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Erstkommunion 17.01.08 Seite drucken

"An die erste Hostie erinnere ich mich noch"

Willi Weitzel
© Foto: Megaherz GmbH

Der Reporter von "Willi wills wissen" im Interview mit dem Bonifatiuswerk

Willi Weitzel, der neugierige Reporter aus dem Kinderfernsehen!  Willi ist ein großes Kind geblieben, deshalb haben die Kinder ihn in ihr Herz geschlossen. Er stellt sich all die Fragen, die Kinder sich auch selbst stellen würden. Dank seiner Mischung aus Neugier und Unvoreingenommenheit, Fröhlichkeit und Sensibilität gehört die Reihe „Willi wills wissen“ heute zum Beliebtesten und zugleich Anspruchsvollsten im TV-Kinder- und Jugendprogramm überhaupt. Gegenüber dem Bonifatiuswerk plaudert Willi über Themen des Glaubens, Kinder im Kommunionalter und seinen Spaß am Leben.

Bonifatiuswerk: Willi, du hast selber katholische Theologie studiert. Was waren damals deine Beweggründe?

Willi Weitzel: Reli war schon in der Schulzeit eines meiner Lieblingsfächer. Später im Zivildienst habe ich den Münsteraner Theologieprofessor Harald Wagner kennengelernt. Der macht häufig Zusprüche im Radio. Und Radio, das war für mich ein Zauberwort! Er hat mir ein Theologie-Studium auch als optimale Grundlage für Journalisten empfohlen. Weil vier Semester Studium die Voraussetzung für eine Hospitanz beim Bayerischen Rundfunk waren, zu dem ich unbedingt wollte,  folgten in meinem Lebenslauf also vier Semester Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und mein Abschluss als Reli-Lehrer für Hauptschulen. 

Bonifatiuswerk: Hast du Erinnerungen an deine eigene Erstkommunion?

Willi Weitzel: Am Vorabend meiner Erstkommunion konnte ich nicht einschlafen. Zum Teil aus Aufregung, zum Teil aus Sorge, meine Haare würden im Schlaf strubbelig, und ich wollte doch unbedingt in meinem Samtanzug glänzen. Schließlich habe ich die ganze Nacht mit der Duschhaube meiner Mutter auf dem Kopf verbracht, und deswegen habe ich auf allen Kommunionfotos ganz platt gedrückte Haare. An meine erste Hostie erinnere ich mich ganz genau!

Bonifatiuswerk: Meist sind deine Sendungen sehr lustig und ausgelassen. Du lässt dich verhaften, um dich in aller Ruhe bei der Polizei umschauen zu können oder du treibst deine Späße auf einem Bauernhof. Manchmal aber machst du auch richtig ernst, z.B. wenn es um das Thema Tod geht. Was hat dich bewogen, gerade dieses „Tabu“ für Kinder zu bearbeiten?

Willi Weitzel: Die Idee stammt von Andreas M. Reinhard, dem Leiter des Bayerischen Kinderfernsehens. Als er mir und meinen Kollegen das Thema vorgestellt hat, haben wir abgelehnt, weil wir dachten, dieses Thema ist zu groß.  Dabei ist es natürlich nicht geblieben, sonst gäbe es den Film ja nicht.
Überall, wo wir anklopften, ob beim Bestatter oder im Hospiz, sind wir auf Menschen gestoßen, die tabulos über die Thematik berichteten.
Die Zuschauerpost bestätigt: es war eine gute Entscheidung, diese Sendung für Kinder zu produzieren. Vor allem Eltern bedanken sich dafür, dass der Film etwas schafft, was sie selbst häufig nicht fertigbringen: mit ihren Kindern angemessen über den Tod zu reden.

Bonifatiuswerk: Auch über Menschen, die mitten unter uns leben und doch an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, hast du schon Filme gemacht. Spielt dein Glaube bei der Auswahl und Bearbeitung solcher Themen eine Rolle?

Willi Weitzel: Ob bei der Bearbeitung der Themen, mein Glauben eine Rolle spielt? – Es gibt auf alle Fälle die Momente, in denen ich kurz vor einem Interview noch schnell ein Stoßgebet zum Himmel schicke. „Behinderung“ oder „Obdachlosigkeit“, das sind doch zutiefst menschliche Themen, und so gehe ich sie auch an. Ob meine Motivation aus dem Glauben kommt oder rein menschlich motiviert ist, kann ich nicht immer genau beantworten, die Übergänge sind fließend. Jesus ist Mensch und Gott zugleich, und als Mensch ist er natürlich mein oberstes Vorbild.

Bonifatiuswerk: Lustiger ist dann wieder dein Film über den Papst. Du zeigst, wo der Heilige Vater wohnt, wer den Papst wählt, wie sein Tagesablauf aussieht, ja sogar welche Lieblingsspeise er hat. Und du fragst: Kann man mit Gott sprechen? Hast du eine Antwort gefunden?

Willi Weitzel: Ja, das ist eine Frage, die ich mir in der Tat eigentlich ständig stelle. Ganz ehrlich, mir geht’s zurzeit ziemlich gut im Leben und da vergesse ich schon mal ein DANKE an den lieben Gott zu schicken. Manchmal kommt es mir so vor, als ob es sich beim Beten um eine Art Kontaktpflege handelt, so dass sich Gott am Ende des Lebens, wenn man dann vor ihn tritt, an einen erinnert. Aber es geht auch anders herum, und ich bin sehr dankbar für die Momente, in denen sich Gott bei mir meldet!

Bonifatiuswerk: Auch deinen Kloster-Film gehst du mit viel Humor an. Wie war für dich das Erleben dieser Lebensform? Was sollten Kinder darüber wissen? Hat dich etwas besonders beeindruckt?

Willi Weitzel: Ich habe mir für die Dreharbeiten das Kloster St. Ottilien in Bayern ausgesucht. Ein Benediktinerkloster mit über hundert Mönchen. Über so viele Mönche war ich echt überrascht: ein ganzes Leben hinter dicken Klostermauern, eingebunden in einen strengen Wechsel von ora et labora. Beeindruckt hat mich am meisten die Gastfreundschaft der Mönche für Bedürftige. Für Menschen, die in ihrem Leben Probleme haben, nicht weiter wissen und eine zeitlang im Kloster Unterschlupf finden. Verständlich, dass diese Menschen nicht vor der Kamera erscheinen.

Bonifatiuswerk: „Heute will ich bei dir zu Gast sein“. So lautet das Motto der diesjährigen Kommunionaktion der Diaspora-Kinderhilfe, dargestellt am Zachäus-Motiv. Wie würdest du Kindern die Geschichte vom kleinen Zachäus auf dem Baum erzählen?

Willi Weitzel: Ich würde die Geschichte von Zachäus genauso vorlesen, wie sie im Neuen Testament steht. Und vielleicht kommt jetzt bei mir der Relilehrer durch, denn das Ganze würde ich anschließend in einem Rollenspiel die Kinder erfahren lassen. Solche – wenn auch gespielten Situationen – können die Emotionen des Textes besser spürbar werden lassen. Wie fühlt sich Jesus, als er sich gegen die Erwartung der Menge entscheidet? Wie ergeht es dem Zachäus, oder den Menschen in der Menge? Wissen, das sich emotional verankert, bleibt länger vorhanden und ist besser abrufbar, besonders dann, wenn man auf ähnliche Situationen stößt.

Bonifatiuswerk: Viele Kinder und deren Eltern sind heute nicht mehr religiös sozialisiert, in Ostdeutschland sind 80 Prozent der Leute nicht getauft. Was sagst du selber den Kids, die dich fragen: Warum soll ich denn Christ sein?

Willi Weitzel: Ich kann da nur mit meiner eigenen, ganz persönlichen Erfahrung antworten. Ich bin gerne Christ, weil ich mit der Hoffnung durchs Leben gehe, dass mein Leben einen Sinn hat und dass am Ende nicht Tod, sondern Auferstehung steht. Was auch immer das letztlich bedeuten mag. Auf jeden Fall fühlt es sich besser an als Tod oder Ende.

Bonifatiuswerk: Was wünscht du den Kommunionkindern 2008?

Willi Weitzel: Ich wünsche euch viel Glück und viel Segen auf all’ euren Wegen und wenn ihr nicht versteht, was der Pfarrer erzählt: einfach fragen, fragen, fragen!!!

Bonifatiuswerk: Vielen Dank!

Willi Weitzel: Bonifatiuswerk: Danke auch. Es hat Spaß gemacht!

Das Gespräch führte Matthias Micheel, Diaspora-Kinderhilfe

 

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