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Abrahams Opfer

Abraham
© Grundschule Denzlingen

Abraham will seinen Sohn Isaak mit einem Messer töten

Abraham und Sara waren stolz auf ihren Jungen, und sie liebten ihn über alles. Immer wenn der Vater ihn ansah, dachte er an Gottes wunderbare Verheißung, dass die Nachkommen Isaaks das Land erben sollten. Eines Tages sprach Gott wieder zu Abraham: „Geh mit Isaak in das Land Morija. Auf einem Berg, den ich dir zeigen werde, sollst du mir deinen Sohn als Brandopfer darbringen.“ Abraham war zutiefst erschrocken und entsetzt. Wie konnte Gott so etwas von ihm verlangen? Warum wollte er ihm den geliebten Sohn nehmen, dessen Nachkommen das Land erben sollten? Abraham hätte gern sein eigenes Leben geopfert, um Isaak zu retten. Aber er beugte sich dem Willen Gottes. Und er hoffte, dass sich doch noch alles zum Guten wenden und Gott sein Versprechen Isaak gegenüber halten würde.

Wo ist das Opfertier?

Am nächsten Morgen brach Abraham mit Isaak, zwei Knechten und einem Esel auf. Er hatte Sara nichts vom Befehl Gottes erzählt. Denn er wollte ihr nicht das Herz brechen. Sie wanderten drei Tage, bis sie zu dem Berg im Lande Morija kamen. Abraham befahl den Knechten, am Fuß des Berges zu warten. Isaak trug das Bündel Feuerholz,  Abraham das Feuer in einer Kohlenschale und sein Messer. Isaak wusste nicht, dass er geopfert werden sollte. Doch er wunderte sich und sagte: „Holz und Feuer fürs Opfer haben wir. Aber wo ist das Opfertier?“ Abraham zerbrach es fast das Herz. Aber er ließ sich nichts anmerken und antwortete: „Dafür wird Gott sorgen.“

Isaak soll leben!

Die beiden stiegen hinauf. Auf dem Gipfel des Berges baute Abraham aus losen Steinen einen Altar und schichtete das Holz darauf. Dann ergriff er Isaak, hob ihn auf den Altar und band ihm Hände und Füße zusammen. Abraham nahm das Messer in die Hand, um seinen Sohn zu töten. Da endlich rief Gott: „Nein, Abraham! Tu Isaak nichts zu Leide! Er soll leben. Nun weiß ich, dass du mir vertraust.“ Abraham ließ das Messer fallen. Er zitterte vor Anspannung und Erschöpfung. Erleichtert band er Isaak los. Als Abraham aufblickte, sah er einen Widder, der sich im Gestrüpp verfangen hatte. Abraham tötete ihn und brachte ihn Gott als Dankesopfer dar.

(Nacherzählt von Margret Nußbaum)

Junge kratzt sich grübelnd am Kinn
© Claudia Paulussen/Fotolia.com
Denk' mal drüber nach!

Kurz erklärt

Liebe Kinder,

ist das nicht grausam?! Gott verlangt von Abraham, seinen geliebten Sohn zu töten! Wie kann er so etwas tun? Zuerst schenkt er Abraham und Sara einen Sohn – obwohl sie schon sehr alt sind. Er verspricht, dass Isaak einmal der Vater vieler Kinder sein wird und das von Gott verheißene Land erben soll. Und nun scheint alles aus zu sein.

Warum gehorchte Abraham?

Hat Gott Abraham hereingelegt? Und Abraham? Warum wendet er sich nicht ab von diesem grausamen Gott, der ihm das Liebste nehmen möchte? Warum lässt er sich auf dieses grausame Spiel ein? Lauter Fragen, die mir und bestimmt auch euch durch den Kopf gehen. Aber dann habe ich versucht, etwas mehr über die Zeit zu erfahren, in der Abraham und Isaak wahrscheinlich lebten. Damals war es in vielen Völkern üblich, nicht nur Tiere, sondern auch Menschen zu opfern. Die Israeliten aber brachten keine Menschenopfer mehr dar. Sie glaubten, dass dies nicht der Wille Gottes war. Aber warum wollte Abraham Gott trotzdem gehorchen? Wie konnte er auch nur eine Sekunde daran denken, seinen Sohn zu töten? Ein Vater, der sein Kind liebt, würde dies nie tun.

Geschichten machen Mut

Natürlich wissen wir nicht, ob sich die Geschichte wirklich so zugetragen hat. Sie wurde von Menschen erzählt, und die erzählten sie weiter – von Generation zu Generation. Irgendwann wurde die Geschichte aufgeschrieben. Denkt einmal an die Märchen, in denen auch schlimme Dinge passieren. Aber trotzdem hören wir sie gerne und sind von ihnen fasziniert. Warum eigentlich? Auch darüber habe ich nachgelesen und nachgedacht. Ich habe viele Märchen gelesen und sie miteinander verglichen. Sie alle haben etwas Gemeinsames: Sie enthalten eine Mut machende Botschaft. Denn in allen siegt immer das Gute. Hier geht es noch gerecht zu. Die ganz Kleinen, über die alle lachen, sind am Ende die großen Helden, zu denen alle aufschauen. Die Geschichte von Abraham und Isaak enthält ebenfalls eine wichtige Botschaft: Wie die kleinen Helden im Märchen hat auch Abraham nie das Gottvertrauen verloren. Sein Glaube an das Gute, das letztlich siegen wird, war fest und unerschütterlich. Er vertraute darauf, dass Gott ihn niemals im Stich lassen würde und dass er alles zum Guten wenden würde. Dafür ging Abraham – wie die kleinen und großen Helden im Märchen – bis an seine Grenzen.

Eine wichtige Lektion

Ob Abraham seinen Sohn wirklich getötet hätte, wissen wir nicht. Doch dazu ist es Gott sei Dank nicht gekommen. Denn Gott hat eingegriffen und die Geschichte zum Guten gewendet. Gott hat damit die Israeliten in ihrem Glauben bestärkt, dass er sie liebt und nie Menschenopfer von ihnen verlangen würde. Wahrscheinlich wollten die Erzähler den Israeliten eine wichtige Lektion erteilen. Wie andere gute Erzähler oder Geschichtenschreiber wussten sie, dass man sich eine Lektion am besten merkt, wenn sie in eine Geschichte verpackt ist: eine Geschichte, die spannend und vielleicht sogar grausam ist - wie die von Abraham und Isaak. Mit diesem Trick haben auch die Erzähler der Märchen gearbeitet. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Denkt nur mal an Krimi-Geschichten oder -filme.

Die Lektion, die die Erzähler der Abraham-Geschichte den Israeliten erteilen wollten, lautet: Gott will keine Menschenopfer. Er hat euch dies durch Abraham offenbart. Denn ihr seid das von ihm geliebte und auserwählte Volk.

Von Margret Nußbaum
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