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Katholischer Anker für Seemänner aus aller Welt

Eine ehrenamtliche Mitarbeiter im Gespräch mit der Schifffahrtsmannschaft.
© Anja Goritzka
Annemie Schneeberger im Gespräch mit Besatzungsmitgliedern.

Auf Schiffsbesuch mit einer Ehrenamtlichen

Hamburg - "Bis in den 70er Jahren hinein gab es für die Seemänner hier in der Kapelle Gottesdienste und im Club konnten sie sich austauschen", erzählt der ehemalige Pastoralreferent Sebastian Fiebig aus der Vergangenheit der katholischen Seemannsmission Stella Maris. 1931 gründete sich in Hamburg der Verein "Apostolat des Meeres". In der Zeit des Nationalsozialismus verboten, wurde erst 1954 der Bau der Seemannsmission Stella Maris in der Reimarusstraße 12 nahe den Landungsbrücken möglich. Hier konnten Seeleute aus allen Nationen auf neue Möglichkeiten zum Anheuern warten oder eben auch nur den Club besuchen.

Hotelier übernimmt Vereinsheim

Heute jedoch ist alles anders: Der Verein "Apostolat des Meeres" meldete im Juni 2003 Insolvenz an. Die gesamte Tätigkeit wurde eingestellt. Schon im Juli 2003 erwarb ein Hotelier das Haus und setzte den Betrieb des Heimes als Hotel fort. Die Stadt als Grundstückseigentümerin bestand beim Verkauf darauf, dass ein Teil des Hauses weiterhin für die katholische Seemannsmission zur Verfügung gestellt wird. "Seitdem sind wir wieder am Aufbau der Strukturen", so Sebastian Fiebig. "Unser Schwerpunkt heute sind die Schiffsbesuche. Die Schiffe liegen meist nicht länger als 24 Stunden im Hafen, so dass die Mannschaften kaum Zeit haben an Land zu gehen. Deshalb müssen wir zu ihnen kommen", erzählt er weiter.

Ein Containerschiff im Hamburger Hafen.
© Sebastian Fiebig
Eines der zahlreichen Containerschiffe im Hamburger Hafen.

Diese Besuche werden zur Zeit von vier Ehrenamtlichen absolviert. Sie bringen Newsletter mit Informationen aus der Heimat der Seemänner in unterschiedlichen Sprachen an Bord und haben ein offenes Ohr für die Besatzungen. Eine von ihnen ist Annemie Schneeberger. "Ich habe etwas gesucht, wo ich mich bewusst ehrenamtlich engagieren kann", erzählt die ehemalige Pressesprecherin, die auch den Newsletter "Leuchtfeuer" erstellt der per E-Mail an die deutschen Seeleute in aller Welt versandt wird.

"Meine Phillipinos brauchen einen Gottesdienst"

Durch die verschiedenen Nationalitäten der Matrosen kommt es dort in Verbindung mit unterschiedlichen Auffassungen, Ess- und Schlafgewohnheiten, der Enge auf dem Schiff, wenig Freizeit und unterschiedlichen Temperamenten zu Spannungen an Bord, die mitunter auch den Mitarbeitern der Seemannsmission erzählt werden. Einmal meldete sich ein Reederei-Mitarbeiter mit den Worten: "Meine Philippinos brauchen einen Gottesdienst." "Trotz des wirtschaftlichen Drucks wächst bei den Reedereien langsam die Einsicht, dass auch solche Bedürfnisse der Crews befriedigt werden müssen", meint Pastoralreferent Sebastian Fiebig.

Auf Schiffsbesuch im Hamburger Hafen
© Sebastian Fiebig
Über die Gangway geht es zurück ans Festland.

Auch Heute wird Annemie Schneeberger fast nur Englisch sprechen. Wir sind im Kleinbus der Seemannsmission durch den Hafen unterwegs. Unser erstes Ziel ist der Kalikai im Süden des Hafens. Hier liegt das unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Frachtschiff "Purple Beach". Nach einer Kontrolle am Eingang geht es mit oranger Sicherheitsweste und weißem Helm zu Fuß zum 1998 gebauten Schiff. Hier treffen wir auf einen jungen Südafrikaner, der uns entschuldigend mitteilt, dass niemand Zeit hätte.

Kleinigkeiten, die auf See das Leben schwer machen

Stella Maris ist international der Begriff für die katholischen Seemannsmissionen und eigentlich sind die Ehrenamtlichen gerne gesehen. Doch die "Purple Beach" steht kurz vorm Auslaufen. Wir können nur unser Informationsmaterial und die Newsletter aus der Heimat da lassen. An Bord der kleineren "MS Grietje" einer niedersächsischen Reederei werden wir von einem deutschen Kapitän überrascht. Eine Seltenheit, denn heute fahren nur noch gerade mal rund 2000 Deutsche zur See. Er ist 29 Jahre alt und erst seit zwei Stunden Kapitän des Schiffes. Sein Vater ist selbst als Ehrenamtlicher bei der Seemannsmission in Wilhelmshaven aktiv und deshalb weiß er genau, wie wichtig die Arbeit auch für seine zum größten Teil philippinische Crew ist.

Nach einer gut fünfstündigen ruhigen Tour treffen wir wieder in der Reimarusstraße 12 ein. "Wir haben nicht jeden Tag mit dicken Problemen zu tun", meint Sebastian Fiebig. Doch oftmals sind es Kleinigkeiten, die den Seeleuten das Leben schwer machen, beispielsweise eine defekte Waschmaschine oder ein kaputter Fernseher. Die Verantwortlichen der Reedereien interessieren sich dafür häufig nicht. Deshalb versuchen die Mitarbeiter der Seemannsmission hier zu helfen. Auch das macht sie so beliebt.
Von Anja Goritzka
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