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Schiffssegnungen und Kontakte zur Heimat

Sebastian Fiebig vor der katholischen Seemannsmission in hamburg
© Sebastian Fiebig
Sebastian Fiebig vor der katholischen Seemannsmission in Hamburg.

Die Seemannsmission teilt das Leben mit den Seefahrern

Nein, seekrank wird er nicht, auch wenn die Schiffe im Hamburger Hafen je nach Wetterlage stark schwanken können. Sebastian Fiebig ist seit drei Jahren Pastoralreferent bei der katholischen Seemannsmission „Stella Maris“ und betreut im Team mit Seemannspfarrer Siggi Pawlicki und vier Ehrenamtlichen die Seefahrer. Denn die Situation in der Schifffahrt ist nicht rosig: Die Seefahrer sind oft neun Monate von Familie und Kinder getrennt und erfahren meist erst auf See das nächste Hafenziel. Da steigen Frustration und seelischer Druck. Über die tägliche Arbeit im Hafen und an Bord erzählt Fiebig im katholisch.de-Interview.

 

katholisch.de: Herr Fiebig, was sind die Aufgaben der Seemannsmission „Stella Maris“?

 

Sebastian Fiebig: Wir bieten mit unserem Seemannsclub den Seefahrern einen Treffpunkt an, wo sie mit anderen Berufskollegen ein Bier gemeinsam trinken oder Musik machen können. Im Club haben sie außerdem die Möglichkeit, kostengünstig Kontakt zur Heimat über Medien wie Internet, Zeitung oder Email herzustellen. Aber die Seeleute haben heutzutage immer weniger die Möglichkeit zu uns in den Club zu kommen. Der Hafen ist mit den Jahren immer größer geworden, und die Schiffe liegen immer kürzer im Hamburger Hafen. Daher liegt unsere wichtigste Aufgabe bei den wöchentlichen Schiffsbesuchen.

Schiffsmitarbeiter und Pastoralreferent Fiebig bei der Schiffssegnung.
© Sebastian Fiebig
Schiffsmitarbeiter und Pastoralreferent Sebastian Fiebig bei der Schiffssegnung.

katholisch.de: Sie besuchen im Schnitt fünf bis sechs Schiffe an einem Tag in der Woche – Wie kommt der erste Kontakt zustande?

 

Fiebig: Es kommt vor, dass uns die Verantwortlichen einer Crew direkt kontaktieren, weil sie einen Schiffsgottesdienst feiern oder eine Schiffssegnung wollen. Aber oft suchen wir uns selbst die Schiffe anhand des Schiffsmeldedienstes aus. Gut vorbereitet und mit Telefonkarten und vielen fremdsprachigen Stella-Maris-Newslettern ausgerüstet, machen wir uns dann in Zweierteams auf den Weg. Häufig werden wir mit einem erfreuten „Hallo“ begrüßt, denn der Markenname „Stella Maris“ ist international bekannt. Aber wichtig ist, mit einem offenen Ohr an Bord zu gehen. Oft ergeben sich Gespräche, die vom Wetter oder schweren Schicksalsschlägen handeln. Die ganze Bandbreite ist vertreten: Vom Plausch bis hin zur Seelsorge.

 

katholisch.de: Sie nennen sich Seemanns-„Mission“. Heißt das, Sie erzählen den Seeleuten hauptsächlich etwas vom lieben Gott?

 

Fiebig: Wir kommen nicht mit der Bibel unterm Arm an Bord und wollen die Schiffsbesatzung bekehren. Mission verstehe ich vielmehr als Sendung. Wir wollen mit den Seefahrern das Leben teilen und dazu gehören normale Gespräche. Wir gehen als Christen an Bord und wissen, dass wir von Jesus Christus gesandt sind. Die andere Seite sieht so aus, dass viele der Seefahrer katholisch sind und in fremden Häfen ihren Glauben leben wollen. Sie fragen zum Beispiel nach einem Rosenkranz oder ob ich mit ihnen in einer ruhigen Ecke des Schiffs beten kann.

Auf dem Schiff werden auch mit der Schiffscrew Gottesdiesnte gefeiert.
© Sebastian Fiebig
Auf dem Schiff werden auch auf Wunsch mit der Schiffscrew Gottesdienste gefeiert.

katholisch.de: Welche spirituellen Bedürfnisse haben die Seefahrer?

Fiebig: Mich hat ein Mal ein Schiffsbetreuer von der Rederei angerufen und gesagt: “Meine Philippinos brauchen einen Gottesdienst“. Da war die Sehnsucht nach Gottesnähe bei der Crew spürbar. Das, was ein Seemann erlebt, ist etwas Besonderes. Sie sind lange Zeit von der Familie getrennt, einsam und erleben die Natur und die See mit ihren starken Kräften, die so stark sind, dass sie ein großes Schiff zum schaukeln bringen können. Doch jeder geht mit Glaube und Religion unterschiedlich um. Die einen interessiert es nicht, die anderen wollen eine Schiffssegnung. Sie haben die gleichen spirituellen Bedürfnisse wie in der Heimat – sie wollen Kirche und Glaube in Gemeinschaft leben. Denn Glaube ist auch ein Stück Heimat.

katholisch.de: Erinnern Sie sich an einen Fall, der ihnen besonders nahe ging?

Fiebig: Ich erinnere mich an einen Advent vor zwei Jahren, wo ein Seemann von einer Gangway tödlich getroffen wurde. Am selben Tag war ich noch an Bord, aber keiner der philippinischen Crew wollte darüber reden. Erst am nächsten Tag war die Gesprächsbereitschaft da. Über den Gottesdienst in unserer Missionskapelle konnten sie die Trauer verarbeiten und Abschied nehmen. Da hatte ich das Gefühl, ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und konnte helfen.

katholisch.de: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um sich als Ehrenamtlicher bei den Schiffsbesuchen zu engagieren?

Fiebig: Wir kommen jeden Tag in eine fremde Gruppe und jede ist anders. Wenn man an Bord geht, muss man ein gutes Gespür für die Stimmung der Crew haben. Wichtig ist, dass man schnell eine gute Atmosphäre herstellt, die gegebenenfalls später auch ein persönliches Gespräch zulässt – da ist das richtige Wort an der richtigen Stelle entscheidend.

Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Saskia Gamradt

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