logo


E-Mail-Adresse *

Anrede 

Vorname

Nachname

Aktion wählen:
 Anmelden
 Abmelden

Angaben mit * sind Pflichtangaben.


Liturgie  Seite drucken

Ein wenig Geist und viel Frühling

Holzschnitt Taube
© kirchensite.de
Die Taube ist das am weitesten verbreitete Pfingstsymbol.

Von Pfingstnovenen und der Taube als Symboltier: Liturgie und Brauchtum zu Pfingsten

50 Tage nach Ostern ist das Pfingstfest der feierliche Abschluss der Osterfestzeit. Der Name leitet sich her vom griechischen "Pentekoste", was 50. Tag bedeutet. In Deutschland erhielt das Fest wie auch Ostern und Weihnachten einen zweiten Feiertag. Das Pfingstbrauchtum und auch die Liturgie sind aber keineswegs so ausgeprägt wie dies im Advent und zu Weihnachten oder in der Fasten- und Osterzeit ist.

Jüdische Wurzeln

Bei den Juden war der 50. Tag nach dem Passah ein Dankfest für die Weizenernte und später für den Bundesschluss am Sinai sowie die Übergabe des Gesetzes. Nach dem jüdischen Philospophen Maimonides "lag der Sinn der Tage vom Auszug in Ägypten bis zur Feier des Empfangs der Gesetze auf dem Berg Sinai darin, den Gläubigen zu zeigen, dass Befreiung aus Knechtschaft allein nicht viel bedeutet und dass Freiheit ohne Gesetz ein zweifelhafter Segen ist", erläutert der katholische Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti.

Die Apostelgeschichte beschreibt die Geistsendung, die 50 Tage nach der Auferstehung Jesu von den Toten in Jerusalem geschah: "Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab."

Neuntägige Andachten

Nach dem Vorbild der Apostel, die um die Sendung des Heiligen Geistes baten, entwickelten sich in der Volksfrömmigkeit neuntägige Andachten – so genannten "Novenen" – zur Vorbereitung auf ein wichtiges Ereignis oder zur Abwehr von Not und Gefahr. Seit der Neuordnung des Kirchenjahres in Folge des Vatikanischen Konzils wurde die private Pfingstnovene in der offiziellen Liturgie beheimatet. Die Liturgie der Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten soll auf die Herabkunft des Heiligen Geistes vorbereiten.

Die Liturgie sieht am Pfingsttag die Sequenz "Veni Sancte Spiritus" (Komm, heilger Geist) vor. Dieser Zwischengesang gehört zu den vier Sequenzen (neben Pfingsten noch an Ostern, Fronleichnam und am Fest Mariä Schmerzen), die nach der Liturgiereform noch beibehalten wurden. Die Pfingstsequenz, die Stephan Langton (um 1150-1228) zugeschrieben wird, ist eine lateinische Dichtung, mit welcher die Gemeinde den Heiligen Geist um Beistand bittet.

Taube als Symboltier

Zum Symbol von Pfingsten wurde seit dem Barock verstärkt die Taube – ein Symboltier, dessen Ansehen bis heute sehr gelitten hat, wie Becker-Huberti meint: Der "Vogel der Könige" sei erst zur Brieftaube des kleinen Mannes und schließlich in unseren Großstädten zur "Ratte der Lüfte" geworden. Im Barock dagegen war die Taube als Symbol des Heiligen Geistes beliebt. Vor allem Hospize und Hospitäler wurden gerne "Zum Heiligen Geist" genannt.

Die Taube galt als Erkennungszeichen praktizierter Nächstenliebe, wie Becker-Huberti deutlich macht. Auch in der Pfingstliturgie kam die Taube vor: Früher wurde eine lebende oder auch eine hölzerne Taube als Symbol des Heiligen Geistes beim Gottesdienst herabgelassen. Liturgienahes religiöses Brauchtum zu Pfingsten hat sich nach Angaben von Becker-Huberti kaum ausgebildet. Das Brauchtum hat eher jahreszeitliche Bezüge als Frühlings- oder Maienbrauchtum.

Tanz um den "Pfingstenkranz"

Im westlichen Münsterland etwa ist ein pfingstlicher Heischebrauch (Brauch zum Erbitten von Gaben) noch lebendig: die Pfingstbraut. "Die älteren Jugendlichen sind morgens an dem Feiertag fleißig damit beschäftigt, einen Bollerwagen mit Birkengrün zu schmücken, 'denn Brutwagen'" (der Brautwagen), so wird dies auf der Internetseite von Stadtlohn-Estern beschrieben. Danach werden in den Nachbarschaften ein Mädchen und ein Junge von den älteren Kindern auserwählt und gekleidet, um mit ihnen als "Pingsterbrut un Brütigam" (Pfingstbraut und –bräutigam) durch die Nachbarschaft zu ziehen. Die größeren Kinder ziehen den Bollerwagen und alle laufen von Haus zu Haus, um ein Lied zu singen.

Dafür bekommen die Kinder dann ein paar Eier und Geld zur Finanzierung des Festes, wie es auf der Webseite heißt. Auch eine Handvoll Süßigkeiten nehmen sie gerne an. Nachdem sie von Haus zu Haus gelaufen sind, wird jährlich abwechselnd bei einer Familie das Fest gefeiert. Hier warten dann schon Kuchen, Saft und Sprudel auf die Kinder. Dann wird gespielt, gerannt und getobt.

Pfingstbaumpflanzen im Oldenburgischen

Das Pfingstbaumpflanzen ist eine alte Tradition, die mancherorts zu Pfingsten praktiziert wird. Zentraler Punkt ist die Einbindung von Birkenbäumen und aus Laub geflochtenen Girlanden: Die eigentlichen so genannten Pfingstbäume sind frisch geschlagene junge Birke, die üblicherweise vor Haustüren befestigt werden.

In vergangener Zeit sollen laut Wikipedia junge unverheiratete Männer den Brauch des Pfingstbaumpflanzens gepflegt haben, um sich den ebenfalls noch unverheirateten Jungfrauen vorzustellen. Dazu gingen sie von Haus zu aus und platzierten vor den Türen von Familien mit ledigen Töchtern eine junge Birke. In einigen Orten, wie beispielsweise im Landkreis Vechta, ist es auch heute noch üblich, dass junge Männer Pfingstbäume an das Zimmerfenster unverheirateter Mädchen und Frauen stellen.

Von Norbert Göckener

zum Anfang zum Anfang
Das Internetportal der Katholischen Kirche in Deutschland
© Katholisch.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Katholisch.de-Redaktion