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Karneval + Kirche Bild: ©  Seite drucken

Ein Diakon in der Bütt

Diakon Willibert Pauels als Büttenclown
© KNA

Willibert Pauels begeistert Narren in Köln und Düsseldorf

Kirche und Karneval gehören nach Überzeugung von Willibert Pauels, nach eigenem Bekunden Diakon und Büttenclown, untrennbar zusammen. Als "ne bergische Jung" begeistert der Geistliche die Karnevalsjecken in großen Kölner Festsälen und wagt sich auch - eine Seltenheit im Kölner Karneval - auf "besetztes Gebiet", nach Düsseldorf. Dabei macht der im Erftkreis tätige Diakon in Köln "viele Punkte" mit Witzen über Düsseldorfer. Zum Beispiel den: "Das Forsa-Institut fragt die Düsseldorfer: Halten Sie sich für dumm? 30 Prozent antworten mit Ja; der Rest hat die Frage nicht verstanden." In Köln biegen sich dann die Zuhörer vor Lachen; in Düsseldorf sind im Vortrag die Westfalen die "Dummen".

1995 gelang der Durchbruch. Die Presse urteilte: "Höhepunkt des Tages war der Auftritt von Willibert Pauels. Der wortgewaltige
und gestenreiche Diplom-Theologe ist 'die' Entdeckung des Jahres. Seine Rede glänzte durch Witz und Humor, der nicht unter die
Gürtellinie ging. Beste Nummer des Tages, eine Steigerung ist kaum noch möglich." Dabei Pauels "arbeitet" mit Risiko: rund 50 Prozent seines Programms improvisiert er "ohne Netz", sprich Manuskript-Papier. Freimütig bekennt er: "Da kann es schon passieren, daß ich dabei baden gehe. Jeder 20. Auftritt geht daneben." Manchmal liegt's am Saal, ein andermal am Publikum, wenn beispielsweise viele auswärtige Gäste im Saal sind, die seine Spitzen "gegen die Düsseldorfer" oder Kölner Lokalkolorit nicht verstehen können. Im nächsten Saal kann es durchaus geschehen, daß sich die Begeisterung kaum bremsen läßt. "Und wenn der Einstieg nicht klappt", sinniert Pauels, "dann kann es sein, daß ich verkrampfe. Das merkt das Publikum. Dann geht's erst recht den Bach herunter."

Im Element ist der "bergische Jung", wenn die Kölner Synthese von Kirche und Karneval gelingt. Bei einer Sitzung spielte die Kapelle nach einem religiösen Witz drei (!) Töne eines Kirchenliedes als Tusch. Pauels: "Ich erkenne es und sage: 'Dat is doch aus 'Lobe den Herren' und singe an: 'Kommet zu Hauf, Psalter und Harfe wacht auf.' Und der ganze knüppelvolle Saal singt wie einstudiert voller Ergriffenheit: '...lasset den Lobgesang hören'. Kirche und Karneval, in Köln (noch) untrennbar verbunden." Alaaf und Alleluja haben eine gemeinsame Wurzel, unterstreicht Pauels. Schmunzelnd berichtet er, daß die Metzger-Gilde als erste Karneval - "Fleisch Ade!" - gefeiert hat. Die Herren wollten vor Beginn der Fastenzeit mit dem Verzichtgebot auf Fleischliches noch einmal kräftig den Verkauf anheben. Wegen dieses Ursprungs ist der "Urorden" im Karneval die "Woosch". Herausgefunden hat er auch, daß selbst in Japan dort, wo Katholiken leben, Karneval gefeiert wird.

Dem Einwand "Wie kann ein Diakon in der Bütt Witze über die Kirche machen?" entgegnet Pauels: "Alle Ideologen, auch die in
der Kirche, können über sich selbst und die Sache, die sie vertreten, nicht lachen. Dabei ist das Lachen wichtig, weil der Mensch sich im Augenblick des Lachens erlöst fühlt." Und Pauels sagt: "Mein Traum war, Priester oder Clown zu werden; jetzt bin ich von beidem etwas geworden." Für den Diakon und Büttenclown gilt: "Ich kriege Geld für das, was ich am liebsten tue." Sein Glück ist, daß auch sein Pastor ein Karnevalsjeck ist und ihm in der laufenden Session Raum für seine Auftritte läßt. Dabei passiert es aber durchaus, daß Pauels am Abend in der Bütt und am nächsten Morgen auf der Kanzel steht oder eine Beerdigung hält.

Von Klaus Behne

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