Bildungsurlaub für Alleinerziehende

Motto: Auftanken, locker lassen und neue Kraft schöpfen
Für viele allein erziehende Mütter oder Väter bleibt Urlaub ein Wunschtraum. Denn er ist oft nicht zu finanzieren. Katholische Familienbildungsstätten setzen deshalb auf das Konzept "Bildungsurlaub für Alleinerziehende".Am Ende der Kräfte
"Auftanken, locker lassen, Kraft schöpfen": Dieses Angebot der Katholischen Bildungsstätte "Haus der Familie" in Münster klang für die 33-jährige Sandra wie eine Verheißung. "Ich war damals am Ende meiner Kräfte und brauchte dringend eine Auszeit", sagt sie.
Sandra hatte das Gefühl, es wachse ihr alles über den Kopf: die Erziehung der Kinder - neun und sieben Jahre alt -, ihre Arbeit in der Kartonagenfabrik, die Putzstelle am Abend. "Der Vater der Kinder hat sich abgesetzt und zahlt nicht. Da bleibt mit nichts anderes übrig, als hart zu arbeiten. Denn meine Kinder sollen nicht ständig zurückstecken", erzählt Sandra.
Die Ausgaben für eine Woche Bildungsurlaub im letzten Sommer tun ihr nicht Leid. "Ich habe 234 Euro für mich und je 69 für meine Kinder bezahlt", zählt Sandra auf. Darin enthalten waren die Anreise mit dem Bus, Unterkunft, Vollverpflegung sowie die Kursangebote für Mütter und die Betreuung der Kinder.
Die Mitte wieder finden
"Die günstige Preiskalkulation bei solchen Angeboten ist möglich, weil das Land im Rahmen des Bildungsförderungsgesetzes Gelder für Alleinerziehende zur Verfügung stellt", sagt Edith Thier, Leiterin des "Hauses der Familie". "Alleinerziehende befinden sich in einer ganz speziellen Situation", weiß sie. "Während der Woche Bildungsurlaub können sie endlich mal Kraft schöpfen und ihre Mitte wieder finden.
Eine große Hilfe ist auch der Kontakt zu Frauen in ähnlicher Situation." In Gesprächskreisen, die von geschulten Psychologen und Sozialpädagogen geleitet werden, können teilnehmende Mütter oder Väter über die Probleme im Alltag mit den Kindern reden. "Wir setzen dabei nicht bei den Defiziten der Eltern an, sondern stärken die Erziehungskompetenzen einer jeden Mutter oder eines jeden Vaters", sagt Edith Thier. "Oft melden sich allerdings nur Mütter an.
Deshalb stellen wir unsere Kurse auch auf diese Zielgruppe ab. Denn in den meisten Fällen sind es Frauen, die ihre Kinder allein erziehen. Gemeinsam finden wir dann mit den Frauen heraus: Wo liegen meine Stärken? Was kann ich richtig gut? In welchem Bereich könnte ich meine Kompetenz erweitern? Wichtig ist uns vor allem, das angeknackste Selbstwertgefühl der Frauen zu stärken. Oft sind die Mütter mutlos und haben es aufgegeben, über Alternativen nachzudenken."
Wertvoller als ein Urlaub im Süden
"Das war bei mir auch so", sagt Sandra. "Ich hatte keine Idee, wie ich das mit meiner Arbeit und der Betreuung meiner jüngsten Tochter nach deren Einschulung unter einen Hut bringen sollte. Beim Bildungsurlaub bekam ich dann viele hilfreiche Tipps. Und nach den Sommerferien im letzten Jahr fand ich sehr bald eine bezahlbare Tagesmutter. Diese eine Woche war für mich wertvoller als zwei Wochen Urlaub im Süden. Hier mit den Frauen in ähnlicher Situation fühlte ich mich aufgehoben und verstanden." Lobesworte wie diese hört Edith Thier öfter.
Ein Zeichen, dass der Bedarf solcher Angebote für Alleinerziehende groß ist. "Wir holen die Frauen dort ab, wo sie stehen. Aber wir machen ihnen Mut, den Blick zu weiten und das Beste aus ihrer Situation zu machen", erklärt Edith Thier. "Dazu gehört auch das Nutzen von Synergieeffekten. Die Referentin weiß Auswege, kennt Adressen. Hinzu kommt: Die Kommunikation unter den Frauen klappt immer ganz hervorragend.
Und es sind schon viele soziale Netze entstanden." "Mit einigen aus dem Bildungsurlaub habe ich auch heute noch Kontakt", sagt Sandra. "Wir rufen uns an, wenn irgendwo ein Kinderflohmarkt ist. Wir organisieren Treffen und Ausflüge. Und wir stehen uns gegenseitig bei, wenn mal jemand Probleme hat. Gemeinsam finden wir meistens einen guten Ausweg."
