Zur Mitte des Menschen

Erste Impulse zu einem Herz-Jesu-Fest kamen im Hochmittelalter aus Deutschland
Jeweils am dritten Freitag nach Pfingsten ist das Herz-Jesu-Fest, das Papst Pius IX. 1856 als Gedenktag für die ganze Kirche eingeführt hat. Das Herz gilt in der Bibel vor allem als Bild der Mitte des Menschen. Das Herz ist Sinnbild der ganzen Person, besonders seines Fühlens und Wollens.Bei der Kreuzigung Jesu hören wir, dass ein römischer Soldat die Seite Jesu und mit ihr sein Herz mit einer Lanze durchbohrte, um seinen Tod festzustellen. Dabei strömen aus seiner Seite Wasser und Blut. Theologen der frühen Kirche deuten dieses Ausströmen als jene Paradiesströme, von dem das erste Buch der Bibel, die Schöpfungsgeschichte berichtet. Das Herz Jesu, der Kern seines Wesens, meint somit das Paradies: den Raum der Liebe Gottes, den der Schöpfer ursprünglich für den Menschen geschaffen hat, in dem der Mensch glücklich hätte leben können.
Wie es mit dem göttlichen Herzen begann
Erste Impulse zu einem eigenen Herz-Jesu-Fest kamen aus Deutschland, aus der "neuen Frömmigkeit" (devotio moderna) des Hochmittelalters. Hier hatten die "Frommen" jener Epoche das Empfinden in unmittelbaren, direkten Kontakt zu Jesus zu stehen. Wie etwa bei den Zisterziensernonnen von Helfta, Mechthild von Magdeburg (1207-1282), Gertrud von Helfta (1256-1302) und dem Dominikaner Heinrich Seuse (1295-1366).
So hört die Heilige Gertrud in einer Vision von Jesus: "Sie besitzt endlich die wahre Liebe, weil sie mich glühend von ganzem Herzen, aus ganzer Seele und mit allen Kräften und den Nächsten wie sich selbst um meinetwillen liebt."
Entscheidend für die weitere Entwicklung beim Herz-Jesu-Gedenken sind die Visionen der Marguerite-Marie Alacoque. 1671 trat sie in das Kloster der Heimsuchungsschwestern in Paray-le-Monial ein. Ihr ganzes Leben im Orden ist bestimmt von den erhabenen Glücksgefühlen der Gegenwart Jesu einerseits und den Demütigungen und Missverständnissen seitens der Mitschwestern andererseits. In den Jahren 1673-1675 empfing sie vier großen Visionen, in denen ihr der Herr Wesen und Sendung der Herz-Jesu-Verehrung offenbarte.
Am 27. Dezember 1673 kniete sie nach der heiligen Kommunion in innigem Gebet versunken, da erschien ihr das göttliche Herz Jesu auf einem Flammenthrone, nach allen Seiten Strahlen sendend wie die Sonne, die Wunde der Lanze sichtbar, von einer Dornenkrone umgeben, und auf dem Herzen stand das Kreuz und Jesus sprach:
"Mein göttliches Herz ist so voll von Liebe zu den Menschen und besonders zu dir, dass ihre Flammen hervorbrechen, um sie durch dich den Menschen zu offenbaren, und sie zu bereichern mit den Schätzen, welche du siehst, und die überreiche, aber notwendige Gnade enthalten, um die Menschen zu retten vor dem Abgrund des Verderbens. Dich, Unwürdige und Unwissende, habe ich auserwählt zur Erfüllung meiner Absichten, damit es klar werde, dass alles ganz mein Werk ist. Deshalb gib mir dein Herz!"
1686 gelang es Marguerite-Marie Alacoque nach lange währenden und großen Widerständen, mit ihrem Konvent die erste Herz-Jesu-Feier zu begehen. Vier Jahre später starb sie.
