Esau und Jakob

© Kirche in Not
Wir entdecken die Bibel: das Buch Genesis
Isaak und Rebekka hatten immer noch kein Kind, obwohl sie schon viele Jahre verheiratet waren. Da dachte Isaak daran, was Gott seinem Vater Abraham versprochen hatte, nämlich aus seiner Familie ein großes Volk zu machen. Isaak betete zu Gott und erinnerte ihn an sein Versprechen.Esau und Jakob werden geboren
Bald darauf erwartete Rebekka Zwillinge. Es war damals Brauch, dass der älteste Sohn in der Familie die meisten Rechte und Vorteile erhielt. Doch Gott sprach zu Rebekka: „Diesmal soll nicht der Erstgeborene, sondern der jüngere Zwilling Familienoberhaupt werden.“ Rebekka brachte ihre Zwillinge zur Welt – zuerst Esau und wenige Minuten später Jakob. Die Jungen gediehen prächtig und wuchsen heran. Rebekka mochte Jakob besonders gern, denn er blieb am liebsten bei ihr zu Hause. Isaak hingegen war Esau mehr ans Herz gewachsen. Denn er war ein guter Jäger und meistens draußen bei den Herden. Die größte Freude konnte Esau seinem Vater machen, wenn er aus einem erjagten Hirsch einen köstlichen Braten zubereitete.
Linsensuppe gegen Erstgeburtsrecht
Rebekka hatte Jakob inzwischen erzählt, was Gott ihr aufgetragen hatte, nämlich dass der jüngere Zwilling das Erstgeburtsrecht erhalten sollte. Eines Tages kam Esau nach Hause. Im Zelt duftete es nach Linsensuppe. Jakob hatte sie gekocht. Esau lief das Wasser im Mund zusammen, denn er war sehr hungrig. Er bat Jakob, ihm etwas Suppe zu geben. Da ergriff der jüngere Zwillingsbruder die Gelegenheit und sagte: „Ich gebe dir Suppe, wenn du mir die Rechte deiner Erstgeburt überlässt.“ Esau war sofort einverstanden, denn er war wirklich sehr hungrig und wollte nicht länger warten. Deshalb sagte er: „Ja, ich bin einverstanden.“ Er blieb auch dabei, als Jakob ihn noch einmal fragte. Anschließend dachte Esau nicht länger darüber nach und vergaß sein Versprechen bald.
Eine List von Mutter und Sohn
Isaak war sehr alt und blind geworden. Er fühlte, dass er bald sterben würde. Eines Tages rief er Esau und sagte: „Du bist mein erstgeborener Sohn. Ich muss dich segnen und dir die Familienrechte übertragen. Geh schnell auf die Jagd und erlege einen Hirsch. Denn du weißt ja, wie sehr ich Hirschbraten mag.“ Da machte sich Esau auf den Weg. Rebekka hatte das Gespräch zwischen Vater und Sohn belauscht. Sie überlegte: Wenn Jakob das Familienoberhaupt werden sollte, so müsste der Vater ihn segnen. Sie vertraute nicht auf Gott, der bisher immer alle Versprechen gehalten hatte, sondern machte selber einen Plan und weihte ihren Lieblingssohn Jakob darin ein. „Schlachte zwei Ziegen aus unserer Herde, ich werde daraus einen Braten zubereiten. Dein Vater wird es nicht merken. Denn du wirst es ihm bringen und so tun, als wärst du Esau.“
Isaak segnet Jakob
Jakob schüttelte den Kopf und meinte: „Esau hat an seinen Armen viele Haare. Meine Haut hingegen ist glatt. Vater wird den Schwindel sofort entdecken.“ Doch seine Mutter hatte auch hier vorgesorgt. Als das Fleisch fertig gebraten war, wickelte sie das Ziegenfell um Jakobs Hals und Arme. Sie fühlten sich nun genauso an wie die von Esau. Jakob zog zusätzlich Esaus Kleider an, die nach Wald rochen. Dann ging er mit dem Braten zu Isaak. Der Vater roch den köstlichen Braten und fragte: „Wer ist da?“ Und Jakob antwortete: „Ich bin es, Esau!“ Isaak zweifelte und meinte: „Bist du es wirklich? Deine Stimme klingt so wie die von Jakob. Komm näher zu mir!“ Doch die haarigen Arme und der Waldgeruch der Kleider beruhigten den Vater. Es musste wirklich Esau sein. Er aß den Braten, segnete Jakob und sagte: „Du bist nun das Oberhaupt unsrer Familie.“
Jakob fürchtet Esaus Rache und flieht
Kurz nachdem Jakob das Zelt verlassen hatte, kam Esau und brachte seinem Vater den Hirschbraten. Als Isaak Esaus Stimme hörte, schrie er vor Entsetzen auf. Denn er hatte die List Rebekkas und Jakobs durchschaut. Isaak erzählte seinem Lieblingssohn, was geschehen war. Als Esau hörte, dass er und sein Vater betrogen worden waren, wurde er sehr böse. Er schwor, seinen Bruder Jakob umzubringen. Rebekka hatte auch dies mit angehört, und sie beriet sich mit ihrem Mann. Jakob sollte in das Land zurückkehren, aus dem sie selbst gekommen war. Und er sollte eine Frau aus ihrer Familie heiraten. Isaak war einverstanden, denn er fürchtete Esaus Rache. Voller Angst vor dem Unbekannten verließ er seine Heimat und seine Eltern und machte sich auf den Weg zur weit entfernten Heimatstadt seiner Mutter.
Kurz nachgedacht
Liebe Kinder,
das geht ja alles andere als friedlich zu in der Familie von Isaak und Rebekka! Neid und Eifersucht spielen hier eine große Rolle. Jakob, der jüngere und ängstlichere Zwilling, beneidet seinen Bruder, der so stark ist und dem Vater mehr ans Herz gewachsen ist als er. Und das lässt ihm keine Ruhe mehr – auch seiner Mutter nicht, die ja ihn lieber mag als Esau.
Fußballerin contra Bücherwurm
Auch in unseren Familien kommt so etwas vor. Eifersüchteleien unter Geschwistern sind normal. Und es passiert auch, dass Mutter oder Vater mal eines ihrer Kinder bevorzugen. Vielleicht weil der Papa feststellt, dass die kleine Tochter sein Fußballtalent von ihm geerbt hat. Er begleitet sie zu jedem Spiel, holt sie vom Training ab und fachsimpelt mit ihr über Abseits, Fouls und Elfmeter. Der Sohn hingegen ist ein Bücherwurm – so wie Mama. Fußball mag er nicht, dafür aber Geschichten von Astrid Lindgren. Da kommt es auch mal vor, dass die kleine Fußballerin eifersüchtig auf ihren Bruder ist, wenn er eng an Mama gekuschelt „Michel aus Lönneberga“ im Fernsehen anschaut. Und der kleine Bücherwurm würde sich freuen, wenn auch Papa ihm mal vorlesen würde. Aber der geht ja lieber mit seiner Schwester zum Fußballplatz.
Das Wichtigste: Liebe
Ihr seht: Geschwisterneid und -eifersucht gab es immer schon – sogar im auserwählten Volk Gottes. Und es gibt sie auch heute noch. Doch zum Glück gibt es etwas viel Wichtigeres in einer Geschwisterbeziehung: Liebe. Sie macht aus der Verbindung zwischen Brüdern und Schwestern etwas ganz Besonderes – auch wenn zuweilen die Fetzen fliegen.
Von Margret Nußbaum
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