Eine A-Capella-Gruppe mit christlichen Werten

Marc Sahr von den Wise Guys freut sich auf den Katholikentag
Die Wise Guys – das sind fünf kölsche Jungs, die seit über 25 Jahren gemeinsam durch dick und dünn gehen. Dän, Sari, Clemens, Eddi und Ferenc teilen auch den Erfolg: Was als Schülerband begann, ist heute eine der erfolgreichsten A-Capella-Gruppen Deutschlands. Das aktuelle Album stürmte sogar Platz zwei der deutschen Albumcharts. Trotzdem sind die Freunde bodenständig geblieben. Was vielleicht auch auf ihren christlichen Background zurückzuführen ist. Bei fast 120 Konzerten im Jahr ist immer ein Stand von Misereor dabei, denn die Wise Guys sind seit 2004 Paten des Projektes „Butterflies“. Die Hilfsaktion unterstützt Straßenkinder in Delhi. Lehrer unterrichten die Kinder, ein mobiler Ärztebus sorgt für medizinische Versorgung und auf einem Bankkonto kann jedes Straßenkind sein Geld einzahlen. Im Rahmen der Jubiläumsfeier von Misereor wird die A-Capella-Band auf dem Katholikentag in Osnabrück für musikalische Stimmung sorgen. Im Gespräch mit katholisch.de spricht Marc Sahr alias „Sari“ über das Glaubensevent und verrät, was er Jesus fragen würde.katholisch.de: Bald startet der Katholikentag in Osnabrück, das größte katholische Glaubensevent mit und von Christen. Warum machen die Wise Guys beim Katholikentag mit?
Marc Sahr: Aus verschiedenen Gründen. Zunächst einmal sind wir christlich erzogen und glauben an die christlichen Grundwerte. Dies ist ein Grund, warum wir dort gerne auftreten. Außerdem arbeiten wir schon seit einigen Jahren mit dem Hilfswerk Misereor zusammen und unterstützen das Projekt „Butterflies“ für Straßenkinder im indischen Delhi.
"Wir sind keine Band, die mit erhobenem Zeigefinger auf Missstände hinweist."
katholisch.de: Ihre A-Capella-Band hat beim evangelischen Kirchentag vor 70.000 Menschen gesungen und die Atmosphäre war beeindruckend. Denken Sie, dass es auf dem Katholikentag wieder ähnlich bewegend wird?
Sahr:Ich hoffe, dass es bewegend wird. Ich finde es immer beeindruckend, wenn die Leute mit den Herzen und Köpfen bei so einer Veranstaltung dabei sind. Das wird auch beim Katholikentag wieder der Fall sein. Bei unserem Auftritt in Osnabrück werden zwar nicht mehr so viele Menschen auf den Platz passen, aber es wird mit Sicherheit eine tolle Stimmung.
katholisch.de: Zu den zentralen Schlagworten des diesjährigen Katholikentags gehören unter anderem Klimaschutz, Gesellschaft und Jugend. Sind das Themen, die auch in Ihren Liedern eine Rolle spielen?
Sahr: Zum Teil, ja. Wir haben vor Ewigkeiten ein Lied gesungen das heißt „Ich schmeiss mein Auto auf den Müll“. Das ist schon Jahre her und war eher eine Parodie auf Menschen, die es dann doch nicht machen. Aber wir sind keine Band, die mit erhobenem Zeigefinger auf Missstände hinweist. Es muss irgendwie zu uns passen, wir wollen nie oberlehrerhaft rüber kommen. Die Menschen wollen sich nicht belehren lassen, aber man kann sie mit hintergründigem Humor oft auf Missstände hinweisen und zum Nachdenken anregen.
katholisch.de: Die Wise Guys haben zu Beginn auch Konzerte in Kirchen in Köln gegeben. Spielt der Glaube in Ihrem Leben eine Rolle?
Sahr: Für mich spielt der Glaube eine große Rolle. Die christlichen Grundwerte wie Nächstenliebe oder Vergebung sind mir persönlich wichtig, und ich versuche sie in meinem Leben so gut es geht umzusetzen. Beim großen Thema Klimaschutz werde ich auch einen persönlichen Beitrag leisten, indem ich auf dem Dach meines Hauses eine Solaranlage installieren werde.
Sahr: Die Lieder und Texte wären vermutlich nicht anders. Aber weil wir alle christlich erzogen wurden, gehören christliche Grundwerte für Entscheidungen innerhalb der Band einfach dazu. Das ist ein Konsens, der immer da ist und der sich in kleinen Entscheidungen widerspiegelt, wenn wir zum Beispiel Benefizkonzerte machen oder uns bei Hilfsprojekten wie „Butterflies“ engagieren.
katholisch.de: Merkt man die christliche Basis im Zusammenspiel der Bandmitglieder?
Sahr: Ich finde schon, dass wir uns unsere christlichen Werte spüren lassen. Ich bin natürlich kein perfekter Mensch und habe meine Fehler, mit denen ich manchmal meine Bandkollegen nerve. Die Art und Weise, wie sie damit umgehen, ist meines Erachtens christlich geprägt. Wir behandeln den anderen zum Beispiel bei Meinungsverschiedenheiten immer respektvoll, und Toleranz spielt natürlich immer eine Rolle.
katholisch.de: Laut Fragebögen im neu erschienen Buch über die Wise Guys würden Dan, Clemens und Eddi gerne ein Mal mit Jesus sprechen. Was würden Sie Jesus fragen oder ihm sagen?
Sahr: Ich würde ihn fragen: „Jetzt mal ganz ehrlich, gibt es ein Leben nach dem Tod? Kann ich mir das vorstellen? Was erwartet mich da?“ Von dem Leben nach dem Tod kann ich mir schwer eine Vorstellung machen. Im Moment kann ich nur darauf vertrauen, dass es das gibt und alles gut werden wird. Und ich würde Jesus meinen Respekt ausdrücken.
Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Saskia Gamradt
