Alles andere als ein alter Hut

© Margret Nußbaum
Anna Latz imponieren starke Frauen.Der Namenstag wird wieder neu entdeckt
Der Namenstag gehört zum Jahresfestkreis wie Weihnachten, Ostern und der Geburtstag. Dies finden nicht etwa nur ältere Menschen. Immer mehr junge Leute stehen zu den Traditionen der katholischen Kirche und haben den Namenstag wieder neu für sich entdeckt.Vorbilder ganz in der Nähe
„Ich feiere gerne Namenstag, verstehe aber auch Leute, die nichts damit anfangen können“, sagt Anna Latz, 20 Jahre, die gerade eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert. Ihr Name gefällt ihr sehr gut. „Die Mutter der Gottesmutter Maria hieß so. Sonst weiß ich nicht viel über sie. Aber es ist mir wichtig, einen biblischen Namen zu tragen“, meint Anna. Dass Heilige Vorbilder sein können, daran zweifelt sie nicht. Aber Vorbilder könne man auch ganz in der Nähe finden. „Frauen, die sich in der Kirche engagieren, die dort mitsprechen und sich durchsetzen können, imponieren mir. Meine Mutter und meine Tante tun das“, erzählt Anna. Auch sie ist in die Fußstapfen ihrer Vorbilder getreten – als Wortgottesdienstleiterin und Mitglied des Pfarrgemeinderates. „Christ sein bedeutet für mich, in Freundschaft und Frieden mit anderen zu leben und sozial zu engagieren“, sagt Anna. Ihre große Hoffnung: dass Frauen irgendwann einmal zu Priesterinnen geweiht werden und dass katholische Priester heiraten dürfen.
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Julia (links) und Katharina identifizieren sich mit ihren Vornamen.„Meine Namenspatronin hat sehr asketisch gelebt. Das ist nicht mein Fall“, sagt Katharina Schneider. Der 18-jährigen Gymnasiastin imponiert aber ein ganz bestimmter Wesenszug der heiligen Katharina von Siena: „Sie wusste schon früh, was sie wollte, setzte sich gegen Autoritäten durch und ging entschlossen ihren eigenen Weg“, sagt sie. Dankbar ist Katharina ihren Eltern. „Sie sind schon mit uns zur Kirche gegangen, als wir noch Babys waren. Und da ist bestimmt vieles bei mir hängen geblieben. Ich besuche selbst gern die Messe, singe im Jugendchor, bin Messdienerin und helfe beim Kinderbibelkreis mit“, zählt sie auf. Namenstag wird in der Familie Schneider immer gefeiert. „Für meine Eltern, meine drei Geschwister und mich ist es wichtig, dass sich jede und jeder von uns auf einen Namen beziehen kann und sich intensiv mit der oder dem Heiligen auseinandersetzt“, sagt Katharina.
Für ihre 20-jährige Schwester Julia, spielt die Bedeutung ihres Vornamens eine größere Rolle als die Namenspatronin selbst. „Julia heißt ‚die Heitere’. Und das ist für mich entscheidend. Denn das passt hundertprozentig zu mir“, lacht die Studentin. Vorbilder sind für sie Menschen, die viel geben, ohne etwas zu erwarten. „Tief beeindruckt bin ich von Frére Roger“, sagt Julia. Ein wichtiger Halt ist für sie ihre Mutter. „Sie hat die berufliche Karriere ohne zu zögern für uns Kinder zurückgestellt und sich immer liebevoll und mit viel Zeit um uns gekümmert“, erzählt die 20-Jährige. „Das macht sie vor allem in einer Zeit, in der die meisten nur an ihr eigenes Fortkommen und an ihre Selbstverwirklichung denken, für mich zu einem großen Vorbild.“
Namenstag wird in der Familie Schneider immer gefeiert. Da brennt auf dem Frühstückstisch eine Kerze, und nachmittags gibt’s Kuchen. „Ein besonderes Geschenk ist es, wenn die Omas anrufen. Denn die wohnen so weit von uns entfernt, dass sie nicht mal eben zu Besuch kommen können“, meint Katharina.
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Britta Timmermanns (links) mit Laurenz), ihr Mann Markus mit Leni sowie Oma und Opa Irmgard und Friedel Schlösser mit Paulina haben den Namenstag wieder neu für sich entdeckt.Britta möchte, dass ihre Kinder – Paulina, sechs Jahre sowie Leni und Laurenz, fünf Monate – sich mit ihren Namenspatronen auseinander setzen. „Da ist der jährliche Namenstag ein guter Anlass. Deshalb möchte ich ihn auch feiern und dazu Omas und Opas einladen. Denn das Zusammensein in der Familie schenkt Kleinen und Großen Halt und Geborgenheit“, meint Britta.
Von Margret Nußbaum
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