Recht und Pflicht zur Evangelisierung
Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation
Vatikanstadt - Der Vatikan hat das Recht und die Pflicht der katholischen Kirche zur Missionsarbeit und zur Evangelisierung bekräftigt. Die Verkündigung der christlichen Botschaft und die Bekehrung zu Christus und zum katholischen Glauben seien kein Ausdruck von Intoleranz oder gar ein Angriff auf die Freiheit anderer Menschen, heißt es in einer Erklärung der vatikanischen Glaubenskongregation vom Freitag. Vielmehr gehörten die Verkündigung und das Zeugnis des Evangeliums zum "Wesen der Kirche" und seien der allererste Dienst, den die Christen der Menschheit leisten könnten.In einer "Lehrmäßigen Note zu einigen Aspekten der Evangelisierung" lehnt der Vatikan jeglichen Zwang in Glaubensfragen ab. Er beklagt jedoch, dass etliche Länder auch heute noch weder das Recht auf freie Glaubensverkündigung gesetzlich anerkennten noch wirklich respektierten.
In dem 20-seitigen Dokument heißt es, eine wachsende Verwirrung lasse heute vielfach den Missionsauftrag Christi ungehört und unwirksam werden. Der Respekt vor der religiösen Freiheit dürfe den Menschen keinesfalls gleichgültig gegenüber der Wahrheit und dem Guten machen. Die vom US-amerikanischen Kardinal William Levada geleitete Kurienbehörde wendet sich gegen relativistische Auffassungen, die jeden Verkündigungs- und Bekehrungsversuch als Angriff auf die Freiheit betrachteten.
Die legitime Pluralität von Denkpositionen sei heute vielfach einem "indifferenten Pluralismus gewichen", beklagt die Glaubenskongregation. Dahinter verberge sich ein "Misstrauen gegenüber der Wahrheit". Man meine, den christlichen Glauben nicht für Nicht-Christen verkündigen zu dürfen und deren Zugehörigkeit zur Kirche nicht fördern zu sollen. Andere lehnten die Verkündigung Christi mit der Begründung ab, man könne auch ohne ausdrückliche Kenntnis Christi und ohne formale Eingliederung in die Kirche gerettet werden.
Nicht Machtstreben, sondern rechtmäßiges Angebot
Die Kirche wolle mit ihrer Missionierung keinesfalls eine Machtgruppe vergrößern, stellt der Vatikan klar. Vielmehr gehe es ihr darum, die Menschen "in das Netz der Freundschaft mit Christus" eintreten zu lassen. Die Kirche sei Werkzeug des Reiches Gottes und nicht eine politische Utopie; sie sei "Werkzeug einer wahren Humanisierung des Menschen und der Welt". Daher sei es keine ungebührlich Einmischung, sondern ein rechtmäßiges Angebot und ein Dienst, wenn man "den Verstand und die Freiheit einer Person" ehrlich zur Begegnung mit Christus und seinem Evangelium auffordere.
Für den Christen gehöre zur gläubigen Annahme des Evangeliums auch der Wunsch, es anderen mitzuteilen, hebt das Papier hervor.
Die volle Zustimmung zu Christus und der Eintritt in die Kirche verminderten nicht die menschliche Freiheit, sondern erhöhten sie und brächten sie zu Vollendung. Zur Evangelisierung gehöre der ehrliche Dialog, betont der Vatikan. Die Kirche verbiete "streng, dass jemand zur Annahme des Glaubens gezwungen oder durch ungehörige Mittel beeinflusst oder angelockt werde". Umgekehrt trete sie auch für das Recht ein, dass "niemand durch üble Druckmittel vom Glauben abgehalten werde".
Ausdrücklich fordert die Glaubenskongregation die ökumenische Zusammenarbeit und den Dialog mit den nicht-katholischen Christen. Die Entscheidung eines Nicht-Katholiken, aus Gewissensgründen in volle Gemeinschaft mit der Kirche zu treten, sei als Ausdruck der Gewissens- und Religionsfreiheit zu respektieren. Es handele sich in einem solchen Fall nicht um Proselytismus im negativen Sinn. Die "Wiederaufnahme solcher Einzelner" stehe keineswegs im Gegensatz zur Ökumene.
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