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"Ganze Heerscharen von Engeln geben Acht"

Verkündigung mit Erzengel Gabriel und Maria
© KNA
Verkündigung mit Erzengel Gabriel und Maria

Erzengel Gabriel als Vorbild und Beschützer für alle, die seinen Namen tragen

Ursprünglich wurde das Fest des Erzengels Gabriel am 24. März und das des Erzengels Rafael am 24. Oktober gefeiert. Der Festtag des Erzengels Michael hingegen war immer schon am 29. September. Seit der liturgischen Neuordnung 1969 ist dieses Datum das gemeinsame Fest der drei Erzengel. Margret Nußbaum sprach mit Gabriela Herwegen, für die ihr Namenspatron eine ganz besondere Rolle spielt und die ihren Namenstag wie früher am 24. März feiert.

"Ich weiß mich behütet"

Das schöne Bild des Schutzengels, der ein Kind über die Brücke führt, strahlte für Gabriela Herwegen schon als Kind Geborgenheit und Zuversicht aus. "Daran hat sich bis heute nichts geändert", erzählt die heute 81-jährige ehemalige Leiterin einer Gemeinschaftsgrundschule. "Ich weiß mich immer behütet und habe zum Erzengel Gabriel, von dem mein Name stammt, aber auch zu Michael und Rafael, eine besondere Beziehung. Die beiden letzten Buchstaben 'el' bedeuten Gott. Der Name Gabriel heißt 'Gott ist Kraft!', der Name Michael ‚Wer ist wie Gott?’ und Rafael 'Gott heilt!'", sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: "Es sind ganze Heerscharen von Engeln, die auf mich Acht geben." Sie hat schon in vielen Lebenssituationen den Schutz ihrer Begleiter gespürt und fest daran geglaubt – vor allem bei den Bombenangriffen im zweiten Weltkrieg in Köln.

Eine schöne Engelsammlung

Gabriela Herwegen erinnert sich: "Als ich im Jahr 1937 in Köln das Lyzeum besuchte, war ich von 400 Schülerinnen die einzige Gabriela. In der letzten Zeit ist dieser Name fast zum Modenamen geworden. Jeden Samstag besichtigten meine Eltern mit mir in der Stadt eine romanische oder gotische Kirche. Hier verstand mein Vater es, mich für Engelfiguren oder -gemälde zu interessieren. Zum Namenstag bekam ich einmal ein Buch mit Heiligengeschichten. Und meine Tante, die Ordensschwester im Ursulinenkloster Attendorn war, schickte mir zu jedem Namenstag eine Kunstkarte mit der Abbildung des Erzengels Gabriel. Meine Eltern erzählten mir Geschichten über ihn. Und so ist im Laufe der Jahre eine beträchtliche Sammlung entstanden."

Namenstagsbuch
© Margret Nußbaum
Mit dem Namenstagsbuch gab Religionslehrerin Gabriela Herwegen die Tradition an ihre Schülerinnen und Schüler weiter.

Ein Namenstagsbuch für jedes Kind

Die Beziehung zum Namenspatron müsse wachsen, meint Gabriela Herwegen. "Der Namenstag ist eine gute Gelegenheit, sich mit ihm auseinanderzusetzen", sagt sie. Als Religionslehrerin hat sie diese schöne alte Tradition an ihre Schülerinnen und Schüler weitergegeben. "Wenn ein Kind Namenstag hatte, bekam es die Geschichte seines Namenspatrons und dazu ein Bild“, erzählt Gabriela Herwegen. „Die Geschichte verteilte ich darüber hinaus an die anderen Kinder der Klasse. So entstand im Laufe des Jahres für jedes Kind ein Namenstag-Buch. Die Mädchen und Jungen haben dazu Bilder ihres Namenspatrons oder eine Begebenheit aus seiner Geschichte gemalt."

Nur noch geselliges Beisammensein

Früher seien Traditionen noch mehr gepflegt worden, meint Gabriela Herwegen. "In jeder Werktagsmesse wurden die Namenstage des jeweiligen Tages verkündet. Heute gibt es leider kaum noch Werktagsgottesdienste. Da ist es für mich umso schöner, täglich im TeDeum, dem Stundengebet im Alltag, zu lesen. Dort sind die Heiligen des Tages kurz beschrieben", sagt sie und fügt bedauernd hinzu: "Der Namenstag verflacht immer mehr zum geselligen Beisammensein. Er wird zwar mit Kaffee und Kuchen gefeiert, wogegen ja auch nichts einzuwenden ist. Denn Besuch fördert Gemeinschaft. Aber das darf eigentlich nicht alles sein. Über den Sinn und die Bedeutung der Namenspatrone wird leider kaum noch gesprochen."

Wir brauchen heute mehr frohe Botschaften

Auf die Frage, in welcher besonderen Weise der Erzengel Gabriel für sie Vorbild ist, antwortet Gabriela Herwegen: "Als Verkündigungsengel ist er mir besonders wichtig. Er hat Maria die Frohe Botschaft gebracht. Diese war einmalig und ist deshalb etwas ganz Besonderes. Auch heute brauchen wir frohe Botschaften. Denn in unserer Zeit gibt es zu viele Negativschlagzeilen. Man muss nur die Tageszeitung aufschlagen oder im Fernsehen die Nachrichten anschauen. Auch bei Begegnungen unter Menschen wird oft nur Negatives erzählt. Dabei gibt es auch in unserer immer kälter werdenden Gesellschaft noch Schönes und Lobenswertes. Das sollte viel stärker zum Ausdruck gebracht werden. Dazu müsste sich jeder verpflichten fühlen, der den Namen des Erzengels trägt."
Von Margret Nußbaum
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