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Peter und Paul  Seite drucken

Die Säulen der Kirche

Auf halber Strecke zwischen der Pyramide und der Kirche Sankt Paul vor den Mauern sollen sich Petrus und Paulus getroffen haben. An der Fassade eines Hauses erinnert heute eine Tafel an diesen historischen Moment.
© KNA
Auf halber Strecke zwischen der Pyramide und der Kirche Sankt Paul vor den Mauern sollen sich Petrus und Paulus getroffen haben. An der Fassade eines Hauses erinnert heute eine Tafel an diesen historischen Moment.

Petrus wurde von Jesus Fels genannt, Paulus gilt als der Apostel der Völker

Nicht der Todestag der beiden Apostel Peter und Paul wird am 29. Juni gefeiert, sondern die vermutliche Übertragung ihrer Reliquien in die Katakombe an der Via Appia, nahe bei der heutigen Kirche San Sebastiano in Rom. Das heutige Fest wird zum ersten Mal im römischen Staatskalender von 354 erwähnt. Zeitnah zu diesem Tag finden in vielen katholischen Diözesen Priesterweihen statt.

Petrus stammt aus Betsaida am See Genesaret. Ursprünglich hieß er Simon, erhält aber durch Jesus den Beinamen, Petrus, zu Deutsch: der Fels. Petrus ist der Bruder des Apostels Andreas. Durch ihn lernt er Jesus kennen. Beide Brüder sind Fischer. Petrus war verheiratet und wohnte mit seiner Familie in Kafarnaum.

Dort existiert heute noch das so genannte "Petrushaus". Jahrhundertlange Umbauten und Pilgerinschriften ab dem 2. Jahrhundert zeigen, dass hier wohl das Haus der Schwiegereltern des Petrus stand. Es ist der Ort, von dem das Markusevangelium (2,1) erzählt, er sei für Jesus eine Art "Zuhause" gewesen.

Am Ende der Wirkungszeit Jesu in Galiläa war es Petrus, der Jesus als den Messias bekundete. Jesus erkennt ihm daraufhin eine Führungsrolle unter den Aposteln zu. Das Johannesevangelium erwähnt neben der dreimaligen Leugnung des Petrus Jesus überhaupt zu kennen die dreimalige Frage des Auferstandenen an Petrus: Liebst du mich?

Über das Wirken des Petrus nach Tod und Auferstehung Jesu ist wenig bekannt. Zuerst in Jerusalem tätig, missionierte er anschließend in Antiochia und Kleinasien.  Beim Apostelkonzil in Jerusalem um 48 n. Chr. Treffen Petrus und Paulus zusammen. Zuletzt wird vom Aufenthalt des Petrus in Rom berichtet. Unter Kaiser Nero findet er um 67 n. Chr. Den Märtyertod am Kreuz.     

Paulus mit hebräischem Namen Saulus ist um das Jahr 10 n. Chr. in Tarsus geboren worden. Der Geburtsort liegt in der heutigen Türkei. Zu Lebzeiten des Paulus war Tarsus eine bedeutende Handelsstadt und Hauptstadt der römischen Provinz Cicilien.

Der Vater ist Pharisäer und Zeltmacher in Tarsus. Von seinem Vater erbt Paulus sein Gewerbe als Zeltmacher und vor allem das römische Bürgerrecht, was ihm im Laufe seines Lebens noch sehr hilfreich sein wird. Über die Mutter ist so gut wie nichts bekannt.

Streng religiös erzogen wurde Paulus selbst Pharisäer und zunächst ein radikaler Bekämpfer des Christentums. Sein Eifer gegen die Christen verwandelte sich in eine glühende Liebe, nachdem ihm vor Damaskus in einer Vision Christus erschienen ist. Paulus ließ sich taufen und verbringt drei Jahre abgeschieden in der Einsamkeit, bevor er dem Petrus und den übrigen Aposteln in Jerusalem begegnet.

Durch sein Bekehrungserlebnis und den damit beschriebenen Dienstauftrag, das Evangelium in der ganzen römischen Welt zu verbreiten, tituliert sich Paulus selbst in seinem Brief an die Römer 11,13 (und öfter) als Apostel (Gesandter) der Heiden oder Apostel der Völker.

Drei Missionsreisen führen ihn unter anderem nach Athen und Europa. Er hält durch viele Briefe regen Kontakt zu den von ihm gegründeten Gemeinden und setzt sich leidenschaftlich für das Evangelium ein. Was er für das Evangelium erleiden musste, darüber spricht er im 2. Korintherbrief (11,23): "Fünfmal erhielt ich von Juden die 39 Hiebe, dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag und trieb ich auf  hoher See."

Über den Weg des Paulus nach Rom berichtet ausführlich die Apostelgeschichte. Sein letzter Weg, ein gut erhaltenes Stück römischer Straße, befindet sich auf dem Gelände der Abtei von Tre Fontane im Südosten von Rom. Hier soll nach römischer Tradition der Völkerapostel hingerichtet worden sein. Eine Säule wird als jene verehrt, an die er dabei gefesselt war. Unter Kaiser Nero erlitt Paulus um das Jahr 67 nach Christus den Tod durch das Schwert. Drei Quellen entsprangen, so heißt es, als sein abgeschlagenes Haupt dreimal aufschlug. Sie sind längst ausgetrocknet. Nur die Quelle seiner Inspiration sprudelt munter weiter.

Paulusplatte in Sankt Paul vor den Mauern
© KNA
Grabplatte des Paulusgrabes in Sankt Paul vor den Mauern

Tradition

Die Tradition sieht für beide Apostel Rom als Ort ihres Martyriums an und so ist die Verehrung mit dieser Stadt verbunden. Womöglich sind bereits früh zwei Gräber hochgeschätzt worden, die als die der beiden Apostel identifiziert wurden und über denen Kaiser Konstantin nach 320 jeweils erste Kirchen errichten ließ, die später durch größere Kirchenbauten ersetzt wurden.

Auch wenn die archäologischen Zeugnisse und schriftliche Quellen nicht eindeutig sind, besteht doch eine große Wahrscheinlichkeit, dass Petrus unterhalb von Sankt Peter seine letzte Ruhestätte fand. Paulus, der im Gegensatz zu Petrus, mit römischem Bürgerecht ausgestattet war, wurde der Überlieferung nach seinem Martyrium auf einem heidnischen Friedhof an der Via Ostiense beigesetzt. Sein Grab wurde nachweisbar schon im 2. Jahrhundert verehrt und zum Ziel von Pilgern. 

Im Jahre 324 errichtete der erste Kaiser Konstantin über ihm eine kleine Kirche, die ein halbes Jahrhundert später durch einen Monumentalbau ersetzt wurde: die heutige Basilika Sankt Paul vor den Mauern, eine der vier Hauptkirchen Roms. Seit jeher wurde hier das Grab des Paulus verehrt. Archäologen legten an dieser Stelle einen antiken Steinsarg frei. Besucher der Pilgerkirche können inzwischen durch ein kleines Fenster unterhalb des Altars ein Stück des antiken Marmors sehen. Und sich dem größten Missionar des Christentums näher fühlen als je zuvor. Nach Augustinus hat sich in der Theologiegeschichte das ganze Mittelalter kaum mit der Gestalt des Paulus und seiner Theologie beschäftigt. Diese Beschäftigung setzte erst wieder in der Neuzeit ein und kann durch das vor einem Jahr durch Benedikt XVI. ausgerufene Paulusjahr 2008/09 neue Akzente bekommen.

Petrus auf dem Petersplatz in Rom
© Wikipedia
Paulusstatue vor Sankt Peter

Volkstümliches

Petrus in Mitteleuropa oft als "Wetterheiliger" verehrt, der im Himmel thront. Dies basiert auf der Vorstellung, dass der Heilige am Himmelstor die Geschicke auf Erden überblickt. Jesus selbst hatte ja zu Petrus gesagt: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben." Besonders in Österreich und Bayern gibt es das traditionelle Peterlfeuer zu Ehren der Heiligen.

Petrus wird dargestellt als Apostel oder Papst mit Schlüssel, Buch, Hahn, Fisch, Kreuz oder kopfüber gekreuzigt. Paulus als Apostel mit Buch und Schwert.

Petrus ist Patron der Päpste, des Bistums Osnabrück. Paulus der der Weber, für Regen und eine fruchtbare Ernte.

Von Markus Schüppen
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