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Hat Jesus das erste Stundengebet gebetet?

Chorbuch deutsch, Himmerod
© Abtei Himmerod
Deutsches Chorbuch für das Stundengebet in der Abtei Himmerod

Bereits im Judentum ist ein regelmäßiges Gebet verankert

Die erste Frage, die man sich als Christ vielleicht unweigerlich zum Stundengebet stellen muss, lautet: Hat Jesus mit seinen Jüngern auch ein regelmäßiges Stundengebet gehalten? Kann der Christ und die Kirche also eine direkte Linie von der kleinen Kirche in ihrer Entstehungsphase (Jesus und seine Jünger) bis zum heutigen Mittagsgebet im Kölner Dom ziehen?    

Die Quellen, also die Evangelien und die anderen Schriften des Neuen Testaments, sagen da nichts direkt drüber. Man ist gleichsam auf eine Indizienkette angewiesen.  

Aber bereits im alten Judentum – und Jesus war von seiner Herkunft frommer Jude – sind sowohl private als auch öffentliche Formen des regelmäßigen täglichen Gebets verankert. Jeder fromme Jude musste damals und das gilt bis heute, das Höre Israel (Schema Israel, nach Deuteronomium 6,4) jeden Morgen und Abend beten.

Im alten Jerusalemer Tempelkult kannte man fünf Gebetszeiten, wobei Eckzeiten am Morgen und am frühen Abend eine Schlüsselstellung einnahmen.  In den Evangelien lesen wir (z. B. Lukas 4, 16), dass auch Jesus und seine Jünger regelmäßig an Tempel- und Synagogengottesdiensten teilnahmen, zumeist dort auch für gewisse Furore sorgten, weil Jesus etwa die Händler aus dem Tempel schmiss (Mk 11,15-19) oder betonte, dass mit ihm eine neue Zeit des Betens angefangen habe (Lk 4,16-30).

Immer wieder soll sich Jesus um die frühe Morgenstunde oder um Mitternacht zum Gebet zurückgezogen haben. Um allerdings daraus eine feierliche Vigil (also das heute übliche Nachtgebet der Kirche) zu machen, wie sie heute etwa in Klöstern gebetet wird, fehlen zumeist die anderen Jünger, die entweder um die Zeit eingeschlafen sind oder von Jesus einfach nicht mitgenommen werden. (vgl. Mt 5,26, 36, Lk 9,18, 22,39-46 und viele mehr)

Immer wieder fallen Psalmverse auf, die Jesus und seinen Jüngern in den Mund gelegt werden. Auch das ist nichts Ungewöhnliches für die Frommen dieser Zeit, man kann davon ausgehen, dass die Gebete dieser Gruppe auch besonders aus Psalmentexten gespeist wurden.

Besonders wird es aber dann, wenn Jesus in seinem Gebet sehr persönlich wird, und seine Bitten, seinen Dank, sein Loben und Preisen auf Gott, seinen himmlischen Vater ausrichtet. Diese Art des Betens überträgt er dann auch auf seinen Jüngerkreis und lehrt so die Apostel im Namen Gottes, seines Vaters, zu beten.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass viele Elemente (Psalmen, Eckpunkte des Tages, Vaterunser), die auch heute noch das Stundengebet bestimmen schon bei Jesus angelegt sind, er sicher auch regelmäßig (am Sabbat) in die Synagoge und immer mal wieder in den Tempel ging. Aber wir hören nichts von einem tagtäglichen, immer wiederkehrenden Gebetspensum, dass sich die frühe Jüngerschar auferlegt hätte. Das scheint dann doch eher eine institutionelle Einrichtung der späteren Kirche zu sein.
Von Markus Schüppen
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