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Erziehung 10.02.08 Seite drucken

Mitmischen – nicht einmischen

Ein Opa zusammen mit seiner Enkelin an einem See
© MAK/Fotolia.com
Großeltern und ihre Enkel haben oft ein enges Verhältnis zueinander.

Bei der Erziehung sollten sich die Großeltern zurückhalten - auch wenn's schwer fällt

Großeltern meinen es gut. Das steht außer Zweifel. Aber sie haben oft Probleme damit, dass nun die eigenen Kinder die Fäden der Kindererziehung in der Hand halten.

Kluge Großmütter und Großväter überlassen Kindern und Schwiegerkindern das Feld – auch wenn sie wissen, dass manches nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Und dass sich – mit Abstand betrachtet – die meisten Aufregungen nicht lohnen. Das ist die Theorie. Und nun zur Praxis: Nicht immer gelingt es Großeltern, sich aus allem herauszuhalten.

Heute läuft Erziehung anders

"Das musste ja soweit kommen!" Oder: "Das hätten wir uns gleich denken können!" Es gibt kaum eine Großmutter oder ein Großvater, denen ein solcher Satz nicht schon mal herausgerutscht wäre. Großeltern fällt es oft schwer zu akzeptieren, dass sie in der Erziehung der Enkelkinder allenfalls die zweite Geige spielen. An erster Front kämpfen Mütter und Väter, die eigentlich vom Erfahrungsschatz der Eltern und Schwiegereltern profitieren könnten. Aber das lehnen sie oft ab – aus verständlichen Gründen. Denn die heutige pädagogische Welt ist nun mal eine ganz andere als vor 30 Jahren. Junge Eltern haben ihre eigenen Vorstellungen vom Umgang mit Kindern. Sie möchten manches anders machen als die Eltern. Deshalb empfinden sie gut gemeinte Ratschläge oft als ungebetene Einmischung.

Großeltern hingegen bringt es schier zur Verzweiflung, wenn sie erleben: "Wir haben die gleichen Probleme und Schwierigkeiten mit den Kindern gehabt. Aber wir hatten mit unseren Erziehungsmethoden mehr Erfolg." Dass sie heute vieles - mit Abstand betrachtet - rosarot gefärbt sehen, erkennen Großeltern in solchen Konflikten oft nicht. Und manche Oma und mancher Opa geht heimlich in Opposition zu den Eltern, indem Sie ihre Enkel augenzwinkernd so manche Grenze überschreiten lassen, die zu Hause gesetzt wurde.

Wichtig: Immer im Gespräch bleiben

Für Großeltern ist es hilfreich zu erkennen: Wenn aus den eigenen Kindern Mütter und Väter werden, setzen diese sich immer auch mit der eigenen Kindheit und dem Erziehungsstil der Eltern kritisch auseinander. Ganz gewiss haben sich die Großeltern redlich gemüht, das Beste für ihre Kinder zu tun. Ob dies aber immer und in allen Bereichen so war, merken Eltern erst später. Wichtig ist es, wenn beide Seiten im Gespräch bleiben und über ihre jeweils anderen Vorstellungen von Erziehung reden. Allerdings unter einer Voraussetzung: Die Großeltern müssen die Erziehungsgrundsätze der Eltern akzeptieren. Denn es sollten immer Mütter und Väter sein, die sagen wo’s langgeht. Anders kann es nicht funktionieren. Die großen Linien in der Erziehung bestimmen immer die Eltern.

Verwöhnen hat viele Facetten

Eltern klagen oft über den Drang von Omas und Opas, die lieben Kleinen maßlos zu verwöhnen. Zunächst einmal: Wenn es darum geht, Kindern Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken, können sie gar nicht genug verwöhnt werden. Wenn der Opa mit seinen Enkelkindern am Abend den Sternenhimmel betrachtet, ihnen den kleinen und den großen Wagen zeigt und ihnen Geschichten vom Mond erzählt, ist das für Kinder ein unvergessliches Erlebnis und Verwöhnen im positiven Sinn. Anlass zu Auseinandersetzungen bietet jedoch eine ganz andere Art des Verwöhnens: Da werden dem Enkelkind alle Wünsche von den Augen abgelesen, und es kommt von jedem Besuch bei Oma und Opa mit einem neuen teuren Spielzeug nach Hause.

Oder: Die Großeltern unterlaufen Abmachungen, etwa nach dem Zähneputzen keine Schokolade mehr zu essen oder eine bestimmte Sendung im Fernsehen nicht anzuschauen. Dies ist Verwöhnen im negativen Sinn. Deshalb sollte auch hier gelten: Die Eltern bestimmen den Kurs und halten das Steuer in der Hand. Großeltern sollten hier mit ihren Kindern und Schwiegerkindern an einem Strang ziehen. Denn es geht um das Wohl des Kindes, das zweifellos ja allen Omas und Opas am Herzen liegt. Auch über das Maßhalten bei der Erfüllung materieller Wünsche sollten Eltern und Großeltern offen reden. Denn längst steht fest, dass sich Überfluss im Kinderzimmer negativ auf die Entwicklung auswirkt. Schon kleine Kinder müssen lernen, sich für etwas, das sie gern hätten, anzustrengen und eine Weile darauf zu sparen.

Von Lena Kaufmann

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