Über seinen Schatten springen
Wie Jesus trotz anfänglicher Zweifel eine kranke Frau aus Kanaan heilte

Am Sonntag, 17. August, wird in der Messe eine Geschichte aus dem 15. Kapitel des Matthäus-Evangeliums vorgelesen. Darin geht es um die Begegnung zwischen Jesus und einer kanaanäischen Frau.
Jesus heilte Kranke
Eigentlich wollten die Israeliten nichts mit den Kanaanitern zu tun haben. Denn viele Kanaaniter glaubten nicht an Gott, sondern an ihre heidnischen Götter. Die Frau aus Kanaan bat Jesus, ihre Tochter zu heilen, die von einem Dämon besessen war. Viele Krankheiten waren damals noch nicht bekannt. Vor allem, wenn jemand geistig oder seelisch krank war, wussten die Menschen nichts damit anzufangen. Sie glaubten, dass hier ein Dämon am Werk sei. Das war natürlich nicht so. Aber die Menschen wussten es nicht anders. Jesus heilte viele dieser Kranken. Und die Leute erzählten über ihn, dass er Dämonen austreibe.
Die Frau blieb hartnäckig
Dies erhoffte die kanaanäische Frau nun auch für ihre Tochter von Jesus. Doch Jesus weigerte sich und sagte, dass er nur zu den Israeliten gesandt worden sei und dass ihm die Sitten der Kanaaniter nicht gefielen. Doch die Frau blieb hartnäckig und hörte nicht auf, Jesus anzuflehen. Jesus war beeindruckt von ihrem Vertrauen und von ihrem Glauben und sagte: „Was du willst, soll geschehen.“ Von dieser Stunde an war die Tochter der Frau geheilt.
Wenn jemand etwas tut, was er eigentlich vorher nicht wollte, sagt man oft: „Er ist über seinen Schatten gesprungen.“ Genau so hat Jesus gehandelt. Lukas erging es gestern ähnlich...
Im Schwimmbad
Lukas und Martin sind – wie so oft in den Sommerferien – zum Schwimmen ins Freibad des nächsten Ortes gefahren. Sie haben einen guten Platz auf der großen Liegewiese gefunden. „Heute ist es überhaupt nicht voll. Da können wir ja wieder Schattenfangen spielen“, schlägt Lukas vor. Martin ist einverstanden. Nach zehn Minuten sind die beiden Freunde völlig außer Atem. „Komm, wir trinken unsere Apfelschorle“, meint Lukas. Und dann fällt Martin ein anderes Schattenspiel ein: „Ich springe über deinen Schatten und du über meinen.“ Die beiden haben so viel Spaß dabei, dass sie lange nicht auf die Uhr schauen. „Oh je!“, ruft Martin plötzlich. „Wir müssen uns beeilen, sonst fährt uns der Bus vor der Nase weg. Und der nächste kommt erst in einer Stunde.“ „Du hast recht“, sagt Lukas. „Lass uns schnell die Sachen zusammenpacken. Denn wenn wir zu spät nach Hause kommen, dürfen wir morgen vielleicht nicht mehr zum Schwimmen fahren.“ Beim Aussteigen verabreden die beiden Freunde, sich morgen um drei Uhr an der Bushaltestelle zu treffen.
Lukas ist sauer
Am nächsten Tag steht Lukas an der Bushaltestelle. Aber von Martin ist weit und breit nichts zu sehen. Lukas ist sauer und denkt: „So ein Mist! Ich habe gedacht, auf Martin könnte ich mich verlassen.“ Wütend stapft er wieder nach Hause. Eine halbe Stunde später ruft Martin an und stammelt: „Entschuldige bitte, Lukas. Ich habe ganz vergessen, dass wir uns um drei Uhr treffen wollten. Bist du mir böse?“ „Und ob!“, schimpft Lukas. „Wegen dir habe ich mir die Beine in den Bauch gestanden.“ „Tut mir Leid, Lukas, wirklich!“, sagt Martin. „Aber vielleicht könnten wir ja jetzt noch zum Schwimmbad fahren. Der Bus fährt in einer Viertelstunde.“ Und dann fügt er noch hinzu: „Bitte!“ Lukas überlegt eine Weile und sagt: „Einverstanden!“ Schnell läuft er los und freut sich, als er Martin schon an der Bushaltestelle sieht. Es wird ein super Nachmittag im Schwimmbad. Die beiden tollen auf der Wiese herum und spielen wie immer Schattenfangen.
Dem anderen eine Chance geben
Wisst ihr, was mit Lukas passiert ist? Er ist über seinen Schatten gesprungen. Denn er war bereit, seinen Ärger zu vergessen und gibt seinem Freund noch eine Chance. Überlegt einmal: Bestimmt fallen euch Situationen ein, in denen ihr mal über euren Schatten gesprungen seid. Oder in der andere euch zuliebe über ihren Schatten gesprungen sind. Über seinen Schatten springen – das bedeutet Gutes, nämlich verzeihen, lieben, es gut mit jemandem meinen...
Zeichnung: Susanne Mix
Von Margret Nußbaum
zum Anfang 