„Es braucht nicht den Superguru“

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Podiumsdiskussion zum Thema Exorzismus
Osnabrück - Wer nach dem WDR-Beitrag zum Exorzismus am Sonntag und Montag einen weiteren Paukenschlag bei der Veranstaltung „Befreiung vom Bösen“ erwartete, musste die Veranstaltung des Katholikentags enttäuscht verlassen. Die Podiumsteilnehmer, beides Theologen, diskutierten vor rund 300 Zuhörern leidenschaftlich, aber sachlich über das Thema Exorzismus in der katholischen Kirche, für den es seit 1999 neue Richtlinien aus dem Vatikan gibt, die die Erkenntnisse der Medizin und Psychiatrie stärker berücksichtigen.Der Saarbrücker Theologe Martin Birkenhauer vom Theologischen Ausschuss der Charismatischen Erneuerung zeigte sich von der heilenden Kraft des Exorzismus und der Vertreibung des Bösen überzeugt. „Die Erfahrungen zeigen: ‚Es wirkt’!“, so der Katholik. Dabei müsse der Exorzist „kein Superguru“ sein. Es gehe auch nicht darum „ein bisschen Gott zu spielen“. Entscheidend beim Exorzismus sei, sich um jemanden zu kümmern, der sich an einem „unfreien Punkt“ befinde, betonte Birkenhauer, der auch Religionslehrer an einem Gymnasium in Saarbrücken ist.
Der Frankfurter Theologe Lutz Lemhöfer, der auch Referent für Weltanschauungsfragen ist, warnte vor einer Personalisierung des Bösen. „Heroische Heiligkeit wie auch abgrundtiefe Bosheit gehören zu dem, was Menschen möglich ist“, so der Katholik. Dagegen könne man „den Einfluss von Teufel und Dämonen“ nirgends beobachten. Allenfalls könne man rätselhafte Vorkommnisse wie Spuk oder seltsames Verhalten bei manchen psychischen Krankheiten dämonologisch deuten und interpretieren. Gefährlich sei, dass der Exorzist in eine Machtrolle hineinrutsche. Er wolle damit „an der Allmacht Gottes partizipieren“. „Wir können Gott aber nicht mit dem Zeigefinger führen“, so Lemhöfer weiter. „Wir können Gott immer nur bitten!“ Es sei deshalb richtig, dass der Exorzismus in Deutschland sehr zurückhalten praktiziert werde und dass es strenge Richtlinien für seine Verwendung gebe.
Beide Theologen stimmten darin überein, dass bei einem Exorzismus eine psychologische Begleitung unabdingbar sei. Mediziner, Psychologen und Seelsorger müssten als Team auftreten. Bestehende psychologische Behandlungen bei einem Exorzismus abzubrechen, sei unverantwortlich. zum Anfang
