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Paulus und Rom

Paulusplatte in Sankt Paul vor den Mauern
© KNA
Die Grabplatte, die in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern mit dem Apostelgrab identifiziert wird.

Die Verbindung des Apostels mit der heutigen Hauptstadt Italiens ist gut bezeugt

Die Tradition sieht für die beiden Apostel Peter und Paul Rom als Ort ihres Martyriums an und so ist die Verehrung mit dieser Stadt verbunden. Anscheinend sind bereits früh zwei Gräber hochgeschätzt worden, die als die der beiden Apostel identifiziert wurden und über denen Kaiser Konstantin nach 320 jeweils erste Kirchen errichten ließ, die später durch größere Kirchenbauten ersetzt wurden.

Auch wenn die archäologischen Zeugnisse und schriftliche Quellen nicht völlig eindeutig sind, besteht doch eine große Wahrscheinlichkeit, dass Petrus unterhalb von Sankt Peter seine letzte Ruhestätte fand.

Paulus, der im Gegensatz zu Petrus mit römischem Bürgerecht ausgestattet war, wurde nach der Überlieferung im Anschluss an sein Martyrium auf einem heidnischen Friedhof an der Via Ostiense beigesetzt. Sein Grab wurde nachweisbar schon im zweiten Jahrhundert verehrt und zum Ziel von Pilgern.

Sankt Paul vor den Mauern

Im Jahre 324 errichtete Kaiser Konstantin über ihm eine kleine Kirche, die ein halbes Jahrhundert später durch einen Monumentalbau ersetzt wurde: die heutige Basilika Sankt Paul vor den Mauern, eine der vier Hauptkirchen Roms. Seit jeher wurde hier das Grab des Paulus verehrt. Vor kurzem legten Archäologen einen römischen Steinsarg frei, der auf den Apostel und Märtyrer Paulus verweist.

Paradoxerweise ist aber nicht klar, ob der Paulussarg auch die Gebeine des Paulus enthält. Eigentlich müsste bei einer Öffnung ein Skelett ohne Schädel gefunden werden – das Haupt des Paulus wird nämlich in der Basilika Sankt Johann im Lateran gezeigt. Aber auch weitere Reliquienteilungen, Umbettungen und Nachbestattungen wären nicht unüblich für das frühe Christentum.

Löcher im Deckel des aufgefundenen Sarkophag lassen nichts Gutes ahnen: Pilger ließen dort wohl Stoffstreifen hinunter, um ein durch die Berührung geweihtes Andenken zu erhalten. Und ab und zu dürfte sich dabei auch ein besonders eifriger Pilger ein Stückchen herausgeangelt haben. Jedenfalls wurden die Öffnungen noch in der Spätantike wieder zugemörtelt, und ein kaiserliches Edikt verbot im Jahr 386 – zeitgleich mit der Aufstellung des Sargs im Kirchenraum – das Zerteilen von Reliquien und den Handel damit. Eine DNS-Untersuchung könnte demnach vielleicht ein makabres Sammelsurium von sterblichen Überresten in dem Sarg zu Tage bringen – oder aber auch gar nichts.

Blick auf antiken Marmor

Vorerst behält der Paulussarkophag aber sein Geheimnis. Das Mandat der Archäologen endete sozusagen an der Außenseite des Sarges. Die Entscheidung über den entscheidenden Schritt weiter, die Analyse des Inhalts, steht allein dem Papst zu.

Besucher der Pilgerkirche können aber inzwischen durch ein kleines Fenster unterhalb des Altars ein Stück des antiken Marmors sehen und sich dem größten Missionar des Christentums näher fühlen als je zuvor.

Nach Augustinus hat sich in der Theologiegeschichte das ganze Mittelalter kaum mit der Gestalt des Paulus und seiner Theologie beschäftigt. Diese setzte erst wieder in der Neuzeit ein und kann durch das vor einem Jahr durch Benedikt XVI. ausgerufene Paulusjahr  2008/2009 neue Akzente bekommen.

Von Markus Schüppen
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