Von der kleinen Stadt Satidiva

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Die bis dahin so friedlichen Satidivaner sind plötzlich nicht mehr wieder zu erkennen. Jeder rafft soviel Geldscheine wie er kann. Wie aus den friedvollen Satidivaner raffgierige Menschen wurden
Jenseits der großen Berge liegt ein schönes grünes Tal. Dort leben die Satidivaner. Ihre kleine Stadt ist von saftigen Wiesen, weiten Feldern und großen Wäldern umgeben. Die Satidivaner leben friedlich zusammen und kennen keinen Hass und keine Zwietracht. Die Kinder schnitzen aus Holzabfällen Männchen und kleine Häuser und bauen Schiffe aus Baumrinde. Oft helfen die Mädchen und Jungen aber auch ihren Eltern in den Gemüsegärten, Obstwiesen und auf den Feldern. Die Satidivaner ernähren sich nämlich von dem, was ihre Ernte einbringt. Es ist nicht allzu viel. Aber jeder wird satt.Was ist Geld?
Eines Tages kommt ein Fremder in die kleine Stadt Satidiva. Er zieht einen Karren hinter sich her, der voll mit kostbaren Dingen beladen ist: Leckereien, Spielzeug, schöne Kleider, wertvoller Schmuck. „Wie bist du mit deinem Karren über die hohen Berge gekommen?“, fragen die Satidivaner den Fremden. „Wir haben einen Tunnel durchs Gebirge gebaut. Es werden nun immer mehr Menschen zu euch kommen. Und sie bringen kostbare Ware mit.“ „Ware? Was ist das?“, fragen die Satidivaner. „Das sind Dinge, die ihr mit Geld kaufen könnt“, antwortet der Fremde. „Geld? Was ist das?“, fragen die Leute. Der Mann öffnet einen Koffer. Er ist gefüllt mit Geldmünzen. „Das ist Geld“, sagt er. „Was sollen wir damit anfangen?“, fragen die Menschen aus Satidiva. „Ganz einfach“, erklärt der Fremde. „Wer von euch das meiste Geld hat, kann sich dafür viele schöne Sachen kaufen. Ich schütte jetzt den Inhalt meines Koffers aus. Und wer am schnellsten ist, kann das meiste Geld raffen.“
Jeder rafft soviel der kann
Im nächsten Augenblick purzeln die Geldmünzen aus dem Koffer auf die Straße. Die bis dahin so friedlichen Satidivaner sind plötzlich nicht mehr wieder zu erkennen. Jeder rafft soviel er kann. Die Menschen schreien sich an, sie drohen einander mit den Fäusten. Hier und da gibt es Prügeleien und Diebstähle. Fassungslos beobachten die Kinder das Geschehen. „Warum seid ihr plötzlich so anders?“, fragen sie ihre Eltern. „Das versteht ihr noch nicht“, antworten die Mütter und Väter. „Aber nun lasst uns in Ruhe! Wir haben keine Zeit. Denn wir müssen das Geld zusammenraffen.“
Die Gier bestimmt das Leben
Kurze Zeit später: Gier nach immer mehr Geld, Neid, Hass und Zwietracht regieren nun die kleine Stadt. Sie heißt jetzt übrigens nicht mehr Satidiva, sondern Aviditas. Denn Satidiva heißt rückwärts gelesen Aviditas. Das ist ein lateinisches Wort und bedeutet Gier. Die Gier nach Geld, Erfolg und Ansehen bestimmt das Leben in vielen Gemeinschaften – nicht nur in der kleinen Stadt Aviditas, die früher noch Satidiva hieß und in der die Menschen friedlich zusammen lebten. zum Anfang
