Mit dem Rollstuhl zum Papst

Bislang größte Behinderten-Wallfahrt der Malteser in Rom
Rom - Mit Blaulicht lotsen italienische Polizeimotorräder einen Konvoi von 29 Reisebussen durch die Ewige Stadt. So werden im römischen Verkehr Staats- und Regierungschefs eskortiert. Doch in den Bussen mit deutschem Kennzeichen sitzen nicht Merkel, Brown und Co, sondern die Teilnehmer der bislang größten Behinderten-Wallfahrt des Malteser Hilfsdienstes. 1.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland, darunter 329 Menschen mit Behinderungen, pilgern bis Freitag durch die Ewige Stadt - im Rollstuhl und guter Laune.«Rom ist nicht gerade behindertenfreundlich», meint Organisatorin Claudia Kaminski. «Aber die Polizei räumt uns den Weg frei - von der Lateranbasilika bis zum Petersdom». Seit knapp zwei Jahren hat sie die neunte Malteser-Wallfahrt in Zusammenarbeit mit dem deutschsprachigen Pilgerzentrum in Rom vorbereitet. «Noch nie haben so viele Menschen mit Behinderungen teilgenommen», sagt sie; «bei der Jubiläumsfahrt 2003 passten die Leute noch in 14 Busse».
Etwa 600 Helfer kümmern sich rund um die Uhr um die Betreuung pflegebedürftiger Pilger. Für manche Malteser beginnt der Tag in Rom schon um vier Uhr morgens. Spätestens um sechs Uhr früh sind alle Helfer auf den Beinen. «Das ist Stress, macht aber Spaß», sagt Daniela aus der Malteser-Jugend. Ihr Teamkollege Thorsten nickt:
«Bei der Messe im Petersdom habe ich gesehen, wie stolz zwei Rollstuhlfahrer die Malteser-Fahne beim Einzug in die Basilika gehalten haben - das ist Freude.»
Die älteste Teilnehmerin ist über 100, der jüngste kommt gerade in die Pubertät. Nicht jeder Pilger ist Malteser-Mitglied. Hedwig Ketels aus dem Rheinland hat durch die Presse von der Reise erfahren. Da ihr Ehemann Ulrich gehbehindert ist, seien weite Fahrten für die Familie sonst fast unmöglich, sagt sie. «Rom kenne ich nur aus dem Fernsehen», fügt ihr Gatte hinzu; «so was Schönes hab ich noch nie erlebt.»
In grauer Malteser-Uniform steht Ernst Brück vor dem Petersplatz und bespricht mit seinem Logistik-Team die Rückkehr ins Hotel. «Wir müssen Wasserflaschen und Lunchpakete verteilen», so Brück. Auch das Pflaster der Ewigen Stadt macht den rund 200 Rollstühlen zu schaffen
- da muss am Abend schon mal ein Reifen repariert oder eine Schraube angezogen werden. Bei 1.000 Pilgern unterwegs müssen buchstäblich auch die kleinen Dinge organisiert sein: «Wir haben transportable Toiletten dabei, die wir vor jedem Gottesdienst auf- und abbauen.»
Als Bundesseelsorger begleitet seit 1981 der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick den Malteser Hilfsdienst. Im gleichen Jahr startete auch die erste Rom-Wallfahrt für Menschen mit Behinderungen. «Diese Pilgerfahrt ist für viele ein Geschenk», betont Dick: «Sie tanken innere Kraft und Lebensfreude». Die Begegnung mit dem Papst bei der Generalaudienz sei stets der absolute Höhepunkt.
Außer der Mittwochsaudienz standen eine Prozession an der Kirche Sankt Paul vor den Mauern, eine Messe in Santa Maria Maggiore, ein Spaziergang durch die Vatikanischen Gärten sowie ein Besuch im römischen Viertel Trastevere auf dem Programm. An diesem Donnerstagabend sind die deutschen Wallfahrer beim Großmeister des Malteserordens, Fra'Matthew Festing, auf dem Aventin zu Gast. «Da rocken wir zum Abschluss richtig ab», sagt Thorsten, «da tanzen auch die Rollstuhlfahrer.»
Auf das Fest freuen sich auch die Polizisten, die für die Malteser gern unbezahlte Überstunden machen. «Zum Dank haben uns die Helfer schon mehrfach zum Kölner Karneval eingeladen», erzählt der ehemalige Polizei-Gruppenführer Ferdinando Cagnioli. Er begleitet die Malteser schon seit 28 Jahren durch Rom - diesmal erstmals als Pensionär mit seinem Privat-Motorrad.
