Lukas und seine Mama gemeinsam. Und diesmal versteht Lukas, das Muttergottes-Gebet schon viel besser als vorher:
Gegrüßet seist du, Maria,
voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
