Vorbereitungen in vollem Gange

Hunold-Lagies freut sich auf viele Gespräche mit Helfern und Gästen
Elisabeth Hunold-Lagies ist seit 2003 Vorsitzende des Katholikenrates des Bistums Osnabrück. Die 49-Jährige ist in Bremen geboren und hat dort Kirchenmusik, Schulmusik und Religionspädagogik studiert. In der Bremer Gemeinde St. Raphael ist die verheiratete Mutter von drei Kindern als Kirchenmusikerin und pastorale Mitarbeiterin tätig. Gemeinsam mit Bischof Franz-Josef Bode, Prof. Hans Joachim Meyer und weiteren Mitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) gehört sie seit 2006 der Katholikentagsleitung an.Langsenkamp: Frau Hunold-Lagies, Ihr wievielter Katholikentag ist dies?
Hunold-Lagies: Insgesamt ist dies erst mein dritter Katholikentag, an dem ich als Person mit Verantwortung teilnehme. Auf dem ökumenischen Kirchentag in Berlin war ich komplett dabei. Vor Ulm und Saarbrücken war ich meist als Tagesgast auf Katholikentagen unterwegs.
Langsenkamp: Dann haben Sie ja schon viel Erfahrung, die Sie jetzt in der Leitung des Katholikentages gut einbringen können. Seit wann laufen die Vorbereitungen für den Katholikentag in Osnabrück?
Hunold-Lagies: Die ersten Vorbereitungen begannen in dem Moment, als bekannt wurde, dass der 97. Katholikentag in Osnabrück stattfindet. Im Juni 2006 haben wir angefangen, erste Kontakte zu knüpfen und das Leitwort „Du führst uns hinaus ins Weite“, nach dem Psalm 18 zu entwickeln. Logistische Feinarbeiten, wie z.B. die Zuweisung der Gäste in Gastfamilien sind jetzt noch zu regeln, auch die Zuteilung aus dem großen Pool an Ehrenamtlichen: Wer wird wann wo eingesetzt. Diese Dinge werden aber von der Geschäftsstelle geregelt.
"Mittlerweile ist die Privatquartier- kampagne abgeschlossen, 4.000 Betten werden von Gastfamilien bereitgestellt."
Hunold-Lagies: Ein sehr frühes, bistumsinternes Projekt war der Pilgerstab. Jede Gemeinde hat einen Pilgerstab erhalten, um sich auf den Weg zum Katholikentag zu machen, inhaltlich und spirituell.
Mittlerweile ist außerdem die Privatquartierkampagne „Engel sucht Herberge“ abgeschlossen, 4.000 Betten werden insgesamt von Gastfamilien bereitgestellt. Die Vorverkaufsstellen für Tagesgäste wurden schon geöffnet, sie liegen nicht nur in und um Osnabrück, sondern z.B. auch in Hamburg, Göttingen, Hannover oder Hildesheim. Von diesen Punkten kommt man auch bequem während des Katholikentages mit den Tickets in die Stadt.
Die Proben für den großen Bistumschor im Gottesdienst an Fronleichnam im Schlossgarten der Universität Osnabrück sind auch im vollen Gange.
Langsenkamp: Machen Sie da mit?
Hunold-Lagies: Das hätte mich als Kirchenmusikern natürlich gereizt, mit meinem Gemeindechor unter den 1.800 Sängern zu sein. Aber an diesem Katholikentag nehme ich in einer anderen Rolle teil. Ich verspreche aber, von meinem Platz aus kräftig mitzusingen...
"Ich denke, es sind nicht immer die großen Events, die einen Katholikentag ausmachen."
Hunold-Lagies: Die Katholikentagsleitung wirft den letzten Blick auf alles. Durch den Wechsel an der Spitze der Bischofskonferenz ist das Personenkarussell natürlich neu ins Rollen gekommen. Wir hatten schon Kardinal Lehmann für den Abschlussgottesdienst eingeplant, sowie Erzbischof Zollitsch für bestimmte Podien, da das Programm schon länger feststand.
Jetzt müssen wir neu gucken, welche hochrangigen Teilnehmer wir wann wo einsetzen können. Das sind Dinge, die aber auch bis kurz vor Beginn eintreffen können. Während des Katholikentages werden wir uns jeden Abend zu einer Auswertungssitzung zusammensetzten und schauen, wie es läuft.
Langsenkamp: Gibt es noch Schwierigkeiten in der Vorbereitung?
Hunold-Lagies: Außer der, dass immer Gesprächspartner kurzfristig ausfallen können, haben einige Leute Sorge, dass die Züge bei der Anreise zu voll werden. Die Karten des Katholikentages gelten ja auch für den regionalen Regelverkehr der Deutschen Bahn. Was ist, wenn sich zwei Gruppen am Bahnsteig im kleinen Sandkrug verabreden? Die passen dann vielleicht nicht mehr hinein. Auch für Schulen, die komplett anreisen wollen, könnte es eng werden. Da wird noch so manches Telefonat hin und her gehen.
Langsenkamp: Die Fortbewegung hat ja beim Weltjugendtag auch irgendwie geklappt.
Hunold-Lagies: Köln ist aber auch ein bisschen größer als Osnabrück...
Langsenkamp: Das Programm wird dieser Tage an alle Teilnehmer verschickt und ist ja auch schon länger im Internet abrufbar. Was sind aus Ihrer Sicht die Höhepunkte?
Hunold-Lagies: Ich finde es eine glückliche Entscheidung, dass die Anzahl der Foren nach Saarbrücken deutlich reduziert wurden. So bekommt der Teilnehmer einen besseren Überblick. Der Abend der Begegnung am Mittwoch, 21. Mai, ist sicherlich ein Höhepunkt. Wir laden zum norddeutschen „kiek in – schau doch mal rein“ ein, wo sich die einzelnen Regionen des Bistums vorstellen.
Ich freue mich auch auf das Weltkinderfest am Samstag. Ich denke, es sind aber nicht immer die großen Events, die einen Katholikentag ausmachen. Gerade das Geistliche Zentrum in den Schulen hinter dem Osnabrücker Dom bietet Platz, um zur Ruhe zu kommen. In mehreren Themenräumen wird eingeladen, in vielen kreativen Möglichkeiten über den Psalm 18 nachzudenken.
"Solche Veranstaltungen sind auf nicht-materielle Weise gewinnbringend!"
Hunold-Lagies: Nur etwa ein Drittel der Kosten werden durch die Eintrittskarten gedeckt. Viele Sponsoren und Spenden haben geholfen, dass der Katholikentag in diesem Umfang stattfinden kann. Zu den genauen Zahlen kann ich jetzt nichts sagen. Was die Besucherzahlen betrifft, sind die Erwartungen voll erfüllt, rund 20.000 Dauerteilnehmer haben sich schon angemeldet. Der Vorverkauf läuft auch außerordentlich gut.
Langsenkamp: Stimmt es, dass im Bistum Osnabrück in kirchlichen Jugendzentren Gelder gekürzt werden mussten, um den Katholikentag mitzufinanzieren? Wenn ja, wie lässt sich das den Jugendlichen gegenüber begründen?
Hunold-Lagies: Diese Frage hat mich irritiert, darauf kann ich nur mit einem klaren „Nein“ antworten. Es gibt ein Leben vor und nach dem Katholikentag, insbesondere was den Umstrukturierungsplan „Perspektive 2015“ für unser Bistum betrifft. In diesem Zusammenhang wurden die Dekanate von 16 auf zehn zusammengelegt. Daher kann auch ein Jugenddekanatsbüro wegfallen. Das hat aber nichts mit der Finanzierung des Katholikentags zu tun. Wir leben natürlich in Zeiten, wo die Kirche das Geld nicht mit vollen Händen ausgeben darf.
Aber auf die Frage: Dürfen wir so etwas wie den Katholikentag dann überhaupt noch veranstalten, würde ich dringend mit den Erfolgen antworten, die der Weltjugendtag gebracht hat. Solche Veranstaltungen sind auf nicht-materielle Weise gewinnbringend!
Langsenkamp: Für Osnabrück und das Bistum ist der Katholikentag ein Großereignis.
Warum kommen Sie gerne zum Katholikentag?
Hunold-Lagies: Ich freue mich auf diesen ganz besonders, weil ich noch nie so intensiv mit einem befasst war.
Ich habe die Möglichkeit, auch hinter die Kulissen zu schauen und während des Katholikentags viele verschiedene Orte aufzusuchen. Inhaltlich liegt mir besonders das Podium zum Thema Sterbebegleitung am Herzen, aber ich freue mich auch auf die vielen Gespräche am Rande, mit den ehrenamtlichen Helfern und den Gästen.
Frau Hunold-Lagies, vielen Dank für dieses Gespräch.
Das Interview führte Marie-Theres Langsenkamp
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