"Weniger ist mehr"

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ZdK-Chef Meyer zu Wandel und Kontinuität der Katholikentage
"Du führst uns hinaus ins Weite" heißt das Leitwort des 97. Deutschen Katholikentags, der vom 21. bis 25. Mai in Osnabrück stattfindet. In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erläutert der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, seine Erwartungen an das Treffen. Das ZdK ist für die Katholikentage verantwortlich.Herr Professor Meyer, im Mai steht der Katholikentag in Osnabrück an. In den Medien kann man aber schon heute mehr über den zweiten Ökumenischen Kirchentag in München 2010 lesen.
Meyer: Das ist nicht erstaunlich, denn der Ökumenische Kirchentag ist das größere Ereignis. Aber nichts ist aktueller als das, was am Tag passiert. Der Osnabrücker Katholikentag wird wie Saarbrücken 2006 viel Aufmerksamkeit finden. Das Saarbrücker Treffen stand zunächst auch nicht im Vordergrund, weil viele glaubten, Gerechtigkeit wäre kein aktuelles Thema. Außerdem gab es Sorgen, dass ein Katholikentag in einer Grenzregion nicht in den Fokus der Öffentlichkeit geraten könnte. Unsere nüchterne Analyse hat gezeigt: Das stimmte alles nicht.
Nach Ulm und Saarbrücken gab es auch beim ZdK Diskussionen darüber, ob die Form der Katholikentage noch das Modell für die Zukunft sein kann. Welche Konsequenzen haben Sie gezogen?
Meyer: Drastische. Nach Saarbrücken waren wir entschlossen, die Zahl der Veranstaltungen zu konzentrieren. Wir mussten unsere vielen Partner - so die Arbeitsgemeinschaft katholischer Organisationen und die Diözesanräte - von diesem Weg überzeugen. Das war nicht ganz einfach. Das Ergebnis: Die Zahl der zentralen Veranstaltungen wird von mehr als 150 auf exakt 48 reduziert. Wir hoffen, dass weniger mehr ist.
Wo sehen Sie den inhaltlichen Schwerpunkt?
Meyer: Mit einem Wort: Ermutigung. Unser Leitwort «Du führst uns hinaus ins Weite» hat einen mehrfachen Sinn. Eine Blickrichtung ist Globalisierung. Wir übersehen die Gefahren nicht, aber trotz aller Schwierigkeiten profitiert Deutschland von diesem Prozess. Wir verbinden Globalisierung auch mit einem Gestaltungsanspruch. Der zweite wichtige Aspekt hängt damit unmittelbar zusammen: Wenn wir über Zukunft reden, so ist dies weithin etwas, was die jungen Menschen leisten müssen. Wir können Erfahrungen weitergeben und Wege zeigen, aber entscheidend ist die Jugend. Deshalb wendet sich der Katholikentag ganz besonders den jungen Menschen zu.
Das politische Klima in Deutschland wird rauer, vor allem der Umgangsstil zwischen den Berliner Koalitionsparteien. Könnte sich das in Osnabrück bemerkbar machen?
Meyer: Unsere Erfahrungen sind anders. Wer bei Katholikentagen oder Kirchentagen mit Partnern und Gegnern spricht, hat das bisher erkennbar immer im Bewusstsein getan, dass man sich auf die Atmosphäre einlassen muss, wenn man sich nicht blamieren will. Ich gehe davon aus, dass dies auch in Zukunft so ist. Dass es derzeit in vielen Fragen eine heftige Auseinandersetzung gibt, sehe ich als Ausdruck der Vitalität unserer Demokratie. Was mich stört, ist, dass es an Bewusstsein darüber mangelt, wie die Gesellschaft aussehen soll. Viele politische Statements sind im negativen Sinne grenzen- und konturlos. Öffentliche Auseinandersetzungen sind gleichwohl so etwas wie der Herzschlag der Politik.
Und auch der katholischen Kirche?
Meyer: Ja, aber in einem anderen Sinne als bei der Demokratie. Zwar kann auch eine Demokratie immer nur in der Beziehung zur Kultur und Geschichte eines Landes verstanden werden. Für die Kirche ist und bleibt der Glaube Fundament und Orientierung. Das Zweite Vatikanische Konzil hat uns gelehrt, wie ernst wir dabei das Verhältnis von Glauben und Geschichte nehmen müssen. Die Kirche ist das durch die Geschichte pilgernde Volk Gottes. Um den richtigen Weg zu finden, müssen wir immer wieder die Botschaft des Glaubens in der konkreten geschichtlichen Situation erkennen und bezeugen. Dazu bedarf es nicht zuletzt des Dialogs.
Interview: Michael Jacquemain
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