Die kleine Rebe
Jesus sagt: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben."

Die Kinder sprechen im Religionsunterricht über Jesus und seine Jünger. Ihre Lehrerin liest Vers 5 aus dem 15. Kapitel des Johannes-Evangeliums vor: „Jesus hat zu seinen Jüngern gesagt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“
Jesus spricht in Bildern
„Jesus ist doch kein Weinstock!“, lacht Lukas. Und Sofie meint: „Ein Mensch kann unmöglich eine Rebe sein. Aus Reben wird nämlich Traubensaft oder Wein gemacht.“ Laura pflichtet ihr bei: „Ja, das habe ich mal gesehen, als ich mit Mama und Papa in den Herbstferien bei einem Winzer war.“ Da erklärt die Lehrerin: „Jesus hat in Bildern gesprochen, damit seine Jünger sich besser vorstellen konnten, was er meinte. Wenn eine Rebe vom Weinstock abfällt, bekommt sie von ihm keine Kraft und Nahrung mehr und verdorrt. Jesus hat den Vergleich mit dem Weinstock gewählt, weil er seinen Jüngern damit sagen wollte: ‚Ich möchte, dass wir miteinander und auch ihr untereinander verbunden bleibt.’ Und da passte dieser Vergleich doch sehr gut, findet ihr nicht auch?“ Die Kinder nicken zustimmend. Und die Lehrerin erzählt ihnen die Geschichte von der kleinen Rebe, die immer unzufrieden war:
„Ich möchte eine Ameise sein!“
„Es war Sommer. Der prächtige Weinstock am Berghang bekam immer genug Sonne und Regen ab. Und seine Zweige waren voll von Reben. Die Rebzweige sagten zu den Reben: ‚Nun dauert es nicht mehr lange, bis aus euch süße, reife Trauben geworden sind.’ Da freuten sich die Reben. Nur die kleinste nörgelte unzufrieden: ‚Ich möchte keine Rebe mehr sein, sondern eine Ameise. Dann könnte ich den ganzen Tag spazieren gehen und müsste nicht immer am Rebzweig hängen. Warum kann der dumme Weinstock sich nicht fortbewegen und uns die Welt zeigen?’
Die großen Reben warnen die kleine
Die anderen Reben lachten sie aus: ‚Du bist dumm! Es ist unsere Aufgabe, am Rebzweig zu hängen und zu wachsen.’ Doch die kleine Rebe rief wütend: ‚Ihr seid blöd! Die Ameisen haben auch gesagt, dass es besser für uns wäre, herunter zu fallen und frei zu sein.’ Eine große Rebe warnte die kleine: ‚Hüte dich vor den Ameisen! Denn sie sind hinterlistig und wollen dir eine Falle stellen. Und wenn du am Boden liegst, werden sie dich wegschleppen und zum Abendbrot verspeisen.’ Da rief die kleine Rebe: ‚Ich glaube dir kein Wort! Bleibt nur hängen an dem blöden Rebzweig und dem langweiligen Weinstock, der sich nicht von der Stelle bewegt! Mir ist das jedenfalls zu langweilig!’
Ein super Ameisen-Abendbrot
Die kleine Rebe zappelte so lange hin und her, bis sie zu Boden fiel. ‚Endlich geschafft!’, jubelte sie. Doch plötzlich wimmelte es am Boden von Ameisen. In Scharen kamen sie auf die kleine Rebe zugelaufen. ‚Da seid ihr ja!’, rief sie begeistert. ‚Nun könnt ihr mir die Welt zeigen!’ Doch die Ameisen lachten die kleine Rebe aus und schleppten sie in ihren Ameisenbau. Und da passierte, wovor die große Rebe sie gewarnt hatte: Die Ameisen ließen sich die kleine Rebe zum Abendbrot schmecken.“
Dumm wie die kleine Rebe
Die Kinder sind nachdenklich. Nach einer Weile meint Lukas: „Die kleine Rebe wollte wohl besonders schlau sein.“ „Stimmt“, antwortet die Lehrerin, „aber sind wir nicht manchmal auch so dumm wie die kleine Rebe?“ „Ja“, sagt Sofie, „mir ist auch mal so etwas Ähnliches passiert.“ Die anderen Mädchen und Jungen werden neugierig. „Möchtest du es uns erzählen?“, fragt die Lehrerin. Sofie nickt und beginnt zu erzählen:
Auf einen Feigling hereingefallen
„Tom ein großer Junge aus der Nachbarschaft, hat mich mal überredet, der Emily aus dem Haus gegenüber ein Bein zu stellen. Emily ist so schlimm gestürzt, dass sie stark am Knie blutete und weinte. Da ist Tom, dieser Feigling, weggelaufen. Emilys Mutter hatte gesehen, was passiert war. Sie erzählte es sofort meinen Eltern. Die waren enttäuscht, dass ich auf Tom hereingefallen bin. Zum Glück wurde dann doch noch alles gut. Ich habe mich bei Emily entschuldigt. Und nun sind wir sogar Freundinnen geworden. Mit Tom aber möchte ich nichts mehr zu tun haben.“
Zum Glück haben wir Helfer
„Das war ein sehr gutes Beispiel“, lobt die Lehrerin. „Zum Glück gibt es immer jemanden, der uns aufhebt. Das unterscheidet uns von der kleinen Rebe, für die es keine Rettung mehr gab. Wir haben Eltern, Geschwister und Freunde. Sie helfen uns, wenn wir etwas Schlimmes angestellt haben oder auf Menschen, die es nicht gut mit uns meinen, hereinfallen.“
Illustration: Susanne Mix
Von Margret Nußbaum
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