Großeltern-Liebe ohne Grenzen

Die Großeltern Backhaus halten trotz großer Entfernung den Kontakt zu ihren Enkeln
"Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen" – Das Ehepaar Elisabeth und Wolfgang Backhaus, beide Lehrer in einer nordrhein-westfälischen Kleinstadt, sitzt in seinem Wohnzimmer vor dem Laptop. Die Webcam ist eingeschaltet, die Verbindung zum Laptop ihres Sohnes Peter in Tokio, Japan steht. Auf dem Bildschirm sehen die 60-jährige Elisabeth und ihr 57-jähriger Ehemann den fünfjährigen Yuri und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Mio. Sie singen und klatschen mit Oma und Opa. "Noch ein Lied!", fordert Mio. Und er hat schon sehr genaue Vorstellungen: "Über die Berge weit" – das Abendlied, das er so gern mit den Großeltern singt. Da krabbelt Lina, eineinhalb Jahre, auf den Schoß ihrer Mutter Mariko. "Lina auch singen!", verlangt die Kleine.Es ist Mittag in Deutschland. Doch in Tokio werden die drei Enkelkinder gerade zu Bett gebracht. "Bei acht Stunden Zeitverschiebung müssen wir unsere Chat-Termine genau festlegen. Unter der Woche haben wir tagsüber keine Gelegenheit. Denn da sind wir beide in der Schule", meint Wolfgang Backhaus. Und so singen und erzählen die Großeltern regelmäßig am Samstagmittag mit Yuri, Mio und Lina. "Oft spazieren wir mit der Webcam durch die ganze Wohnung oder durch den Garten", erzählt Elisabeth Backhaus. "So ist unseren Enkelkindern schon alles vertraut, wenn sie einmal im Jahr zu Besuch kommen."
Manchmal ist die Sehnsucht riesengroß
Doch nicht nur Yuri, Mio und Lina sehen ihre Großeltern sehr selten. Auch Anton, eineinhalb Jahre, muss über weite Teile des Jahres auf Oma und Opa verzichten. Er wohnt zwar nicht ganz so weit weg wie seine Cousine und die Cousins in Tokio. Mehrere Hundert Kilometer sind es aber trptzdem: "Unser zweiter Sohn Martin lebt mit seiner Frau Maria und ihrem kleinen Jungen in St. Blasien im Südschwarzwald", erzählt Wolfgang Backhaus. Da auch Martin und Maria Lehrer sind, beschränken sich gegenseitige Besuche auf die Ferien. Aber die Familien chatten regelmäßig. "Natürlich bekommen wir Antons Entwicklung nicht hautnah, aber dennoch sehr eindrucksvoll mit – sein verschmitztes Lächeln, die ersten tapsigen Schritte und seine Erfolge beim Sprechenlernen", sagt Elisabeth Backhaus.
Dennoch gibt es öfter auch mal einen Wermutstropfen. "Wenn wir mit anderen Familien zusammen sind und sehen, wie Großeltern mit ihren Enkelkindern herumtollen und sie in den Arm nehmen, wird die Sehnsucht nach Anton, Yuro, Mio und Lina riesengroß", gibt Elisabeth zu. Doch dann kommen auch Zeiten, in denen andere Großeltern Elisabeth und Wolfgang Backhaus beneiden. "Über Weihnachten waren wir mit der ganzen Familie – mit Anton, Martin und Maria und mit unserer noch unverheirateten Tochter Ulla – bei Peter, Mariko und ihren Kindern in Japan", erzählt Elisabeth. "Es waren für uns zwei unvergesslich schöne Wochen. Davon werden wir wohl noch eine ganze Weile zehren."
Das Beste aus der Trennung machen
Der Umgang mit Laptop und Webcam ist Elisabeth und Wolfgang anfangs nicht leicht gefallen. "Wir haben uns regelrecht in die Technik hinein gekniet", gibt Wolfgang zu. "Aber wir waren selber erstaunt, wie schnell wir das schafften. Ich denke, dass die Liebe zu unseren Kindern und Enkeln da eine wichtige Antriebsfeder war." Die Tatsache, dass die beiden das Großeltern-Sein auf Distanz gleich zweimal erfahren mussten, machte ihnen eine Zeitlang zu schaffen. "Unser Sohn Peter hatte im Rahmen seines Japanisch-Studiums und seines Hobbies, der Orchestermusik, in Deutschland Mariko, eine japanische Orchestermusikerin, kennen und lieben gelernt", erzählt Elisabeth. "Yuri und Mio wurden hier geboren. Aber dann zog die junge Familie nach Tokio. Denn Peter hatte eine Stelle beim Deutschen Institut für Japanstudien angenommen. Damit hatten wir eigentlich immer gerechnet."
Doch als es dann auch noch Sohn Martin in die Heimat seiner Frau Maria in den Südschwarzwald zog, gab es doch Gefühle von Wehmut. "Wir haben dann aber nicht resigniert, sondern das Beste aus unserer Situation gemacht", sagt Wolfgang Backhaus. Mittlerweile haben die beiden sich daran gewöhnt, ihre Enkelkinder nur zwei- oder dreimal jährlich zu sehen. "Zum Glück gibt es ja die Möglichkeit zu chatten", sagt Elisabeth. Und sie fügt schmunzelnd hinzu: "Die Beziehung zwischen uns und den beiden jungen Familien ist sehr gut und völlig entspannt. Das liegt bestimmt daran, dass wir uns nicht ständig auf der Pelle hängen."
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