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Die Psalmen zwischen Synagoge und Kirche

Psalmen im Judentum
© KNA
Psalmenbeten und Spielen in der Antike

Die Psalmen sind bis heute Hauptinhalt des Stundengebets

Der alttestamentliche Psalter mit seinen einhundertfünfzig Psalmen ist bis heute tragender Substrat des Stundengebets. Es gibt keine Gebetszeiten ohne Psalmen: „Ob ich sitze oder stehe, Du weißt von mir, von fern erkennst du meine Gedanken.“ (Psalm 139,2) Wie der griechische Name Psalm besagt, sind diese „Lobgesänge“ von Hause aus gesungene und von Musik begleitete Gebete. Das bleibt für die lebendige Vortragsweise auch im Stundengebet wichtig.

Und genauso wie für das lebendige Beten das selbst formulierte Sprechen vor Gott wichtig ist, so kann das Rezitieren der in Jahrtausenden geronnenen Erfahrung des Sprechens mit Gott noch ungeahnte Tiefen und Erfahrungen mit anklingen lassen. Dazu eignen sich die Psalmen überaus gut. Man kann in und mit ihnen die ganze Welt des „Menschseins vor Gott“ zum Klingen bringen, alle Dankbarkeit, Freude und Hoffnung, aber auch das Erschüttern und Verzweifeln und Angsthaben und Kleinlaut sein, findet hier seinen adäquaten Ausdruck.

Bis heute haben sich in den Psalmen kleine Regieanweisungen der Art und Weise des Vortragsstils gehalten. (z. B. Für den Chormeister oder mit Seitenspiel vorzutragen). Um den Psalmenvortrag beim Stundengebet nicht zu eintönig erscheinen zu lassen, haben sich viele verschiedenen Möglichkeiten des Vortrags etabliert: der Einzelvortrag (gesungen oder gesprochen), der responsoriale Vortrag (einzelne Versteile werden regelmäßig von allen wiederholt oder Teile von allen gesprochen), der Psalm mit Antiphon  (textliche und musikalische Leitmotive, das den Psalm unter ein Motto stellt).

Eine typisch christliche Eigenheit des Stundengebets ist überdies die Hinzufügung der trinitarischen Doxologie – „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“ – am Ende jeden Psalms. So wird jeder Psalm am Schluss durch ein kleines christliches  Glaubensbekenntnis gerahmt.

Neutestamentliche Cantica (Lobgesänge wie das „Magnificat“)  altkirchliche Hymnen, Fürbitten, Sammelgebete und das Vaterunser sind weitere wichtige Elemente der einzelnen Gebetszeiten.
Von Markus Schüppen
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