logo

Brauchtum 27.12.07 Seite drucken

Kleeblätter und Hufeisen

Glücksschwein und Klee
© katholisch.de

Zum Jahreswechsel stehen Glücksbringer hoch im Kurs

Bonn - Weihnachten ist kaum vorbei, da werden Deutschlands Supermärkte vom Silvestersortiment überschwemmt. Neben allerhand Feuerwerkszeug sprießen in der kurzen Zeit zwischen den Festen die Glücksbringer in den Verkaufsregalen: Glücksklee, Glücksschwein und Glückspfennige, Hufeisen und Schornsteinfeger - jedes Jahr werden es mehr.

Dabei ist der Jahreswechsel am 31. Dezember eigentlich nichts anderes als ein "Buchhaltertermin", meint Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti. Doch der kalendarische Anbruch eines neuen Jahres bewegt den Menschen offenbar dazu, den Blick auf Neues zu wagen und gute Zeiten zu erhoffen. "Glück ist säkularisierte Gnade, ein ungeschuldeter und ersehnter Zustand, der mir mehr bringt, als ich eigentlich verdient habe", meint Becker-Huberti in seinem Buch "Feiern, Feste, Jahreszeiten".

Wer in der Silvesternacht mit Ritualen wie dem Bleigießen diesen "ersehnten Zustand" heraufbeschwören möchte, folgt nach Ansicht von Benediktinerpater Anselm Grün zunächst einmal einem menschlichen Bedürfnis. "Rituale schaffen eine heilige Zeit, die mir gehört - und wenn ich das genießen kann, dann bin ich durchaus glücklich", sagt er. Doch der Autor vieler Bücher zum Thema Glück warnt zugleich: "Wenn ich meine, ich werde Glück haben, wenn ich das Ritual mache, ist das ein magisches Denken."

Immerhin: Christen können guten Gewissens auf die durchaus prominente Schar von Heiligen verweisen, die mit Glückssymbolen in Verbindung gebracht werden. Bekanntester Vertreter dürfte der Heilige Patrick sein. Der Missionar der Iren soll seinen Zuhörern im fünften Jahrhundert mit dreiblättrigen Kleeblättern in das Geheimnis der Dreifaltigkeit eingeführt haben. Das seltenere vierblättrige Kleeblatt, biologisch gesehen eine simple Mutation, galt späterhin sogar als Symbol des Kreuzes. Noch heute tragen viele Iren am 17. März, dem "Saint Patrick's Day", Kleeblätter an Kleidungsstücken, um ihre Verehrung für den Nationalheiligen zum Ausdruck zu bringen.

Mit dem Hufeisen wird der Heilige Eligius dargestellt, ein gelernter Hufschmied, der im 7. Jahrhundert die Flandern missionierte. Über einen anderen Heiligen und ehemaligen Schmied, Bischof Dunston von Canterbury, berichten mittelalterliche Legenden, dass dieser dem Teufel das Hufeisen so heftig an den Fuß genagelt habe, dass der Leibhaftige versprach, künftig alle zu verschonen, die ein solches Eisen tragen.

Ein Schwein mit einem Glöckchen ist das Attribut des heiligen Antonius. Auf den Wüstenmönch berufen sich die Angehörigen des 1095 gegründeten Antoniterordens, die für ihren Dienst an Kranken ihre Schweine frei herumlaufen lassen durften. Das Fleisch der Tiere wurde dann an Arme verteilt. Wo Antoniter beteten und arbeiteten, konnte man also sicher sein, "Schwein gehabt" zu haben. Diese Redewendung stammt allerdings aus dem Glücksspiel, weiß Brauchtumsforscher Becker-Huberti. Hier wurde das "As" früher "Sau" genannt. Wer also Schwein hatte, hielt den Sieg schon in den Händen.

Apropos Glücksspiel - selbst dafür ließe sich bei großzügiger Auslegung eine Heilige benennen: Die frühchristliche Märtyrerin Corona trägt auf Darstellungen bisweilen eine Münze oder ein Geldkästchen bei sich und kann in allen finanziellen Angelegenheiten angerufen werden. Ob Geld allein aber wirklich selig macht? Benediktiner-Pater Grün hat da so seine Zweifel und rät stattdessen, im neuen Jahr selbst für andere zum Glücksbringer zu werden. Für Mitmenschen da zu sein, ihnen zu helfen, bewirke weit mehr als nächtliches Bleigießen oder der Verzehr eines Marzipan-Schweins. Schließlich gelte immer noch: "Geteiltes Glück ist doppeltes Glück".

Von Klaus Nelißen (KNA)

© KNA (Alle Rechte vorbehalten)
zum Anfang zum Anfang
Das Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland
© Katholisch.de 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Katholisch.de-Redaktion