Stark sein wie Jesus
Lukas erzählt seinem Opa, wie er einer Versuchung widerstanden hat

Lukas besucht seinen Opa. Der Großvater baut einen mehrstöckigen Blumenhocker. „Psst, nicht verraten!“, meint er. „Das ist eine Geburtstagsüberraschung für die Oma.“ Lukas verspricht dicht zu halten. „Darf ich mithelfen, Opa?“, bettelt Lukas. Natürlich darf er! Der Großvater freut sich nämlich immer, wenn Lukas ihn besucht. Und besonders stolz ist er, wenn der Junge ihm in der Werkstatt zur Hand geht. Lukas erzählt Opa, was er heute in der Schule gemacht hat: „In Reli haben wir über Jesus und den Teufel gesprochen. Der Teufel hat Jesus Macht und Reichtum versprochen, wenn er ihn anbetet. Doch Jesus hat’s nicht getan. Das finde ich cool.“ Der Opa nickt und meint: „Stimmt, es ist gar nicht so leicht, einer Versuchung zu widerstehen. Wenn ich nur an meine Lieblingsschokolade denke – Vollmilch-Nuss! Dafür würde ich fast alles tun.“
Viel wichtiger als Schokolade
Lukas denkt nach und fragt: „Fast alles? Was würdest du tun, wenn jemand von dir möchte, dass du schlecht über einen Freund redest?“ Der Opa antwortet: „Darauf würde ich mich natürlich nicht einlassen.“ „Auch nicht, wenn derjenige dir zehn Tafeln Vollmilch-Nuss-Schokolade schenken würde?“, möchte Lukas wissen. „Nein, auch dann nicht!“, beteuert der Großvater. „Denn Freundschaft ist wertvoller als alle Schokolade der Welt.“ Der Großvater überlegt eine Weile und meint dann: „Ich weiß allerdings nicht, wie ich mich in deinem Alter verhalten hätte. Für Kinder ist es nämlich schwerer als für Erwachsene, Versuchungen zu widerstehen.“ Lukas wächst förmlich ein Stück in die Höhe, als er erklärt: „Ich habe es geschafft! Es ist noch keine Woche her.“ „Das musst du mir unbedingt erzählen!“, sagt der Großvater. Und Lukas beginnt:
Die gefürchteten Schwarzen Vier
„In meiner Klasse ist Peter der Boss. Er ist der Anführer der Schwarzen Vier. Das ist eine Clique von Jungen. Sie sind sehr stark. Deshalb tun die anderen meistens, was die Schwarzen Vier wollen. Manche haben sogar Angst vor ihnen. Die meisten Jungs möchten zu Peters Clique gehören. Ich wollte das auch. Denn wenn du starke Freunde hast, traut sich keiner an dich ran. Als der Jan mich mal verprügeln wollte, kam Peter. Er hat Jan den Arm herumgedreht und ihm Schläge angedroht, wenn er mich nicht in Ruhe lässt. Seitdem macht Jan immer einen Bogen um mich.“ Der Opa unterbricht Lukas und meint: „Dann lässt Jan dich in Ruhe. Aber was ist mit Peter? Verlangt er eine Gegenleistung?“ Lukas erzählt weiter:
Beim Ladendiebstahl erwischt
„Ja, Peter hat von mir verlangt, dass ich die Unwahrheit sage. Es ging um Andi, einen Klassenkameraden. Ich sollte sagen, dass ich ihn beim Stehlen beobachtet habe. Dabei hat Peter im Kiosk an der Schule zwei Tüten Süßigkeiten mitgenommen. Ohne sie zu bezahlen. Die Ladenbesitzerin hatte den Diebstahl entdeckt, als Peter schon fort war. Sie ist zwar noch hinterher gelaufen, konnte aber nur noch Peters Haarfarbe und die Farbe seiner Jacke erkennen. Der Andi hat die gleiche Haar- und Jackenfarbe wie Peter. Deshalb sollte ich sagen, dass es Andi war.“
Ein Playstationspiel fürs Lügen?
Der Großvater schaut Lukas nachdenklich an und meint: „Und da hast du nicht mitgemacht. Stimmt’s?“ „Nein, das würde ich nie tun“, beteuert Lukas. „Auch nicht, wenn der Peter dir Geld oder etwas anderes dafür geboten hätte?“, fragt der Großvater. „Das hat er versucht“, erzählt Lukas. „Er wollte mir sein neues Playstationspiel "Sports Champions" schenken. Das wünsche ich mir nämlich schon lange. Aber dann fiel mir die Geschichte von Jesus in der Wüste und dem Teufel ein. Ich nahm mir vor, stark wie Jesus zu sein und mich nicht auf Peters Angebot einzulassen.
Lukas widersteht der Versuchung
Als Peter mir das Playstationspiel hinhielt, sagte ich: ‚Behalt es! Ich will es nicht! Der hat vielleicht blöd geguckt!“ Peter hat sich mächtig aufgespielt. Er drohte mir sogar Prügel an. Der Andi, ich und ein paar andere haben uns zusammengetan. Wir sind in der Pause auf Peter zugegangen und haben ihn gefragt, ob er was will. Da bekam er es mit der Angst zu tun. Denn wir waren fünf gegen einen. Natürlich haben wir ihm nichts getan. Denn das wäre ja feige gewesen.“ „Ich bin richtig stolz auf dich, Lukas!“, lobt der Großvater den Jungen. Er überlegt eine Weile und meint dann: „Irgendwie haben die Geschichte von Jesus und dem Teufel und deine Geschichte mit Peter sehr viel Ähnlichkeit. Findest du nicht auch?“
Illustration: Susanne Mix zum Anfang
