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Ein König mit Verspätung

Eine Spende für Kinder in aller Welt: Roma Hipp hält stolz die Spendendose.
© Martin Werner/Die Sternsinger
Die meisten Leute wundern sich tatsächlich über die zwei kleinen Könige.

Zwei Sternsinger stapfen durch die Kälte und sammeln Spenden für den guten Zweck

"Kalte Ohren, kalte Hände – egal, wir kommen! Die Sternsinger sammeln wieder für Kinder in aller Welt, die im Elend leben. Dabei bauen wir auf eure Hilfe. Und deshalb besuchen wir euch am 4. Januar nachmittags. Schönen Dank und liebe Grüße - Eure Sternsinger." Laura, Lukas und ihre Freundinnen und Freunde aus der Sternsinger-Gruppe schreiben diesen Text auf viele Papiersterne und stecken sie in Briefumschläge. Die verteilen sie anschließend im ganzen Viertel.

Kalte Ohren und kalte Hände

"Brrr, ist das kalt!" "Kalte Ohren und kalte Hände haben wir jetzt schon!", meint Lukas. Zum Glück hat Oliver, der Gemeindereferent, vorgesorgt. "Kommt schnell ins Warme!", fordert er die Sternsinger auf. Drinnen ist es gemütlich. Oliver hat den Tisch mit Tannenzweigen und Kerzen geschmückt. Es gibt heiße Schokolade und Kekse. Hmm, das schmeckt! "Bitte, Oliver, lies uns eine Geschichte vor!", bettelt Laura. "Ja, eine Sternsinger-Geschichte!", ruft Benjamin. "Da habt ihr Glück", meint Oliver. "Denn heute morgen fand ich in einem Buch die Geschichte vom kleinen König, der sich verspätet hatte." "Bitte, lies sie uns vor!", betteln die Kinder. Und Oliver beginnt zu lesen:

Zwei Könige warten auf den dritten

"Wo Robert nur bleibt?", fragt Johannes und schaut auf die Uhr. "Der wird uns doch wohl nicht hängen lassen!", meint Teresa. Die drei Kinder wollen heute nämlich als Sternsinger von Haus zu Haus gehen. "Auf Robert ist kein Verlass!", schimpft Johannes. "Komm, Teresa, lass uns gehen! Dann sind wir eben nur zwei Könige und nicht drei." "Aber was werden die Leute sagen, wenn wir nur zu zweit sind?", gibt Teresa zu bedenken. "Das ist mir egal", sagt Johannes. "Wenn wir jetzt nicht gehen, schaffen wir es nicht bis heute Abend."

Johannes und Teresa ziehen los. Die meisten Leute wundern sich tatsächlich über die zwei kleinen Könige. "Damals in Betlehem waren es drei. Habt ihr einen unterwegs verloren?", fragt ein Mann scherzend.

Da kommt der dritte König ja endlich!

Nun sind schon zwei Stunden vergangen, und von Robert noch immer keine Spur. "Der kann was erleben!", schimpft Johannes vor sich hin. Es ist schon dunkel, als die beiden jemanden von weitem mit den Armen winken sehen. "Das ist der Robert!", ruft Teresa. Tatsächlich. Robert läuft, so schnell er in seinem Sterninger-Gewand kann, auf seine Freunde zu. "Spinnst du, erst jetzt zu kommen?!", poltert Johannes sofort los. "Nö, ich spinne überhaupt nicht. Höchstens du, weil du sofort los schimpfst und nicht abwartest, was ich dir erzähle", wehrt sich Robert.

Noch ganz atemlos berichtet er: "Ich war gerade auf dem Weg zu euch, da passierte unterwegs ein Unfall. Ein Radfahrer fuhr die kleine Jule, die neben uns wohnt, an. Jule lag verletzt am Boden. Sie schrie und jammerte nach ihrer Mama. Ich wusste aber, dass die Mutter unterwegs war und erst am Abend nach Hause kommen wollte. Die Oma sollte solange auf Jule aufpassen. Die Oma ist aber schwer herzkrank. Wenn die von dem Unfall erfahren hätte, weiß ich nicht, was passiert wäre. Ich konnte Jule beruhigen.

Eine tolle Überraschung!

Und dann bin ich mit ihr im Krankenwagen zum Krankenhaus gefahren. Die Leute haben vielleicht gestaunt! Ich war ja schon als König verkleidet. Zum Glück hatte Jule nur ein paar Prellungen. Sie durfte wieder nach Hause. Als ich im Krankenhaus auf Jule gewartet habe, gaben mir einige Patienten, Ärzte und Krankenschwestern Geld. Stellt euch vor: Es sind insgesamt 143,50 Euro!" "Mensch, wir haben ja zu zweit noch nicht einmal die Hälfte!", staunt Johannes.

Als sie am Abend dem Pfarrer die Geschichte erzählen, meint er: "Das hast du prima gemacht, Robert! Dort helfen, wo du gebraucht wirst, und nicht geradeaus auf dein Ziel zugehen, ohne nach rechts und links zu schauen. Die Sterndeuter hätten bestimmt auch am Wegrand einem Menschen in Not geholfen und wären dann erst weitergegangen."

Von Margret Nußbaum
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