Was ist ein Kreuzweg?

Gedenken an Jesus und das eigene Leben
Früher gab es die Bibel nur in lateinischer Sprache. Und viele Menschen konnten überhaupt nicht lesen und schreiben. Sie brauchten Bilder von Szenen aus der Bibel. So ist vor 600 Jahren auch der Kreuzweg entstanden. Auch heute hängen in den meisten Kirchen Kreuzweg-Bilder. Die einzelnen Bilder werden Stationen genannt. Die meisten Kreuzwege bestehen aus 14 Stationen – von der Verurteilung Jesu bis zur Grablegung. Moderne Kreuzwege haben oft noch eine 15. Station. Sie stellt die Auferstehung Jesu dar.Wir denken an Jesus und unser Leben
In der Fastenzeit beten Christen oft den Kreuzweg. Sie denken dabei an das Leiden Jesu, aber auch an ihr eigenes Leben. Denn da gibt es auch leidvolle Stationen – Enttäuschung, Streit, Verlust von Freundschaften oder Arbeitsplätzen, Krankheit und Tod. Wenn ihr beim nächsten Mal in eure Kirche geht, schaut doch mal nach, ob dort an den Wänden ein Kreuzweg hängt. Mit Hilfe der folgenden Texte könnt ihr die Bilder dann viel besser verstehen.
Station 1:
Jesus wird zum Tod verurteilt
Jesus wird zu Pilatus gebracht. Pilatus ist römischer Statthalter in Jerusalem. Er hat sehr viel Macht und darf über alles bestimmen – auch ob jemand zum Tode verurteilt wird oder nicht. Eigentlich möchte Pilatus Jesus nicht verurteilen. Er glaubt nämlich, dass er nichts Böses getan hat. Die Hohenpriester aber hatten die Menschen aufgewiegelt. Sie verlangten von Pilatus, er solle Jesus zum Tode verurteilen. Pilatus beugt sich dem Willen der Menge. Er hat Angst vor einem Aufstand und davor, seine Macht zu verlieren. Pilatus wäscht seine Hände in Unschuld. Denn er möchte nicht Schuld an Jesu Tod sein. Trotzdem liefert er Jesus den Soldaten aus.
Station 2:
Jesus nimmt das schwere Kreuz auf sich
Die Soldaten peitschen Jesus aus und verspotten ihn, weil er gesagt hatte, er sei der König der Juden. Sie werfen ihm ein Gewand über. Es ist purpurrot wie das Gewand eines Königs. Und sie drücken ihm eine Dornenkrone auf den Kopf. Jesus blutet und hat Schmerzen. Und dann verlangen die Soldaten auch noch von Jesus, dass er das schwere Kreuz, an dem er sterben soll, selber durch die Straßen Jerusalems trägt.
Station 3:
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
Jesus wird immer schwächer. Das Kreuz ist schwer und drückt ihn zu Boden. Doch er steht wieder auf und schleppt das Kreuz weiter.
Station 4:
Jesus begegnet seiner Mutter
Es ist schlimm: Maria, die Mutter Jesu, muss mit ansehen, was ihr Sohn durchmacht. Doch sie ist bei ihm, und ihre Nähe gibt Jesus Kraft, das schwere Kreuz weiter zu tragen.
Station 5:
Simon hilft Jesus das Kreuz tragen
Ein Mann namens Simon ist zum Paschafest nach Jerusalem gekommen. Er ist sehr stark. Als die Soldaten Simon sehen, befiehlt deren Hauptmann: „Los! Trag das Kreuz für den Gefangenen. Sonst kommen wir nie nach Gogota!“ Ihr müsst wissen: Golgota ist die Anhöhe, auf der Jesus gekreuzigt wurde. Sie wurde damals auch Schädelhöhe genannt. Simon hilft Jesus und lädt sich das Kreuz auf die Schulter. Gemeinsam geht er mit Jesus die letzte Strecke bis zur Hinrichtungsstätte.
Station 6:
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Jesus schwitzt vor Anstrengung und Schmerzen. Eine Frau namens Veronika steht am Wegesrand. Sie hat Mitleid mit Jesus und möchte ihm helfen. Sie weiß, dass sie nicht viel tun kann. Aber sie möchte ihm wenigstens etwas Linderung verschaffen. Veronika reicht Jesus ein Tuch, damit er sich den Schweiß abwischen kann.
Station 7:
Jesus fällt zum Zweiten Mal unter dem Kreuz
Jesus ist völlig erschöpft und kann sich nicht mehr auf den Beinen halten. Er fällt zum zweiten Mal zu Boden. Aber er steht wieder auf und geht seinen Weg bis zum Ende.
Station 8:
Jesus begegnet den weinenden Frauen
Am Wegrand stehen weinende Frauen. Jesus tut ihnen unendlich Leid. Aber er jammert nicht, sondern sagt zu den Frauen: „Weint nicht über mich! Aber denkt über euer Leben nach und kehrt um.“
Station 9:
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz
Wieder fällt Jesus zu Boden. Er ist am Ende seiner Kräfte. Aber er nimmt noch einmal alle Kraft zusammen und steht auf. Denn er weiß, dass er den schweren Weg fast zu Ende gegangen ist.
Station 10:
Jesus wird seiner Kleider beraubt
Auf Golgota angekommen, reißen die Soldaten Jesus die Kleider vom Leib. Er hat nur noch einen Lendenschurz an. Die Menschen lachen ihn aus. Jesus fühlt sich sehr gedemütigt. Die Soldaten würfeln um seine Kleidung.
Station 11:
Jesus wird ans Kreuz genagelt
Was Jesus erleiden muss, ist so schlimm, dass es uns die Sprache verschlägt. Die Soldaten legen Jesus auf das Kreuz am Boden. Sie schlagen Nägel durch seine Hände und Füße und richten das Kreuz auf. Jesus leidet unvorstellbare Schmerzen. Und doch betet er für die Soldaten: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Station 12:
Jesus stirbt am Kreuz
Bevor Jesus stirbt, denkt er noch an seine Mutter. Er vertraut sie seinem Jünger Johannes an und sagt: „Bitte kümmere dich um meine Mutter.“ Und zu Maria sagt er: „Johannes ist jetzt dein Sohn.“ Um drei Uhr ruft Jesus laut: „Es ist vollbracht!“ Er stirbt.
Station 13:
Jesus wird vom Kreuz abgenommen
Josef von Armimatäa bittet Pilatus, Jesus begraben zu dürfen. Nikodemus hilft ihm. Die beiden Männer nehmen den Leichnam Jesu vom Kreuz und legen ihn in den Schoß seiner Mutter Maria. Sie fühlt unsägliches Leid.
Station 14:
Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt
Josef und Nikodemus waschen den Leichnam Jesu und wickeln ihn in saubere Leintücher. Dann legen sie ihn in ein Felsengrab in Josefs Garten.
Station 15:
Auferstehung
Einige Frauen gehen zum Grab, um den Leichnam Jesu zu salben. Doch das Grab ist leer. Jesus zeigt sich Maria von Magdala und anderen Jüngern. Er macht ihnen Mut. Sie wissen nun: Jesus ist vom Tode auferstanden, und er lebt.
zum Anfang