Wie einst der alte Petersdom

Sankt Paul vor den Mauern beherbergt nicht nur das Grab des Apostels
Rom - Am Rand der römischen Innenstadt, abseits der klassischen Touristenströme, liegt die Basilika Sankt Paul vor den Mauern. Sie gehört zu den vier Papst-Basiliken der Ewigen Stadt; aber im Vergleich zum Trubel um den Petersdom oder am Lateran herrscht hier meist beschauliche Ruhe. Das Gotteshaus über dem Grab des Völkerapostels Paulus zählt noch nicht mal ein Fünftel der Besucher des Petrusgrabs.Dabei hat die Basilika viel zu bieten: Als einzige der vier Papst-Kirchen Roms hat Sankt Paul vor den Mauern den Typ der frühchristlichen Basilika bewahrt; trotzdem ist sie architektonisch die jüngste. Ein verheerender Brand, ausgelöst durch unvorsichtige Bauarbeiter bei einer Dach-Inspektion, verwüstete am 16. Juli 1823 - Papst Pius VII. lag gerade auf dem Sterbebett - die Basilika.
Romantisierendes Zeitempfinden
Die Zerstörung war so gründlich, dass auch verbliebene Mauern eingerissen werden mussten. Der Vatikan erließ die Order, beim mit internationaler Hilfe durchgeführten Neubau das alte Gotteshaus getreu nachzubauen. Das geschah freilich nicht Stein für Stein wie zuletzt bei der Dresdener Frauenkirche, sondern auch im Rahmen eines romantisierenden Zeitempfindens.
Vom Vorplatz gelangt der Besucher zunächst in ein von blank polierten Granitsäulen gesäumtes und palmenbestandenes Atrium. Die Fassade schmückt ein nach dem Brand den klassischen Motiven nachempfundenes Goldmosaik. Im Zentrum des Hofes steht eine Kolossalstatue des Völkerapostels mit dem Schwert - seinem Leidensinstrument. Von der Vorhalle führen fünf Portale in den Innenraum; die "Heilige Pforte" ganz rechts wird nur zu Heiligen Jahren geöffnet. Das Mittelportal mit neuzeitlichen Reliefs aus dem Leben von Petrus und Paulus könnte jetzt im Jubiläumsjahr zum "Paulinischen Tor" werden.
Das Innere der Basilika wirkt gewaltig, aber auch nüchtern, kühl, fast steril. Dem fünfschiffigen Bau fehlt die Patina der Jahrhunderte. Er hat nicht den Charme der stimmungsvollen Basilika Santa Maria Maggiore mit ihren uralten Goldmosaiken oder des Petersdoms mit seinen Heiligenfiguren und Grabmonumenten, mit Pieta und Bernini-Baldachin. Doch er vermittelt nach Grundriss und Typ ziemlich genau, wie einst auch der alte Petersdom ausgesehen hat - bevor er 1506 nach und nach abgerissen und durch die heutige Basilika ersetzt wurde.
"Drei-Kaiser-Basilika"
Errichtet wurde die erste Pauls-Basilika unter Kaiser Konstantin über dem Grab des Apostels Paulus, der nach der Tradition auf dem Gelände der heutigen Abtei Tre Fontane enthauptet und hier auf einem römischen Friedhof beigesetzt wurde. Das Hochwasser des Tiber setzte diese kleine Basilika häufig unter Wasser. So entstand schon Ende des vierten Jahrhunderts die wuchtige "Drei-Kaiser-Basilika" - unter Theodosius, Arcadius und Honorius erbaut - die der damaligen Peters-Basilika kaum nachstand. Das Paulusgrab, das damals wegen des häufigen Hochwassers "erhoben" wurde, war mit einer Platte samt der Aufschrift für den Märtyrer-Apostel "Paolo Apostolo Mart" bedeckt. Jüngste Sondierungen haben die Baugeschichte der Pauls-Basilika geklärt und den Sarkophag des Apostelfürsten sichtbar und zugänglich gemacht.
Über dem Apostelgrab mit Papstaltar erhebt sich ein Triumphbogen mit einem Christus-Mosaik aus dem fünften Jahrhundert. Bedeutend jünger ist das Apsismosaik mit dem thronenden Christus in der Mitte, flankiert von Petrus und Paulus. Im Altarraum steht ein fünf Meter hoher steinerner Osterleuchter - als "christliches Pendant zur Trajanssäule" wird es bezeichnet. Hier sind Szenen der Passion und Auferstehung Christi eingemeißelt - noch im Stil der Romanik, wo der gekreuzigte Christus nicht als Leidensmann, sondern als Triumphator erscheint.
Zu den Touristen-Attraktionen der Basilika gehören aber auch die 266 Medaillons der Päpste im Fries über den Säulen - beginnend mit Petrus und endend mit Benedikt XVI. Einer Legende nach kommt Christus wieder, wenn kein Platz mehr für ein weiteres Medaillon vorhanden ist. Darauf müssen die Menschen wohl aber noch ein wenig warten. Als unter Johannes Paul II. nur noch drei freie Stellen vorhanden waren, wurden 25 weitere Plätze angelegt.
