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Erntedank

Die Uroma erzählt von Erntedank
© Susanne Mix

Zum Erntedankfest ist Lauras Uroma aus Bayern zu Besuch

Laura und Lukas können sich an ihrem Korb mit den rotbackigen Äpfeln, den grünen Birnen und dem gelben Kürbis nicht satt sehen. Morgen wollen sie ihn mit in den Kindergottesdienst nehmen. Der Priester wird Obst, Gemüse und Getreide segnen. Denn es ist Erntedank.

Oma Katharina, die Urgroßmutter von Laura, ist zu Besuch. Sie bewundert den Korb, den Laura und Lukas gerade mit bunten Bändern schmücken. "Früher bei uns in Bayern wurde Erntedank gleichzeitig mit dem Kirchweihfest gefeiert", sagt die Uroma. "Bitte, Oma, erzähl uns davon!", bettelt Laura. Die Urgroßmutter lässt sich nicht lange bitten und beginnt zu erzählen:

Eine Erntekrone aus Ähren

"In unserem Dorf gab es viele Bauern. Mein Vater war einer von ihnen. Natürlich freuten wir Kinder uns besonders auf Weinachten. Aber fast genauso spannend war das Erntedankfest. Die Frauen im Dorf bastelten eine große Erntekrone aus Ähren und schmückten sie mit bunten Bändern. Wir Mädchen und Jungen durften sie in der Prozession tragen.

Zuerst zogen wir durch die Felder und dankten Gott für die gute Ernte. Dann trugen wir die Erntekrone in die Kirche. Dort wurde sie gesegnet. Jede Familie brachte einen Korb mit Früchten, Gemüse, Getreide und Broten mit. Der Priester segnete sie, und wir verschenkten nach dem Gottesdienst alles an arme Leute.

Tanz beim Kirchweihfest

Gleichzeitig mit dem Erntedankfest wurde das Kirchweihfest gefeiert. Wir dachten dabei an den Tag, als unsere Kirche fertig gebaut war und eingeweiht wurde. Das lag oft viele hundert Jahre zurück. Nach dem Gottesdienst trugen wir die Erntekrone zum Dorfplatz. Dort wurde sie aufgehängt.

Und dann begann das Kirchweihfest rund um das Gasthaus am Dorfplatz. Es gab ein gutes Essen, für die Erwachsenen Tanz und für uns Kinder Wettspiele wie Stelzenlauf, Ringwerfen und Sackhüpfen. Unsere Mütter und Großmütter hatten nach dem Erntedankfest viel zu tun. Sie mussten das Obst und Gemüse in Gläsern einwecken. Aus Äpfeln und Pflaumen wurde Mus gekocht.

Altes Brot wurde nicht weggeworfen

Die Bauern brachten das Korn zur Mühle und ließen Mehl daraus mahlen. Das Brot buken die Frauen selber. Bevor es bei uns am Tisch angeschnitten wurde, ritzte mein Vater mit einem Messer ein Kreuz hinein. Altes Brot wurde nicht etwa weggeworfen. Wir brauchten es als Einlage für Suppen und als Futter für unsere Hühner und Gänse. Schlimm war es, wenn die Ernte schlecht ausgefallen war."

"Musstet ihr denn Hunger leiden?", fragt Laura entsetzt. "Nein, ganz so schlimm war es nicht", beruhigt sie die Uroma. "Mehl zum Brotbacken hatten wir eigentlich immer. Auch Milch Käse und Fleisch. Mein Vater hielt Kühe, Schweine und Hühner. Aber manchmal wurde das eingemachte Obst oder Gemüse knapp. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr wir uns nach dem nächsten Frühjahr und Sommer sehnten, wenn es wieder Salat, Gemüse und die ersten Beerenfrüchte gab!"

Von Margret Nußbaum
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