"Der Namenstag ist ein wichtiges Datum"

Am 26. Juli feiert Bischof Joachim Wanke seinen Namenstag
Am 26. Juli feiert Joachim Wanke, Bischof des Bistums Erfurt, seinen Namenstag. Katholisch.de sprach mit ihm darüber, was ihn mit diesem Fest verbindet und warum die Tradition des Namenstages für ihn so wichtig ist.Warum sollten Katholiken Namenstag feiern?
Bischof Wanke: Katholische Christen sollten wissen, dass Glaubensvorbilder ihre Bedeutung nicht verlieren. Ihre Geschichten wurden und werden zum Glück auch heute noch von Generation zu Generation weiter erzählt. Und sie haben – auch wenn sie viele Jahrhunderte alt sind, nichts von ihrer Bedeutung verloren. Glaube entzündet sich nämlich immer am Glauben der anderen. Deshalb ist es sinnvoll, sich Vorbilder aus der Geschichte des Glaubens zu wählen. Jede Namenspatronin und jeder Namenspatron hat ein Leben geführt, das andere beeindruckt und Spuren hinterlassen hat. Sie haben etwas ganz Besonderes getan, haben Unbequemlichkeiten, Armut und sogar den Tod auf sich genommen, um Jesus Christus nachzufolgen. So war es in den Anfängen des Christentums. Und so ist es auch noch heute – denken wir zum Beispiel an Mutter Teresa. Sie alle und auch wir sind im Glauben unserer Kirche vereint. Und gemeinsam mit ihnen gehören wir zur großen Gemeinschaft der Glaubenden.
Was bedeutet Ihnen der eigene Namenstag?
Bischof Wanke: Joachim und Anna waren die Eltern der Gottesmutter Maria und damit die Großeltern Jesu. Sie beide sind Gestalten der biblischen Tradition. Näheres aus dem Leben Joachims ist nicht bekannt. Aber das Feiern des Annentages – und damit des Joachim-Tages – geht auf eine fromme Tradition zurück. Für mich ist bedeutsam, dass Jesus aus einer menschlichen Familie stammt und dass seine Wurzeln in Israel sind. Auch seine Großeltern Anna und Joachim gehörten zu den Gläubigen, die auf die Ankunft des Messias warteten. Es waren Menschen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und beteten, dass er gnädig an seinem Volk handeln solle. Ich fühle mich getragen von dem Glauben und der Hoffnung dieser biblischen Gestalten.
Wie haben Sie früher Namenstag gefeiert? Und wie feiern Sie ihn heute?
Bischof Wanke: In meiner schlesischen Heimat wurden Namenstage und Geburtstage gefeiert. Nach Möglichkeit habe ich an meinem Namenstag den Gottesdienst besucht. Zu Hause gab es dann mein Lieblingsgericht. Obwohl es für meine Mutter gewiss nicht einfach war, uns Kinder durchzubringen. Denn mein Vater starb bereits im Jahr 1944. Meinen Namenstag feiere ich auch heute noch mit einem Gottesdienst. An diesem Tag wird mir immer sehr bewusst, dass wir alle in einer Gemeinschaft der Glaubenden stehen – über Zeit und Raum hinweg. Für mich ist es etwas ganz Besonderes dazu zu gehören.
Welches sind Ihre Vorbilder in der heutigen Zeit?
Bischof Wanke: Allen voran meine Mutter, die mich mit ihrem lebendigen Glauben angesteckt hat. Aber auch meine Heimatpfarrer haben mich beeindruckt und letztlich angeregt, selbst Priester zu werden. Wir hatten in Ilmenau in Thüringen eine lebendige Pfarrgemeinde mit einer hervorragenden Jugendarbeit – und das unter den Augen des damaligen Weltanschauungsstaates. Die Pfarrgemeinde war für mich eine große Stütze. Wir organisierten Jugendwallfahrten, die tiefe Spuren bei mir hinterlassen haben. Auch meine damalige katholische Klassenlehrerin gehört zu den Menschen, die ich immer bewundert habe. Ihre persönliche Lebensentscheidung hat mich tief beeindruckt. Sie lebte ihren Glauben aus Überzeugung, gab ihn an uns Kinder weiter und verzichtete dafür auf die eigene Karriere.
Was könnten Eltern tun, um ihren Kindern den Namenstag wieder näher zu bringen?
Bischof Wanke: Sie könnten sich auf die Spuren des Namenspatrons begeben und ihrem Kind Geschichten und Legenden vorlesen und Kirchen besuchen, die nach dem Heiligen oder der Heiligen benannt wurden. Schön wäre auch, am Namenstag über die Taufe zu sprechen und das Kind an die Zusage Gottes zu erinnern: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein.“ Eltern könnten ihrem Kind bei der Gelegenheit erzählen, warum sie gerade diesen Namen gewählt haben. Vielleicht, weil sie dabei an eine Heilige oder an einen Heiligen gedacht haben – oder an jemanden, der für die Eltern besonders wichtig ist.
Das Interview führte Margret Nußbaum.











