Es muss wieder stärker um den Menschen gehen

© Erzbistum Freiburg
Weihnachtsbotschaft von Erzbischof Zollitsch
Freiburg - Zu einer Neubesinnung im Blick auf Gerechtigkeit und Frieden in der Gesellschaft hat Erzbischof Dr. Robert Zollitsch in seiner Predigt am ersten Weihnachtsfeiertag im Freiburger Münster aufgerufen. „Wenn Friede unter uns nicht konkret wird, feiern wir Weihnachten nur unvollständig“, sagte er. Weihnachtlicher Friede inmitten einer zerstrittenen und erlösungsbedürftigen Welt sei die Botschaft des Weihnachtsfestes auch für die Gegenwart im Jahr 2007.Eindringlich warb Zollitsch in seiner Weihnachtsbotschaft dafür, den Menschen wieder stärker in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Gott sei Mensch geworden, weil es ihm um den Menschen gehe. „Sollte es daher nicht gerade uns Menschen bei allem Tun und allen Entscheidungen zuallererst um den Menschen gehen?“, fragte er. Es sei schockierend, wenn Großbetriebe, obwohl sie beträchtliche Gewinne verbuchten, Mitarbeiter entlassen, nur um die Personalkosten zu senken. Wenn man dann noch an so manche total überhöhten Managergehälter oder an astronomische Summen von Abfindungen denke, sei eine Neubesinnung im Blick auf Gerechtigkeit und Frieden unbedingt notwendig.
Allerdings, so der Freiburger Erzbischof, bedeute Weihnachten keineswegs, dass Jahr für Jahr ein Füllhorn des Friedens über alle ausgeschüttet werde. „Die Geburt Christi gleicht nicht einem Sechser im Lotto, der jede weitere Sorge vertreibt und jeglichen eigenen Einsatz überflüssig macht“, betonte er. Gott lege den Frieden nicht einfach in Geschenkpapier verpackt unter den Christbaum. „Die Gabe des Friedens wird uns zur Aufgabe gegeben“, sagte Zollitsch und verwies auf eine starke Zunahme an Brutalität und Gewalt vom Kinderzimmer über Schulhöfe und Straßen bis in die Familien hinein.
Angesichts solcher Erfahrungen müssen „wir uns die Sorge um den Frieden in unserer Gesellschaft neu zu eigen machen“, so der Erzbischof. Denn eine Gesellschaft, die sich dieser Aufgabe nicht mehr stellen würde, wäre eine arme Gesellschaft, auch wenn sie materiell noch so reich wäre. Friede verlange Initiative und Pflege, er brauche Wachstum und Zeit, mahne Arbeit und Sorge an, denn er sei klein und verletzlich.
Mit deutlichen Worten ging Erzbischof Zollitsch auf einen überzogenen Individualismus ein: „Eine Ellenbogengesellschaft bringt uns nicht weiter“, sagte er. Die „Geiz-ist-geil“-Kampagne sei zwar vorbei, habe aber Spuren hinterlassen und die Grundversuchung geschürt, auf Kosten der Solidarität zu sparen und auf Kosten der Nächstenliebe eigennützig zu sein. „Wenn Sparsamkeit zum rücksichtslosen Geiz pervertiert, ist sie auf dem Holzweg“, sagte er. zum Anfang









