Urlaub im Kloster mit Wohlfühl-Garantie

Die Klosterpforten stehen offen
Immer mehr Klöster öffnen ihre Pforten und bieten nicht nur Einzelgästen, sondern zunehmend auch Familien mit Kindern die Möglichkeit, ein, zwei Wochen Urlaub im Kloster zu verbringen.Versteckspielen mit Pater Roman
Im riesigen Park des Prämonstratenser- klosters Roggenburg in Bayern spielen Kinder Fangen und Versteck. Mit von der Partie ist ein Mann im Bermudas und Kurzarmhemd. Er rennt los, lässt sich fangen und nimmt sogleich die Verfolgung der wilden Rangen auf. Der Mann ist nicht etwa der Vater oder Opa eines der Kinder, sondern Pater Roman Löschinger, Leiter des Zentrums für Familie, Umwelt und Kultur des Klosters Roggenburg. Die Mädchen und Jungen machen im Bildungszentrum ein oder zwei Wochen Urlaub mit ihren Eltern.
Natur pur im Klosterwald
„Bei uns können die Kinder Natur erleben und genießen, zum Beispiel auf der riesigen Streuobstwiese mit 150 Bäumen, in unserem Kräutergarten mit den 78 Beeten, im 8000 ha großen Klosterwald mit angeschlossenem Walderlebniszentrum“, erzählt Pater Roman. Er und seine Mitbrüder möchten Familien für Natur und Umwelt begeistern und sensibilisieren. Seine Pforten eröffnete das moderne Bildungszentrum im Jahr 2002. Seitdem machen Familien mit Kindern dort Urlaub – manche eine, andere zwei Wochen. Die Familienappartements verfügen allesamt über eine komplette Kleinkindausstattung – vom Wickeltisch, Hochstuhl, Kinderbettchen bis zum Fläschchenwärmer und dem Babyphon.
Gespräche über Gott und die Welt
Darüber hinaus lockt das Zentrum für Familie, Umwelt und Kultur mit Familien-Oasen-Wochenenden sowie Öko-Erlebniswochen für Schulklassen und Jugendgruppen. Damit Mütter und Väter während ihres Klosterurlaubs auch mal zur Ruhe kommen, wird für einen halben Tag Kinderbetreuung angeboten. Diese Aufgabe übernehmen in hauseigenen Kindergartenräumen Erzieherinnen. Für größere Kinder stehen Tischtennisplatten, Kicker, ein Fernsehraum und ein Internetcafé zur Verfügung. Für Eltern gibt es eigene Angebote, etwa literarische Spaziergänge sowie abends in gemütlicher Runde Gespräche über Gott und die Welt. „Da bin ich meistens dabei“, sagt Pater Roman. „Bei schönem Wetter sitzen wir draußen, sonst im Aufenthaltsraum. Oft ergeben sich auch Einzelkontakte. Denn Menschen öffnen sich am ehesten, wenn sie sich angenommen und verstanden fühlen.“
Keine aufgesetzte Frömmigkeit
Dass Menschen heute zunehmend auf der Suche nach Spiritualität sind, deckt sich mit Pater Romans Erfahrungen. „Wir stehen zur Verfügung, biedern uns aber nicht an“, sagt er. „Denn nichts schreckt mehr ab als aufgesetzte Frömmigkeit.“ Seine Gäste wissen diese Unaufdringlichkeit sehr zu schätzen. Aber der Wunsch nach mehr, nach einem Gespräch oder einem anderen geistigen Impuls ist bei Menschen, die im Kloster Urlaub machen, oft groß. Auch die Gäste in Roggenburg sind dafür sehr offen. „Kein Wunder“, lacht Pater Roman, „Unser 250 Jahre altes Kloster hat eine eigene Aura. Die Menschen können in den geistlichen Lebensraum reinschnuppern, ohne dass sie eine Überdosis fürchten müssten.“
