Das Geheimnis von Weihnachten lebt da, wo wir für das Leben sind

Weihnachtspredigt von Erzbischof Becker
Paderborn - In Jesus Christus stelle sich Gott in die menschliche Reihe, er lasse Menschen an sich heran, er werde für die Menschen Vater, Bruder, Heiland und Erlöser. Das betonte Erzbischof Hans-Josef Becker in seiner Weihnachtspredigt während des Pontifikalamtes am ersten Weihnachtstag im Hohen Dom zu Paderborn. „Das Geheimnis des Weihnachtsfestes zeigt sich da, wo der Glaube an Gott nicht lediglich Lust und Laune, Gefühl oder Sentimentalität ausgeliefert bleibt, sondern wo er gelebt und mitgetragen wird durch die Begegnung mit Gott in den Sakramenten.“An Weihnachten werde gefeiert, dass Gott Mensch unter Menschen werde, erinnerte Erzbischof Becker. Dies bedeute, jeder habe ein Recht, auf der Welt zu sein und leben zu dürfen, habe ein Recht auf Zuhause und Geborgenheit, auf Liebe und Treue, auf Vertrauen und Zuneigung und auf Güte und Respekt, Toleranz und Ehrfurcht. „Gott ist kein Konkurrent, den wir fürchten müssen, Gott will, dass wir den Himmel finden, das Heil erlangen. Gott will, dass wir glücklich sind und uns dafür einsetzen, dass auch andere Menschen glücklich sein können, Heil und Himmel finden.“ Diese Gewissheit menschlicher Existenz sei jedoch in den letzten Monaten im hochentwickelten industrialisierten Deutschland zur Frage geworden, so Erzbischof Becker weiter. Es sei zu befürchten, „dass doch mehr als die uns bekannten Fälle von Mangel an Zuwendung und Verachtung von Menschenleben in der frühesten Phase zu Tage treten.“ Angesichts von „Kindestötungen ohne Skrupel oder von Kurzschlusshandlungen auf sehr, sehr niedrigem Toleranzniveau“ dürfe man nicht die Augen schließen vor der Krankheit im Gemeinwesen, die inzwischen elementarste Lebensgemeinschaft nicht nur erreicht habe, sondern bereits zu zersetzen drohe, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt.
Weihnachten könne und dürfe nicht auf den Gottesdienst, auf Lichterglanz und Kerzenschein eingegrenzt bleiben. Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus sei nicht irgendwann einmal geschehen und seither lediglich geschichtliche Erinnerung. Weihnachten sei immer, sei heute, sei morgen, so Erzbischof Becker. „Das Geheimnis von Weihnachten lebt da, wo wir für das Leben sind und wo es menschlich zugeht, wo wir zuhören und ausreden lassen, wo wir Mut machen und Hoffnung bringen, wo wir gütig sind und Freude schenken, wo wir nicht nur an uns selbst denken, sondern teilen können, was wir haben. Das Weihnachtsgeheimnis ergreift uns da, wo wir ein Zuhause schaffen und Geborgenheit ermöglichen, wo wir die Liebe und die Treue leben, wo wir verlässlich sind, wo wir Krisen als Herausforderungen ansehen und nicht gleich alles hinwerfen und weglaufen. Weihnachten lebt da, wo wir leid-sensibel sind, also Leid wahrnehmen und nicht daran vorbeisehen, sondern unseren Möglichkeiten entsprechend Leid auch mittragen.“
Christen seien dazu berufen, durch ihr Leben zu bezeugen, dass es Weihnachten gibt, über die Feiertage hinaus Wirklichkeit werden zu lassen, was Weihnachten verkündet: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“. Im Kind von Bethlehem, in Jesus Christus gehe Gott den menschlichen Weg mit, sagte Erzbischof Becker zum Abschluss seiner Predigt.
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