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Streit um Lametta und Braten

Junges Paar streitet
© Sergey Ruskov/Fotolia.com
In vielen Familien kommt es Weihnachten zu Streit.

Warum es in vielen Familie gerade an den Weihnachtstagen zu Problemen kommt

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die Erwartungen sind hoch, die Vorfreude groß. Doch nicht selten kommt es über die Feiertage zum Familienstreit - ausgelöst durch eher belanglose Kleinigkeiten. Der Gänsebraten muss bestellt, das Lametta und die Kugeln vom Dachboden geholt werden. Auf der Weihnachtswunschliste der Familie ist noch erschreckend wenig abgehakt. Und zu allem Überfluss wollen die Kinder heute mit den Eltern zum Weihnachtsmarkt.

Gerade Mütter stehen in der Vorweihnachtszeit unter Druck - auch wenn die Werbung in den Medien ein völlig anderes Bild vermittelt. Die strahlende, immer gut gelaunte Mutter backt, kocht und schmückt unermüdlich. Und dabei sieht sie immer topfit und gepflegt aus. "Das geht völlig an der Realität vorbei und lässt unsichere Mütter an sich selbst zweifeln", sagt Stefan Wiebe, Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung der katholischen Kirche in Wolfsburg. "In der Vorweihnachtszeit gehen vor allem Frauen oft bis an ihre Belastungsgrenze. An den Feiertagen kommt die Erschöpfung raus. Kein Wunder, dass dann die Nerven zum Zerreißen gespannt sind."

Die Suche nach einem Kompromiss

Hinzu kommen die unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen der Ehepartner. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dabei die jeweiligen Herkunftsfamilien. Bei der einen Familie kam immer Gänsebraten auf den Festtisch, bei der anderen Karpfen. Die einen schmückten den Baum mit Lametta, die anderen mit Strohsternen. Da einen Kompromiss zu finden, ist nicht immer einfach.

Tipps gegen Stress:

- An den Planungen und Vorbereitungen für Weihnachten sollten alle Familienmitglieder beteiligt werden. So hat niemand das Gefühl, dass alles auf seinem Rücken ausgetragen wird.

- Setzen Sie sich mit Ihrer Familie zusammen und überlegen Sie gemeinsam: Was war im vergangenen Jahr an Weihnachten gut und was war schlecht? Was könnten wir diesmal anders machen?

- Jeder sollte an den Feiertagen Gelegenheit haben, sich auch einmal zurückzuziehen. Denn das lange Zusammensein mit der Familie strengt an. Gut tun auch Spaziergänge.

"Mit dem Weihnachtsfest sind immer auch Emotionen verbunden. Die Bilder aus der eigenen Kindheit bekommen nun eine ganz besondere Bedeutung. Das kann zuweilen so weit führen, dass es wegen Gans oder Karpfen tatsächlich kracht", sagt Wiebe und nennt einen Ausweg aus dem Dilemma: "Wichtig ist es, sich bereits in der Vorweihnachtszeit mit Fragen auseinander zu setzen: Was erwarte ich von Weihnachten und was mein Partner? Was ist ihm und mir wichtig? Wo könnten wir Kompromisse schießen? Solche Gespräche zeigen: Beide Partner geben sich Mühe und sind bereit, die Identität des anderen anzuerkennen, ohne die eigene dabei aus den Augen zu verlieren."

Das Weihnachtsfest verlängern

Viele Familien fühlen sich vom straffen Zeitplan an den Feiertagen überfordert. Sie spüren, dass das eigene Familienleben zu kurz kommt, wenn sie nur noch zwischen Eltern, Großeltern und Paten hin- und herpendeln. Auch hier setzt der Familienberater auf klärende Gespräche. "Oft ist schon viel gewonnen, wenn man die gegenseitigen Besuche zeitlich etwas entzerrt", sagt er. "Es muss sich ja nicht alles am Heiligen Abend oder am ersten Weihnachtstag abspielen. Die Zeit zwischen den Jahren bietet reichlich Gelegenheit für gemeinsame Treffen und Nachweihnachts-Feiern."

Ähnliches gilt für getrennt lebende Eltern. Doch die Wirklichkeit ist eine andere. "Sowohl die Mutter als auch der Vater möchten an Weihnachten möglichst viel Zeit mit ihrem Kind verbringen. Dann wird der Streit auf dem Rücken des Kindes ausgetragen." Stefan Wiebe empfiehlt Eltern in Trennungssituationen, rechtzeitig vor Weihnachten Kontakt zu einer Lebensberatungsstelle aufzunehmen. "Wir unterstützen getrennt lebende Mütter und Väter darin, verantwortlich mit sich und ihren Kindern umzugehen. Dazu gehört, sich immer am Wohl des Kindes zu orientieren, wenn es darum geht, wann es wie lange und bei wem Weihnachten feiern darf."

Von Janina Mogendorf
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