Wie aus Renate Schwester Benedikta wurde

© Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk
Aus Renate wurde Schwester Benedikta.Eine Ordensschwester berichtet von ihrem Weg zu Gott, der alles veränderte
Schwester Benedikta hat sich vor 31 Jahren für ein Leben in der Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk entschieden. Vorher trug sie den Vornamen Renate. Nach dem ersten Probejahr, dem Postulat, erhielt sie bei der Einkleidung ihren neuen Ordensnamen.Gott loben und seinen Segen empfangen
"Benedikta war mein Wunschname", sagt die 54-jährige Ordensschwester. "Denn der heilige Benedikt ist unser Ordensgründer. Doch auch darüber hinaus hat der Name für mich eine ganz besondere Bedeutung. Benedikta heißt 'Die Gesegnete' und 'Die Gepriesene'. Es ist ein wunderbarer Zweiklang: Ich lobe Gott, und Gott segnet mich. Das ist der Sinn unseres Lebens. Schon der heilige Augustinus hat einmal gesagt: 'Benedicere bedeutet beides: Wir loben Gott, und er segnet uns'. Aber letztlich entscheidet die Äbtissin bei der Einkleidung, welchen Vornamen die junge Novizin erhält. Umso glücklicher war ich, als sie meinen Wunsch berücksichtigt hatte."
Tief berührt vom gregorianischen Gesang
Der Wunsch, ins Kloster zu gehen, entstand schon sehr bald nach ihrer Ausbildung als Krankenschwester und zweijähriger Tätigkeit in der Chirurgie des Kreiskrankenhauses Marienhöhe in Würselen. "Ich war damals noch auf der Suche nach der für mich passenden Gemeinschaft", erzählt die Ordensfrau. "Und ich besuchte Montecassino und Subiaco, die Wirkungsstätten des heiligen Benedikt. Intensives Beten half mir bei der Entscheidungsfindung. Und nach einem Wochenende im Kloster Mariendonk war mir klar, dass der Benediktinerorden für mich der richtige ist. Die gregorianischen Choräle haben mich damals sehr berührt. Vor allem Vers 4 des 37. Psalms hat mich ganz tief und beglückend ins Herz getroffen. Darin heißt es: 'Hab am Herrn deine Freude, und er schenkt dir, was dein Herz begehrt'."
© Abtei Mariendonk
Am 1. Oktober 1977 wurde Renate als Postulantin aufgenommen. Ein Jahr später folgte die Einkleidung und mit ihr die Verleihung des neuen Namens.Am 1. Oktober 1977 wurde Renate als Postulantin aufgenommen. Ein Jahr später folgte die Einkleidung und mit ihr die Verleihung des neuen Namens. Nach zwei Jahren als Novizin legte sie die ersten Gelübde ab, nach drei weiteren Jahren der Erprobung dann die ewigen Gelübde. In der Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk leben und arbeiten zurzeit 41 Schwestern im Alter zwischen 19 und 94 Jahren. 37 von ihnen haben die ewigen Gelübde abgelegt. Vier befinden sich noch in der Ausbildung. "Im Herbst soll noch eine neue Postulantin zu uns kommen", freut sich Schwester Benedikta.
Ganz in den Dienst Gottes gestellt
Auf die Frage, was ihr der frühere Vorname Renate bedeutet habe, antwortet Schwester Benedikta: "Meine Namenspatronin ist die selige Renate von Bayern, ihr Namenstag der 22. Mai. Ich weiß nicht viel von ihr. Mir war die Bedeutung des Namens Renate – die Wiedergeborene, die Getaufte, die Christin – immer wichtiger als die Person der seligen Renate. Denn das Ordensgelübde ist wie ein neues Taufbekenntnis. Und der neue Name ist der, mit dem Gott jede von uns in die Gemeinschaft des Klosters gerufen hat. Die Berufung durch die Taufe ist die als Christ. Mit der Berufung in den Orden stelle ich mein ganzes Leben in den Dienst Gottes."
Mein "Künstlername" ist Benedikta
Wie geht die Welt außerhalb des Klosters mit dem neuen Vornamen um? "Ich unterschreibe mit Benedikta", erzählt die Ordensschwester und fügt schmunzelnd hinzu: "Auf dem Personalausweis steht als Vorname Renate und als Künstlername Benedikta und auf der Krankenkassen-Karte ebenfalls Benedikta." Im Kloster nennen sie natürlich alle Benedikta, ihre Familie jedoch bleibt beim Namen Renate. "Nur meine Nichten und Neffen, die nach dem Ordenseintritt geboren wurden, nennen mich Tante Benedikta", sagt sie.
© Benediktinerinnen-Abtei Mariendonk
Schwester Benedikta fährt gerne Fahrrad.Der Namenstag beginnt im Kloster bereits am Vorabend mit der ersten Vesper. "Alle umarmen die Schwester, die Namenstag hat, gratulieren ihr und wünschen ihr etwas – meistens ein Wort aus der Heiligen Schrift", erzählt Schwester Benedikta, die seit 30 Jahren ihren Namenstag am Gedenktag des Heiligen Benedikt am 21. März feiert. Am eigentlichen Namenstag gibt es ein Gespräch mit der Äbtissin und ein kleines Geschenk – etwas Obst und Süßigkeiten. Während der Heiligen Messe wird für die Schwester eine Fürbitte gebetet, und sie bekommt ein Stück von der Priesterhostie. "An diesem Tag steht man einmal als Person im Mittelpunkt. Sonst treten wir ja nur prozessionsweise auf", meint Schwester Benedikta. "Gefeiert wird im Kloster aber auch der Professtag, an dem man die Gelübde abgelegt hat."
Verbindung zwischen Gott und Mensch
Warum ihr der Namenstag so wichtig ist? "Gott hat jede und jeden von uns im Blick und mit unserem Namen ins Dasein gerufen. Der Name ist eine Verbindung zwischen Gott und Geschöpf", sagt Schwester Benedikta und erinnert noch einmal an das Besondere des Ordensnamens: "Es gibt viele Stellen im Alten und im Neuen Testament, wo Gott Menschen einen bestimmten Auftrag erteilt und ihm dabei gleichzeitig einen neuen Namen gibt. Aus Jakob wird Israel, aus Simon wird Petrus, aus Saulus wird Paulus. Auch uns Ordensleute ruft er mit unserem neuen Namen in diese Gemeinschaft. Indem ich mich mit meinem Namen identifiziere, bejahe ich die Berufung, die Gott mir geschenkt hat und den Auftrag, den ich mit meinem Leben erfülle."
Von Margret Nußbaum
zum Anfang 