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"Wir sind stolz auf unsere Namen"

Die drei Kinder von Familie Scheule.
© privat
Drei, die stolz auf ihre Namen sind. Von links: Felicitas, Hanno und Nikolaus.

In Familie Scheule tragen alle Kinder den Beinamen Maria

Felicitas Dorothee Maria, 17 Jahre, Nikolaus Magnus Maria, 13 Jahre, und Hanno Franziskus Maria, 7 Jahre, bedeuten ihre Namen sehr viel. Sie feiern gern Namenstag und sind stolz auf die alte Familientradition, alle neugeborenen Kinder auf den Beinamen Maria zu taufen. „Als das erste Kind meiner Eltern im Alter von sechs Wochen verstarb, beschlossen sie, jedem weiteren Kind den Beinamen Maria zu geben“, erzählt Elisabeth Scheule-Munzig aus Ulm. Für sie und ihren Mann Jörg war es klar, diese schöne Tradition fortzusetzen. „Meine Eltern stellten meine fünf Geschwister und mich unter den besonderen Schutz der Gottesmutter“, sagt Elisabeth Scheule-Munzig. „Das empfinden wir alle als etwas ganz Besonderes. Darüber hinaus waren wir stolz, alle den gleichen Zweitnamen zu tragen. Es ist ein starkes verbindendes Element.“

Identitätsfindung und Geborgenheit

Ihre Namenspatronin, die heilige Elisabeth, stand ihr schon als Kind sehr nah. „Über meinem und den Betten der Geschwister hingen Bilder unserer Namenspatrone“, erzählt Elisabeth Scheule-Munzig. „Wir kannten deren Geschichten und Legenden fast auswendig. Namenstag wurde bei uns immer gefeiert. Wir durften uns einen Kuchen wünschen. Die Patinnen und Paten kamen zu Besuch und brachten ein kleines Geschenk mit.“ Heute schmücken Hinterglasbilder der „Familien-Heiligen“ die Küche im Hause Scheule-Munzig. Es sind die Heiligen Elisabeth, Georg (Jörg), Felicitas, Nikolaus und Hanno. „Die Bilder unserer Namenspatronen haben Jörg und ich zur Hochzeit geschenkt bekommen, und unsere Kinder bekamen ihre zur Taufe“, sagt Elisabeth. „Der Namenstag ist für mich wichtig, weil in diesem Fest ein Stück Identitätsfindung und Geborgenheit steckt. Man steht in einer Reihe. Es gibt nicht nur die oder den Heiligen, sondern viele andere Menschen – berühmte und nicht berühmte, die diesen Namen tragen.“

Die Kinder kennen Heiligenlegenden

Die Namen für ihre Kinder haben Elisabeth und Jörg ausgesucht, weil sie ihnen ganz besonders gut gefielen. „Die Namenspatrone spielten dabei keine vordergründige Rolle. Christliche Namen sollten es aber schon sein“, erklärt Elisabeth. Auch die Kinder kennen die Geschichten und Legenden ihrer Heiligen. „Bei Felicitas habe ich mich anfangs etwas schwer getan. Denn die Märtyrerin hat zur Zeit der Christenverfolgung ihre sieben Söhne zur Standhaftigkeit ermahnt und sie damit der Folter und dem Tod preisgegeben“, meint Elisabeth. „Wir haben Feli dann erklärt, dass Heilige nur in der Art der Gottesbeziehung für uns heute Vorbilder sein können.“

Keine gängigen Modenamen

Vorbild im Glauben waren und sind für Elisabeth immer noch die Eltern und Großeltern sowie Thomas Keller, Pfarrer von St. Georg in Ulm. „Er ist ganz vom Glauben durchdrungen, lebt ihn und trägt ihn weiter. Unser Pfarrer ist intelligent und witzig, dabei aber völlig uneitel, demütig, menschlich und vor allem sehr gütig“, lobt Elisabeth. Das findet auch ihre Tochter Felicitas. „Ich kenne keinen Menschen, der so uneigennützig ist wie unser Pfarrer“, sagt sie und nennt in einem Atemzug eine zweite Person: Oma Eva-Maria. „Sie hat sechs Kinder großgezogen und nebenher ein Geschäft geführt. Das war bestimmt hart. Aber sie hat das alles bewundernswert gemeistert. Die Kinder und nun auch wir Enkelkinder standen immer an erster Stelle“, schwärmt Felicitas. Die 17-Jährige ist stolz, dass ihre Eltern ihr einen so schönen Namen gegeben haben. „Mir gefällt es, dass wir drei keine gängigen Modenamen haben. Immerhin heißt außer mir nur noch ein Mädchen auf unserem Gymnasium Felicitas – und das bei 1.100 Schülerinnen“, erklärt sie.

Eltern und Großeltern sind Vorbilder

Nikolaus mag es am liebsten, wenn sein Name vollständig ausgesprochen und nicht abgekürzt wird. Seine Freunde dürfen ihn allerdings Niki oder Niko nennen. Als er in die Grundschule kam, wurde er öfter mal wegen seines Namens gehänselt. „Manche sagten ‚Bringst du mir Geschenke?’. Das war nervig. Mittlerweile sehe ich das lockerer und bin richtig stolz auf meinen Namen. Den trägt außer mir kein anderer an unserer Schule“, erzählt Nikolaus. Seinen Namenstag nutzt er immer, in Büchern nach neuen Nikolausgeschichten zu suchen. „Es gibt so viele Geschichten. Ich bilde mir ein, sie alle zu kennen. Aber vielleicht entdecke ich ja eines Tages noch mal eine ganz neue“, hofft der 13-Jährige. Seine großen Vorbilder sind die Großeltern mütterlicherseits und seine Eltern. „Sie haben bei mir das Interesse für Bibelgeschichten geweckt. Ich lese sehr oft in der Bibel. Vor allem die Gleichnisse haben eine große Aussagekraft. Ich versuche immer, sie auf unsere heutige Zeit zu übertragen“, sagt Nikolaus.

So möchte ich auch mal werden

Sogar der siebenjährige Hanno kennt seinen Namenspatron in- und auswendig. „Hanno war ein Krieger und Kämpfer, und dann hat er ein neues Leben angefangen und wurde Bischof von Köln. So möchte ich auch mal werden“, erzählt der Junge. Hanno findet seine Religionslehrerin super. „Zu ihr hab ich Vertrauen. Sie hilft uns und erzählt uns immer tolle Geschichten“, lobt er.
Von Margret Nußbaum
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