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Jakobs Traum

Jakob und die Himmelsleiter
© KNA
Jakob hatte einen wunderbaren Traum.

Auf einer Himmelsleiter steigen Engel auf und ab

Jakob war lange unterwegs, um die Heimatstadt seiner Mutter zu erreichen. Eines Abends hüllte er sich in seinen Mantel und legte seinen Kopf auf einen flachen Stein. Jakob schlief sofort ein, denn er war sehr müde vom Wandern.

Die Himmelsleiter

In dieser Nacht hatte Jakob einen wunderbaren Traum: Er sah eine breite, leuchtende Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte und auf der Engel auf und nieder stiegen. Ganz oben stand Gott. Er sagte zu Jakob: „Ich bin der Gott deines Großvaters Abraham und deines Vater Isaak. Und ich werde auch dein Gott sein. Alles Land um dich herum werde ich deinen Nachkommen geben und aus ihnen ein großes Volk machen. Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir auf allen Wegen und beschütze dich.“

Jakob war ergriffen

Als Jakob erwachte, konnte er es kaum fassen. Gott hatte zu ihm gesprochen. Er war so berührt und ergriffen, dass er diesen Ort Bethel nannte, das heißt „Haus Gottes“. Er stellte den Stein, auf den er seinen Kopf gebettet hatte, als Steinmal auf und sprach zu Gott: „Wenn du dein Versprechen hältst, mich beschützt und wieder sicher nach Hause geleitest, will ich dir mein ganzes Leben lang dienen.“

Die Begegnung mit Rahel

Jakob wanderte weiter. Plötzlich war er viel unbeschwerter, und er fühlte sich sicherer als vorher. Denn er wusste: Gott hat versprochen, mich zu beschützen. Eines Tages erreichte er Haran, die Heimatstadt seiner Mutter. Am Brunnen lagerten Hirten mit ihren Herden. Jakob fragte sie nach Laban, dem Bruder seiner Mutter. Die Männer kannten ihn. Plötzlich sagte einer von ihnen: „Schau, da kommt seine Tochter Rahel!“ Ein wunderschönes Mädchen näherte sich mit ihren Schafen und Ziegen dem Brunnen. Jakob schob den schweren Stein beiseite, der den Brunnen bedeckte. Und Rahel konnte Wasser schöpfen. Er erzählte dem Mädchen, dass er der Neffe ihres Vaters Laban ist. Sie freute sich und nahm Jakob mit zu ihrem Haus.

Jakob möchte Rahel heiraten

Laban nahm den Sohn seiner Schwester herzlich in seinem Haus auf und sagte: „Du kannst bei mir und meinen Töchtern Rahel und Lea bleiben so lange du möchtest.“ Jakob freute sich und hütete fortan die Herden seines Onkels. Eines Tages sagte Laban zu seinem Neffen: „Ich möchte dich für deine Arbeit belohnen, denn du bist mir eine große Hilfe.“ Jakob antwortete: „Ich arbeite gern für dich und möchte dafür keinen Lohn. Aber um eines bitte ich dich: Wenn du mir Rahel zur Frau gibst, will ich sieben Jahre umsonst für dich arbeiten.“ Jakob liebte Rahel nämlich sehr und war glücklich, als sein Onkel einwilligte.

(Nacherzählt von Margret Nußbaum)

Junge kratzt sich grübelnd am Kinn
© Claudia Paulussen/Fotolia.com
Denk' mal drüber nach!

Kurz erklärt

Liebe Kinder,

die Begegnung mit Gott trifft Jakob völlig unerwartet und überraschend. Er weiß zwar aus Erzählungen, dass Gott seinem Vater Isaak und seinem Großvater Abraham erschienen ist und mit ihnen gesprochen hat. Aber ihm hatte er sich bisher noch nicht gezeigt. Und nun erscheint er ihm im Traum – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als Jakob auf der Flucht ist. Denn er fühlt sich schuldig. Doch Gott spricht zu Jakob, obwohl er seinen Bruder Esau um sein Erstgeburtsrecht betrogen hat. Und er macht ihm nicht den geringsten Vorwurf. Im Gegenteil: Er verspricht Jakob, ihn zu beschützen und seine Nachkommen zu einem großen Volk zu machen. Eine schwere Last fällt von Jakob ab.

Bestimmt war Gott nicht damit einverstanden, dass Jakob seinen Bruder Esau betrogen hatte. Aber er ist nicht zornig, sondern zeigt Jakob mit seinem Versprechen, dass er ihm längst verziehen hat. Jakob fühlt, wie eine große Last von ihm abfällt. Unbeschwert und gestärkt kann er seinen Weg fortsetzen. Denn er hat erfahren, dass Gott in sein Leben eingreift – ausgerechnet in einer Situation, in der er eigentlich allen Grund haben müsste, sich von ihm abzuwenden. Jakob versteht nun, warum sein Vater und sein Großvater ein so großes Gottvertrauen haben. Und er begreift: Gott ist bei uns – auch wenn wir gesündigt haben. Wir sind ihm nicht gleichgültig. Er bleibt bei uns, auch wenn wir vom Weg des Guten abkommen.

Eine bequeme Abkürzung

Ein passendes Beispiel zur Jakob-Geschichte: Ich gehe auf einem Weg. Er ist sehr lang und beschwerlich, aber er führt geradewegs zum Ziel. Auf dem Wegweiser stehen Stationen wie Liebe, Ehrlichkeit, Mitgefühl, Rücksichtnahme und Friedfertigkeit. Da entdecke ich eine Abzweigung. Ein knallig-buntes Werbeschild weist ihn als viel kürzer und bequemer aus. Auf dem Wegweiser stehen statt der fünf Stationen nur drei, nämlich Gleichgültigkeit, Rücksichtslosigkeit und Aggressivität. Da ich müde bin, nehme ich die Abkürzung, ohne mir Gedanken darüber zu machen, was unterwegs passiert. Die Hauptsache ist doch, dass ich schneller und bequemer ans Ziel gelange.

Lauter Stolperfallen

Doch schon nach einer Stunde Wanderschaft kommen mir Zweifel. Denn der Weg, der doch eigentlich so bequem sein soll, erweist sich als Stolperfalle. Einmal stolpere ich tatsächlich über eine Baumwurzel. Ich stürze. Es tut weh, mein Knie blutet. Da kommt jemand vorbei, aber er schaut mich noch nicht einmal an. Von ihm kann ich keine Hilfe erwarten. Mühsam rappele ich mich auf. Da kommt ein Junge, der mich frech angrinst und mich anrempelt, so dass ich wieder stürze. Bei der nächsten Begegnung drehe ich den Spieß herum und jage dem kleinen Jungen, der mir entgegenkommt, richtig Angst ein, so dass er schreiend weiter läuft.

Es war der falsche Weg

Plötzlich fühle ich mich mies. Am liebsten würde ich umkehren. Denn ich sehe ein, dass ich den falschen Weg gegangen bin. Doch zum Umkehren ist es zu spät. Entschlossen und mutig gehe ich weiter. Da höre ich ganz in der Nähe ein Schluchzen. Ich sehe den kleinen Jungen, dem ich eben noch Angst eingejagt habe. Er weint bitterlich. Ich tröste ihn und entschuldige mich bei ihm. Hand in Hand gehen wir weiter.

Gott geht meine Umwege mit

Es dauert nicht lange, da stehen wir auf dem Weg. Und der Wegweiser zeigt mir, dass es der Weg ist, den ich verlassen hatte. Ich erkenne es an den fünf Stationen auf dem Wegweiser. Plötzlich wird mir klar, dass ich keine Abkürzung, sondern einen weiten Umweg gegangen bin. Und ich spüre, dass Gott mich auf diesem Umweg begleitet und auf den richtigen Weg zurückgeführt hat.

Von Margret Nußbaum
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