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Streit um Lametta und Gänsebraten

Ein Paar streitet sich.
© KNA
Oft wird an Weihnachten gestritten

Warum es gerade an Weihnachten kriselt

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die Erwartungen sind hoch, die Vorfreude groß. Doch nicht selten kommt es über die Feiertage zum Familienstreit – ausgelöst durch eher belanglose Kleinigkeiten. Der Gänsebraten muss bestellt, das Lametta und die Kugeln vom Dachboden geholt werden. Auf der Weihnachtswunschliste der Familie gibt es im Augenblick noch erschreckend wenig als erledigt abzuhaken. Und zu allem Überfluss möchten die Kinder heute mit den Eltern zum Weihnachtsmarkt: „Das steht heute auf dem Zettel im Adventskalender!“, erklärt ein Kind. Das andere fragt: „Mami, kannst du nicht noch Plätzchen für unsere Klassen-Weihnachtsfeier backen?“

Mütter gehen oft an ihre Belastungsgrenze

Gerade Mütter stehen in der Vorweihnachtszeit unter Druck – auch wenn die Werbung in den Medien ein völlig anderes Bild vermittelt. Die strahlende, immer gut gelaunte Mutter backt, kocht und schmückt unermüdlich. Das Besorgen der Weihnachtsgeschenke ist für sie Vergnügen pur. Und dabei sieht sie immer topfit und gepflegt aus. „Das geht völlig an der Realität vorbei und lässt unsichere Mütter an sich selbst zweifeln“, sagt Stefan Wiebe, Leiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Katholischen Kirche in Wolfsburg. „In der Vorweihnachtszeit gehen vor allem Frauen oft bis an ihre Belastungsgrenze. An den Feiertagen kommt die Erschöpfung raus. Kein Wunder, dass dann die Nerven zum Zerreißen gespannt sind.“

Die Suche nach einem Kompromiss

Hinzu kommen die unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen der Ehepartner. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dabei die jeweiligen Herkunftsfamilien. Bei der einen Familie kam immer Gänsebraten auf den Festtisch, bei der anderen Karpfen. Die einen schmückten den Baum mit Lametta, die anderen mit Strohsternen. Da einen Kompromiss zu finden, erscheint auf den ersten Blick einfach. Aber: „Mit dem Weihnachtsfest sind immer auch Emotionen verbunden. Die Bilder aus der eigenen Kindheit bekommen nun eine ganz besondere Bedeutung. Das kann zuweilen so weit führen, dass es wegen Gans oder Karpfen tatsächlich kracht“, sagt Stefan Wiebe und nennt einen Ausweg aus dem Dilemma: „Wichtig ist es, sich bereits in der Vorweihnachtszeit mit Fragen auseinander zu setzen: Was erwarte ich von Weihnachten und was mein Partner? Was ist ihm und mir wichtig? Wo könnten wir Kompromisse schießen? Solche Gespräche zeigen: Beide Partner geben sich Mühe und sind bereit, die Identität des anderen anzuerkennen, ohne die eigene dabei aus den Augen zu verlieren.“

Das Weihnachtsfest verlängern

Viele Familien fühlen sich vom straffen Zeitplan an den Feiertagen überfordert. Sie spüren, dass das eigene Familienleben zu kurz kommt, wenn sie nur noch zwischen Eltern, Großeltern und Paten hin- und herpendeln. Auch hier setzt der Familienberater auf klärende Gespräche. „Oft ist schon viel gewonnen, wenn man die gegenseitigen Besuche zeitlich etwas entzerrt“, sagt er. „Es muss sich ja nicht alles am Heiligen Abend oder am ersten Weihnachtstag abspielen. Die Zeit zwischen den Jahren bietet reichlich Gelegenheit für gemeinsame Treffen und Nachweihnachts-Feiern.“ Ähnliches gilt für getrennt lebende Eltern. Doch die Wirklichkeit ist eine andere. „Sowohl die Mutter als auch der Vater möchten an Weihnachten möglichst viel Zeit mit ihrem Kind verbringen. Dann wird der Streit auf dem Rücken des Kindes ausgetragen.“ Stefan Wiebe empfiehlt Eltern in Trennungssituationen, rechtzeitig vor Weihnachten Kontakt zu einer Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle aufzunehmen. „Wir unterstützen getrennt lebende Mütter und Väter darin, verantwortlich mit sich und ihren Kindern umzugehen. Dazu gehört, sich immer am Wohl des Kindes zu orientieren, wenn es darum geht, wann es wie lange und bei wem Weihnachten feiern darf.“

So lässt sich Stress vermeiden

An den Planungen und Vorbereitungen sollten alle Familienmitglieder beteiligt sein. So hat niemand das Gefühl, dass alles auf seinem Rücken ausgetragen wird.

Setzen Sie sich mit Ihrer Familie zusammen und überlegen Sie gemeinsam: Was war im letzten Jahr an Weihnachten für den einzelnen wichtig oder eher belastend? Was könnten wir diesmal anders machen?

Jeder sollte an den Feiertagen Gelegenheit haben, sich auch mal zurückzuziehen. Denn das lange Zusammensein mit der Familie strengt an. Gut tun auch gemeinsame Spaziergänge. Frische Luft ist nämlich eine regelrechte Stressbremse.

Infos

Anschriften und Telefonnummern von Beratungsstellen finden Sie unter www.katholische-eheberatung.de und www.bke.de (Bundeskonferenz für Erziehungsberatung). Bei dringendem sofortigem Beratungsbedarf rufen Sie die Telefonseelsorge unter 0800-1110111 oder 0800-1110222 an. zum Anfang zum Anfang
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