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Großer Tag für die ganz Kleinen

Der große Augenblick: Pfarrer Heinz-Josef Lambertz gießt das gesegnete Wasser über Maries Köpfchen.
© Margret Nußbaum/katholisch.de
Der große Augenblick: Pfarrer Heinz-Josef Lambertz gießt das gesegnete Wasser über Maries Köpfchen.

Die Feier in der Kirche: Stationen einer kirchlichen Tauffeier

Der plätschernde Bach vor der Kirche St. Sebastian in Würselen (Bistum Aachen) fasziniert den siebenjährigen Leon ganz besonders. Mit den Füßen durchs Wasser waten: Das wäre bei dem schwül-warmen Wetter für ihn das Non-Plus-Ultra. Aber die Familie hat andere Pläne. Denn heute wird Leons kleine Schwester Marie, sechs Monate, getauft. Dass dabei auch Wasser im Spiel ist, weiß Leon. Denn in den letzten Tagen wollte er immer die Fotos seiner eigenen Taufe anschauen.

120 Taufen in vier Gemeinden

Mittlerweile haben sich weitere Kinder am Wasserlauf eingefunden: die dreijährige Sarah und ihr ein Jahr jüngerer Bruder Enrico sowie Hanna, ebenfalls drei Jahre alt. Auch ihre Geschwister – Joel, zehn Monate, und Lena, sechs Monate - stehen heute als Täuflinge im Mittelpunkt. Dass es drinnen nicht minder kurzweilig zugeht wie am Bach vor den Kirchentreppen, ist Pfarrer Heinz-Josef Lambertz zu verdanken. In St. Sebastian und in drei weiteren Gemeinden verzeichnet er jährlich etwa 120 Taufen.

Geschafft! Marie gehört nun zur Gemeinschaft der Christen dazu.
© Margret Nußbaum/katholisch.de
Geschafft! Marie gehört nun zur Gemeinschaft der Christen dazu.

Der Wortgottesdienst

Der Pfarrer begrüßt die Familien und ihre Taufgäste im Eingangsbereich der Kirche. Es folgt ein geistiger Impuls über das Wunder des Lebens, das sich in jedem neuen Menschenkind offenbart. Danach ziehen alle feierlich in die Kirche ein. Der Wortgottesdienst beginnt: ein Lied, das Gleichnis vom Senfkorn, eine kurze Ansprache. Die Gemeinde spricht das Glaubensbekenntnis, Eltern und Paten das Taufgebet.

Die Taufe mit Wasser

Pfarrer Lambertz zeigt eine alte Taufschale aus Armenien und erklärt den Kleinen und Großen, wie Christen in diesem Land leben. Die Messdiener gießen etwas angewärmtes gesegnetes Wasser in die Schale. Und dann kommt der große Augenblick auf den Leon, Hanna, Sarah und Enrico schon sehnsüchtig gewartet haben – die Taufe von Marie, Joel und Lena. Der Pfarrer gießt dreimal ein wenig Wasser über den Kopf des Täuflings, nennt ihn beim Namen und sagt: "Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Leon darf seine kleine Schwester mit Chrisamöl salben und ihr ein Kreuz auf die Stirn zeichnen.
© Margret Nußbaum/katholisch.de
Leon darf seine kleine Schwester mit Chrisamöl salben und ihr ein Kreuz auf die Stirn zeichnen.

Die Salbung mit Chrisamöl

Nun salbt der Pfarrer die Stirn der Täuflinge mit Chrisamöl. Im Altertum rieb sich ein Kämpfer damit ein, damit sein Gegner ihn nicht zu fassen bekam. Täuflinge soll das Öl stärken, damit ihnen das Böse nichts anhaben kann. Die Salbung ist ein weiteres wichtiges Zeichen: Sie unterstreicht die Würde des getauften Kindes, das nun für immer Jesus Christus angehört. Die größeren Geschwister dürfen den getauften Babys nun auch mit Chrisamöl ein Kreuz auf die Stirn zeichnen.

Das weiße Kleid und die Kerze

Nach der Salbung wird den Kindern das weiße Taufkleid aufgelegt. Der Pfarrer sagt: "Dieses Kleid soll dir ein Zeichen dafür sein, dass du in der Taufe neu geschaffen worden bist und, wie es in der Schrift steht, Christus angezogen hast. Bewahre diese Würde für das ewige Leben." Auch beim Anzünden der Taufkerzen an der Osterkerze ist Leon eifrig dabei. Geschafft! Stolz trägt er die Taufkerze zu Maries Patin. Der Pfarrer betont die Bedeutung des Lichtes für uns Christen: Es erinnert an Jesus, das Licht der Welt, der uns die Augen öffnet und Orientierung bietet. Nach den von Eltern und Paten vorgetragenen Fürbitten und dem Vaterunser segnet Pfarrer Lambertz Marie, Lena und Joel und alle, die bei ihrer Taufe dabei waren.

Leon zündet Maries Taufkerze an der großen Osterkerze an.
© Margret Nußbaum/katholisch.de
Leon zündet Maries Taufkerze an der großen Osterkerze an.

Taufwasser von der Quelle

Nach Hause gehen die Familien aber noch nicht. Sie stehen noch eine Weile in der Kirche zusammen, schauen sich um, plaudern mit Pfarrer Lambertz und lassen die Feier nachwirken. "Wenn die Leute nicht sofort nach der Taufe hinausgehen, ist das für mich ein Zeichen, dass sie sich wohl fühlen", sagt er. Ein ganz besonderes Ereignis ist es für den Pfarrer jedes Mal, wenn er Kinder ab zwei Jahre tauft. "Ich gehe dann mit Eltern, Paten und den Kindern zu einer Quelle im Wurmtal", erzählt er. "So komme ich in Kontakt zu den Kindern. Wir holen dort das Taufwasser. Die Kleinen dürfen es in einen großen Topf füllen. Und wir bringen es zur Kirche, wo es gesegnet wird."

Gruppenbild mit drei Täuflingen: Das lässt sich Pfarrer Heinz-Josef Lambertz nicht nehmen. Links Lena, rechts Marie.
© Margret nußbaum/katholisch.de
Gruppenbild mit zwei Täuflingen: Das lässt sich Pfarrer Heinz-Josef Lambertz nicht nehmen. Links Lena, rechts Marie.

Ein Taufbaum mit Wünschen fürs Leben

Bei Taufgesprächen ist der Pfarrer offen für alle möglichen Gestaltungsmodelle. "Manchmal malen Eltern und Paten für ihr Kind einen Baum mit Äpfeln auf eine große Pappe. In jeden Apfel schreiben Sie einen Wunsch für das Kind, etwa dass Gott es vor allem Bösen bewahren möge. Dieses Bild wird dann zu Hause aufgehängt. Öfter haben Eltern und Paten für ihr Kind sogar einen Taufbaum im Garten eingepflanzt. Das Kind bekommt zu seinem Baum eine besondere Beziehung. Es sieht ihn wachsen, beobachtet den Kreislauf des Lebens - von den ersten zarten Knospen über das dichte grüne Blätterdach bis zum Abfallen der welken Blätter im Herbst und der Winterstarre." Eine schöne Erinnerung an ihre Taufe bekommen Marie, Lena und Joel noch mit auf den Weg: die Taufkurkunde mit einem Bild der Pfarrkirche St. Sebastian - gemalt vom Würselener Künstler Peter Hodiamont.
Von Margret Nußbaum
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