Zweite Heimat Arusha

Katrin Sijbom verbrachte ein Jahr in Tansania
Osnabrück - Auf dem Erinnerungsfoto aus Tansania fällt Katrin sofort auf: Groß und weizenblond zwischen ihren zierlichen dunkelhäutigen Gastgeberinnen – den Missionsschwestern des Ordens Unserer lieben Frau. Ein Jahr lang lebte und arbeitete die damals 19-Jährige in Arusha - eine Stadt im Norden des ostafrikanischen Landes.Eine Zeit, die die Politikstudentin auf keinen Fall missen will, wie sie bei einem Diavortrag im Jugendzentrum des Katholikentags erzählt. „Ich möchte Euch das Land näher bringen, so wie ich es erlebt habe“, stellt die Missionarin auf Zeit (MaZ) zu Beginn klar. Also keine gesicherten Daten und Fakten. Dafür beeindruckende Bilder und Hautnah-Erlebnisse. Tansania ist eines der ärmsten Länder der Erde. Die Menschen verdienen durchschnittlich 280 US-Dollar im Jahr.
Frauen haben in Tansania wenig zu melden
In den ersten Monaten ihres Aufenthalts arbeitet Katrin in einem Frauenzentrum. „Die Frauen in Tansania haben wenig zu melden“, erklärt sie. „Sie bekommen früh Kinder, haben selten eine Berufsausbildung und ihr Lebensumfeld beschränkt sich auf Haus und Nachbarschaft.“ Die Missionsschwestern versuchen ihnen in Workshops und Fortbildungskursen Selbstbewusstsein und berufliche Perspektiven zu vermitteln.
Zu den Aufgaben der jungen Freiwilligen gehört auch ein Massai-Projekt. Einmal in der Woche begibt sich Katrin gemeinsam mit einer Schwester auf einen langen Fußmarsch in den Busch. Der Massai-Stamm lebt dort noch sehr traditionell. Männer kümmern sich um das Vieh, Frauen sind für Haushalt und Kinder, Feldarbeit und Wasserholen zuständig.
Eigenhändig ein Schulgebäude gebaut
Um ihnen einen Dach über dem Kopf zu geben bauen die Missionsschwestern und deutsche Jugendliche eines sozialpädagogischen Projekts ein kleines Schulgebäude. „Alle halfen mit bloßen Händen – auch die Massai - und nach einigen Wochen stand das Haus“, erinnert sich Katrin. „Okay, es passt überhaupt nicht in die Landschaft“, räumt sie ein und zeigt ein Bild von einem westlich anmutenden Steinbau mit Giebeldach. Aber es erfüllt seinen Zweck! Umso mehr, weil ein eingebauter Wassertank nun die Trinkwasserversorgung des Dorfes erleichtert.
In der zweiten Jahreshälfte arbeitet Katrin in einer Dorfschule nahe Ashura und unterrichtet drei- bis vierjährige Vorschulkinder. „Die erste Zeit war schwierig“, erinnert sich die lebhafte MaZlerin. „Es gab so gut wie keine Schulmaterialien und wir mussten alles selbst organisieren und anfertigen.“
Aids ist ein großes Problem in Tansania
„Ich habe jeden Tag ein anderes Kind nach Hause begleitet“, erzählt Katrin. Dabei erfährt sie viel Freundlichkeit und Offenheit, sieht aber auch viel Leid. „Ein großes Problem in Tansania ist Aids“, erklärt die 21-Jährige. Durch den HIV-Virus stirbt eine ganze Eltern-Generation aus. Viele Großeltern versuchen sich und ihre Enkel mit Mühe über Wasser zu halten. „Ich habe zum Beispiel eine alte Frau kennen gelernt, die sich selbst kaum versorgen kann und nun sieben verwaiste Urenkel durchbringen muss.“
Trotz allem Elend verlieren die Menschen in Tansania nicht die Lebensfreude. „Vielleicht liegt es daran, dass es zwar ums Überleben geht, aber nicht ums Geld“, sagt Katrin, die sich – zurück in Deutschland – erst wieder an den hohen Stellenwert der Euros gewöhnen muss.
Auch wenn es schwierig ist, für eine weiße Frau, Katrin lässt sich nicht unterkriegen. Sie beweist, dass sie auch auf lehmigen Straßen laufen oder auf der Ladefläche eines Pickups fahren kann. Sie zeigt keine Berührungsängste, lernt Kisuaheli, findet schließlich Freunde und in Ashura/Tansania eine zweite Heimat.
