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Erzbistum München 25.01.08 Seite drucken

Absage an “Resignation” und “alte Schützengräben”

Kardinal Friedrich Wetter
© Erzbistum München

Ökumenischer Gottesdienst zur Weltgebetswoche

München - In der Ökumene sei Resignation ebenso falsch wie die von manchen empfohlene „Rückkehr in die alten Schützengräben“. Dies erklärte der evangelisch-lutherische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, beim zentralen ökumenischen Wortgottesdienst für Bayern zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen am Donnerstag im Münchner Liebfrauendom. Friedrich sagte, „die Ökumene ist jung“, wenn sich die christlichen Konfessionen immer wieder „Impulse aus dem Evangelium holten“. Erst die Ökumene erschließe „den ganzen Reichtum des biblisch-christlichen Glaubens“. Kardinal Friedrich Wetter, Landesbischof Friedrich und der griechisch-orthodoxe Metropolit für Deutschland, Augoustinos, leiteten den Gottesdienst, an dem Mitglieder der in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) in Bayern wirkenden Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften teilnahmen.

Der Landesbischof deutete das Leitwort der diesjährigen Gebetswoche – „Betet ohne Unterlass!“ – das einem Katalog von Anweisungen des Apostels Paulus in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Thessalonich entnommen ist. Diese Anweisungen, unter anderem Frieden zu halten, Ängstliche zu ermutigen und sich der Schwachen anzunehmen, sind nach Auffassung des Landesbischofs „eine Handhabe, mit den Kritikern der Ökumene in den eigenen Reihen, wie auch mit denen umzugehen, die Angst haben, die Ökumene werde der eigenen Kirche das Profil nehmen“. Der Katalog sei ein Leitfaden „gegen Scharfmacherei und gegen Resignation“ und richte das Augenmerk der Christen darauf, „für das, was schon geworden ist, dankbar zu sein, statt immer nur auf das zu schauen, was noch aussteht“.

Für die Entfaltung der Ökumene empfahl Friedrich, nicht mit der Kritik an Lehre und Praxis der anderen Kirche zu beginnen, sondern Wertschätzung für sie zum Ausdruck zu bringen. Er halte es für eine gute Anregung, „uns gegenseitig zu bescheinigen, dass die jeweils andere Kirche, beziehungsweise der jeweils andere Typ von Kirche, nicht defizitär ist, sondern auf ihre Weise im Evangelium Gottes gründet und nach ihrer Erkenntnis bestrebt ist, das Evangelium zu leben“. Der Landesbischof nahm auch zu unterschiedlichen Positionen zum kirchlichen Amt Stellung. Die einen gründeten ihren Kirchenbegriff ganz auf das apostolische Amt. Andere verstünden Kirche von der Gemeinde her. Dabei sollten „keine falschen Alternativen“ aufgebaut werden. Amt und Gemeinde würden einander bedingen. Wörtlich sagte Friedrich: „Man kann ganz zu seiner eigenen ekklesiologischen Überzeugung stehen – die wollen wir uns ja nicht gegenseitig madig machen – und dennoch den Ansatz anderer als Bereicherung wertschätzen“.

In seiner Begrüßung hatte Kardinal Wetter gesagt, die Christen müssten sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, „dass die Bekehrung des Herzens, die Heiligkeit des Lebens und das Gebet für die ökumenische Aufgabe entscheidend sind“. So lehre es auch das Zweite Vatikanische Konzil in seinem Dekret über den Ökumenismus. Die Christen lebten heute „in einer Welt des Machens“. Die Kirche aber lebe vom Empfangen. Der Kardinal fügte wörtlich hinzu: „Wir müssen uns öffnen für die Gaben Gottes, die Gott uns in seiner Güte zugedacht hat. Die Einheit der Kirche ist nicht unser Werk, sondern Gabe Gottes.“ Wetter hatte daran erinnert, dass er in den bald 40 Jahren seines bischöflichen Dienstes als Bischof von Speyer und als Erzbischof von München und Freising auch die Gebetswoche für die Einheit der Christen mit den „christlichen Brüdern und Schwestern“ gefeiert habe. Das Leitwort der diesjährigen Gebetswoche weise auf das Gebet als „das Entscheidende auf dem Weg wachsender Einheit“ hin. Landesbischof Friedrich dankte dem Kardinal ausdrücklich für seinen Dienst am Evangelium. Er habe der Ökumene Raum und die Türen offen gelassen. Dafür seien ihm die ökumenischen Partner dankbar. (wr)

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