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Bistum Speyer 05.02.08 Seite drucken

Fastnacht im Zeichen der Integration

Jecke auf der Karnevalssitzung
© Caritas

Sitzung verbindet Menschen mit und ohne Behinderung

Ludwigshafen - "Jeder Jeck ist anders", heißt es im Rheinland. Das gilt auch im Blick auf die Besucher der Prunksitzung in Ludwigshafen-Oggersheim. Menschen mit und ohne Behinderung feierten gemeinsam Fastnacht, und das mit einer Selbstverständlichkeit, der man sonst kaum begegnet. Beim Lachen, Singen und Schunkeln fanden Menschen zusammen, deren Alltag sich üblicherweise in ganz verschiedenen Welten abspielt. Anders zu sein – das konnte man an diesem Abend lernen - ist nichts, wovor man Angst haben müsste. Es kann bereichernd sein und das Zusammenleben menschlicher machen.

Veranstaltet wurde die Prunksitzung von den "Ludwigshafener Werkstätten für Menschen mit Behinderung" zusammen mit dem Ludwigshafener Karnevalsverein "Rheinschanze". Die Sitzung ist ein Unikat unter allen Fastnachtsveranstaltungen. Nirgendwo sonst gehören Menschen mit Behinderung so selbstverständlich dazu. "Jeder kann so sein, wie er will", beschreibt Cornelia Oswald das Besondere an der Atmosphäre. Als Tanzmarie verkleidet, genießt sie den Abend in vollen Zügen. Er vermittelt ihr eine Ahnung davon, wie es sein könnte, wenn Menschen mit und ohne Behinderung anders miteinander umgehen würden, weniger verkrampft und eher das Gemeinsame als das Trennende im Blick. "Ich freue mich schon seit vielen Monaten auf diesen Abend", erzählt Cornelia Oswald. Eine andere Fastnachtsveranstaltung zu besuchen, käme für sie nicht in Frage.

Der Karneval als Chance, dass Menschen mit und ohne Behinderung Barrieren überwinden und beim gemeinsamen Feiern einander näher kommen, das klingt sehr modern. Von Teilhabe und Integration ist vielfach die Rede. Was liegt da näher, als miteinander zu feiern, noch dazu in einer Zeit, in der gesellschaftliche Konventionen ohnehin nicht allzu sehr ins Gewicht fallen? Was heute innovativ wirkt, hat in Ludwigshafen bereits mehr als 30 Jahre Tradition. So lange ist es her, dass die "Ludwigshafener Werkstätten" und der Karnevalsverein "Rheinschanze" zu einer gemeinsamen Prunksitzung zusammengefunden haben. "Menschen mit Behinderung sind besonders begeisterungsfähig", hat Sitzungspräsident Rene Breit vom Karnevalsverein "Rheinschanze" festgestellt. "Diese Begeisterung zu erleben und zu teilen, ist auch für uns jedes Mal wieder ein besonderes Erlebnis."

Die Akteure boten dem Publikum ein vergnügliches, abwechslungsreiches Programm. Dazu zählten Zauberei, Tanz und Pantomime ebenso wie Wasserballett, Breakdance und asiatische Kampfkunst – alles unter dem Motto "Manege frei". Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse zeigte sich beeindruckt: "Die Darbietungen sind spitze. Es macht viel Spaß, dieses fröhliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu erleben."

Viele Akteure hatten sich über mehrere Monate auf die Ludwigshafener Prunksitzung vorbereitet. Die Bühne bot ihnen Gelegenheit, einmal im Mittelpunkt zu stehen und zu zeigen, was sie mühevoll erarbeitet haben. "Die Stimmung im Saal war einfach überwältigend", schildert Andy Merle aus Kaiserslautern seine Gefühle nach seinem Auftritt. Zusammen mit Kollegen aus den Westpfalz-Werkstätten hatte er verschiedene Tänze einstudiert, ein Ausschnitt aus dem Programm "Storm of Dreams", das schon bei der Landesgartenschau in Kaiserslautern große Resonanz gefunden hatte. Sport und Bewegung sind seine Leidenschaft. "Eines Tages möchte ich so beweglich sein wie Jackie Chan", schwärmt er für sein Vorbild. Der Auftritt in Ludwigshafen hat ihm Mut gemacht, seine Träume zu verwirklichen.

Text: Caritas

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